Das Stillen und ich

Stillen ist eigentlich kein kompliziertes Thema, es ist eigentlich ganz einfach. Der Körper weiß in den meisten Fällen was, wann und wie zu tun ist. Natürlich gibt es auch Ausnahmen und das ganze klappt irgendwie nicht, obwohl man es sich so sehr wünscht.

Stillen ist ein heiß diskutiertes Thema. Es gibt dabei verschiedene Parteien, Frauen die es garantiert am besten wissen und Frauen die sich rechtfertigen. Viele kennen DEN einzig wahren und besten Weg für das Baby. Manche von Ihnen sind fürs Stillen, manche für das Fläschchen. Ich fand schon immer Fläschchen toll…

Bevor ich schwanger wurde wusste ich natürlich was stillen ist aber ich wusste auch, dass ich es nicht machen wollte. Vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Gott ich erinnere mich wie heute als ich in meinem damaligen Nagelstudio saß und leicht schockiert darüber war, dass eine Frau ihr Säugling stillte. Einfach so auf einem Stuhl mitten im Nagelstudio, unverhüllt. Gar nicht unbedingt weil sie stillte, sondern weil es für mich ehrlich gesamt Befremdlich war. Ja etwas völlig natürliches war befremdlich, komisch wenn ich jetzt so darüber nachdenke.

Stillen? Nein Danke!

Irgendwann folgte bei uns die Hochzeit und die ersten Gespräche mit meinem Mann über das Kinderkriegen. Mein Mann war von Anfang an der Meinung das Stillen etwas Schönes sei und das ich wenigstens versuchen sollte (wenn es soweit wäre). Ich blieb Skeptisch und weiterhin überzeugt: Mein Baby bekommt Flaschen Nahrung.

Rückblickend kann ich es nicht mal begründen. Von meinen Nichten und Neffen kannte ich nur Flaschennahrung. Meine Schwägerin erhielt eine fiese Brustentzündung und lag daraufhin ein paar Tage im Krankenhaus. Für mich waren Fläschchen das normalste der Welt und Stillen mit Schmerzen und Problemen verbunden. Vielleicht kam daher meine Einstellung?

Dann war es soweit, der erste Positive Test lag in meinen Händen. Es führte nun kein Weg mehr daran vorbei. Aus der Theorie würde ich bald in die Praxis wechseln und ich musste mich mit dem Thema Stillen, Fläschchen und Nahrung beim Baby beschäftigen. Sowas will man doch schließlich vorher wissen, zumindest ich bereite mich gern auf alles vor.

Wenn zwei Striche alles ändern

Es vergingen die ersten Wochen der Schwangerschaft und ich weiß nicht ob es an den Hormonen lag oder ob mich irgendwelche Fakten überzeugten, aber ich änderte meine Einstellung. Ich interessierte mich fürs Stillen. Der Gedanke diese Momente mit dem Baby zu teilen, wurde immer schöner. Monate gingen ins Land und umso näher die Geburt kam umso mehr wusste ich, ich werde das Stillen einmal ausprobieren.

Ich redete mir ein, dass Stillen nüchtern betrachtet einige Vorteile bot. Schließlich hatte man es immer in der richtigen Temperatur dabei. Es war kostenneutral und die Bindung zwischen Mutter und Kind profitiert natürlich auch unheimlich davon. Es waren all diese Argumente die aus der Fraktion „Nur Stillen ist des beste Weg fürs Kind“ kam. Aber irgendwie wirkten sie bei mir.

Die Entscheidung war getroffen, ich stille aber ganz ohne Stress. Wenn es nicht klappen würde, dann wäre das halt so. Ich machte mir schon Pläne wie es dann zukünftig sein würde. Stillen in der Öffentlichkeit wäre nie notwendig, denn ich würde die Termine einfach drum herum legen. Im Zweifel könnte man ja noch abpumpen oder halt Zwischendurch doch mal Flaschennahrung kaufen und geben. Außerdem müsste ich ja auch nur 4 Monate stillen, dann fängt die Beikost an und mit 7 Monaten wäre der kleine Mann dann sicherlich abgestillt. Ich war etwas naiv, rückblickend weiß ich das und kann auch nur noch über mich schmunzeln.

Diese miese fiese Realität

Das Kind war da, das Stillen klappte und alles lief eigentlich ganz gut. Dann wurden meine Brustwarzen wund. Nicht nur ein bisschen sondern so richtig. Sie schmerzen bei jedem Anfassen, dass erste nuckeln von Mini war der schlimmste Schmerz an den ich mich erinnern kann. Ich kämpfte mit den Tränen und ich hatte Angst Mini anzulegen.

Die Hebamme gab mir verschiedene Tipps aber nichts wollte irgendwie so richtig helfen. Die Schmerzen waren wirklich unerträglich und dennoch entschloss ich weiterzustillen. Ich gab Mini und mir eine Frist. Wenn die Brustwarzen bis dahin immer noch so blutig und schmerzhaft wären, würde ich abstillen. Wir fanden eine gute Stillposition für uns (im liegen) und ich benutzte Kompressen um die Wundheilung zu fördern.

Die Brustwarzen heilten und ich konnte noch vor Ablauf der Frist wieder ohne Schmerzen stillen. Welch eine Wohltat. So gingen die ersten Monate ins Land und es wurde ausschließlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit gestillt. Nun lief alles wie ich es mir  im Kopf ausgemalt hatte.

Doch Stück für Stück passierte etwas und dass ohne dass ich es wirklich bemerkte. Das Stillen in der Öffentlichkeit schlich sich in unser Leben. Seien wir doch auch mal ehrlich, wie soll man denn bitte eine Runde Shoppen mit Anfahrt und Abfahrt um einen Stillabstand von 3 Stunden packen?! Vor allem wenn die Anfahrt ja schon 30 Minuten dauert.

Es fing damit an, dass ich Problemlos vor meiner Schwiegermutter stillte. Was übrigens ein großer Schritt für mich war. Danach fiel es mir immer leichter – ich wurde geübter und wusste wie ich mich zu positionieren habe damit es eigentlich kaum auffällt. Man wurde auch selbstbewusster und es wurde immer weniger unangenehm. Ob im Shopping Center, auf einer Bank am Feldweg oder in der Krabbelgruppe – ich stillte.

Natürlich gab es aber nach wie vor Situationen in denen ich mich lieber zurückzog. Meistens in Anwesenheit von befreundeten Männern, oder auch Familienmitglieder wie mein Schwiegervater oder mein Schwager.

Endlich Beikost, endlich abstillen

Als Mini Mann dann 5 Monate alt wurde, gab es den ersten Brei. Ich hatte das ewig herbei gesehnt, wollte ich doch maximal 7 Monate Stillen. Mein Plan war also exakt mit 5 Monaten mit dem Brei anfangen und die Brust schnell zu entwöhnen, doch mein Sohn belehrte mich eines anderen.

 

IMG_0078

Den Mittagsbrei mochte er nicht wirklich und wir brauchten einen Monat bis dieser eine Stillmahlzeit ersetzte. Es war ein täglicher Kampf ihm wenigstens eine halbe Mahlzeit zu füttern, auch zum Ende des Monats. BLW fand er auch nicht ansprechend. Er zermatschte das Essen lieber und es gelang noch weniger in seinen Magen. Einen weiteren Monat brauchten wir um den Milchbrei am Abend einzuführen. Das klappte zwar etwas besser und leichter aber es änderte nichts daran, dass er zum Einschlafen die Brust brauchte. Ohne ging es einfach gar nicht. Den Obstbrei nahm Mini schon besser an aber alles ersetze nicht das Stillen. Von Woche zu Woche wurden meine Pläne „früh“ abzustillen immer kleiner und rückten nach hinten. Nach 4 harten, stressigen und frustrierenden Monaten entschied ich mich endlich dem ganzen keinen Druck mehr zu machen. Ich übergab meinem Sohn die Entscheidung wann abgestillt wird, ganz nach seinem Tempo.

So passierte es also still und leise von „ich will gar nicht stillen“ zu „mein Sohn entscheidet wie lange ich stille“. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Ich „litt“ manchmal wirklich darunter ständig die Milchbar zu sein. Er ging abends nie ohne mich schlafen. Ich musste also jeden Abend zuhause sein und somit ein Stück Freiheit für mich aufgeben. Meine Pläne schnell wieder was abends mit Freunden zu unternehmen,  mal einen trinken zu gehen oder auch mal einen Fitness Kurs am Abend zu besuchen, schindeten. Ich gab ein Stückweit „mich“ auf aber auch nur weil ich der festen Überzeugung war, dass es für uns der richtige Weg war. Es wäre ja schließlich nicht für immer.

Alles andere würde nur Stress für Mini und noch mehr Stress für mich bedeuten. Ich setzte mir trotzdem eine „Dead-Line“: nach unserem Urlaub sollte die Brust langsam abgewöhnt werden. Schließlich würde Mini im Urlaub seinen ersten Geburtstag feiern und somit wäre er kein Baby mehr sondern ein Kleinkind. Kleinkinder stillt man doch schließlich nicht mehr. Ja ja – auch das war sehr Naiv.

Warum das Naiv war? Weiter geht die Geschichte hier

MUTTERSTIEFCHEN_ICON-WEB_SCREEN-200x200px-TRANSPARENT_BACKGROUND

 

Advertisements

13 thoughts on “Das Stillen und ich

    • Wow – 3 Jahre das ist aber auch schon eine gute Zeit die du das „durchhältst“. Finde ich super! Ich bin wirklich noch sehr unentschlossen wie lange ich stillen möchte. Momentan halte ich es mir noch als Joker für die Kur. Falls es ihm schwer fällt sich dort wohl zu fühlen, wäre ein Entzug der Brust wirklich nicht hilfreich. Aber danach – tja wer weiß schon was danach kommt. Allerdings wenn ich an ein eventuell zweites Kind denke würde ich schon gern vor einer weiteren Schwangerschaft gern meinen Körper wieder etwas für mich allein haben. Und Tandem stillen kann ich mir absolut nicht vorstellen. Ich glaub das wäre dann wirklich eine Grenze die ich nicht übertreten würde. Aber einfach mal warten was das Jahr noch so bringt 😉

      Gefällt mir

  • Das dachte ich bei meiner erstern Tochter auch! Mit 6 Monaten stille ich ab, den Plan hatte ich aber ohne das Kind gemacht 😉 Habe sie dann, bis sie knapp ein Jahr war gestillt und nun habe ich das zweite kleine Milchmonster (wird jetzt 8 Monate) und ich mache mir dieses Mal überhaupt gar keinen Stress, bin sogar ziemlich faul, was Mahlzeiten ersetzen angeht.

    Sie ist immer bei den Mahlzeiten mit am Tisch und bekommt „Fingerfood“, wenn sie davon satt wird super, wenn nicht, dann eben an die Milchbar 🙂

    Nur die Zähne machen echt keinen Spaß 😦

    Liebe Grüße

    Betti

    Gefällt mir

    • Hallo Betti,

      Ich glaub 6 Monate ist da echt so eine magische Grenze. Vielleicht baut sich weniger Streß auf wenn man gleich an 12 Monate denkt oder so 🙂

      Beisst dein kleines Milchmonster? Ich hatte das Glück, dass Mini Mann das nur ein/zwei mal gemacht hat als die Zähne neu waren. Was ich aber als unangenehm empfand, wenn der kleine beim nuckeln eingeschlafen ist, die Brust aus dem Mund zu entfernen. Das tat manchmal auch ganz schön weh, weil er den Mund nicht richtig öffnen wollte. Mittlerweile hat er aber den dreh ziemlich gut raus – ich kann also sagen umso älter er wurde umso besser klappte es.

      Viele Grüße 🙂

      Gefällt mir

  • Sie hat mich leider total Wund gebissen, jedes Mal, wenn es verheilt ist, geht es wieder los 😦 Ja ich glaube das größte Problem ist das „Abdocken“, mittlerweile passe ich da aber auch besonders gut auf und habe eine neue Technik entwickelt. Mit Zähnen muss man eben doch viel besser aufpassen (auch nachts). Naja, ich creme fleißig weiter ein und hoffe es verheilt endlich mal 😉

    Liebe Grüße 🙂

    Gefällt mir

    • Aua – das klingt wirklich fies!
      Ich hatte nur ganz am Anfang ganz Wunde Brustwarzen – Mini Mann hatte irgendwie nicht richtig genuckelt und sie dadurch wund genuckelt. Das tat weh und jedes Mal beim Stillen hätte ich schreien/weinen können.
      Da war ich kurz davor zu sagen es gibt Fläschchen 😉
      Mit haben dann diese Kompressen sehr gut beim heilen geholfen und irgendwie hatte der kleine dann auch den Dreh raus.
      Vielleicht helfen die Kompressen auch dir? Die sind von Multi mam und sind stillfreundlich

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s