Stillen – lange Stillen – sehr lange stillen – stillen aufhören? Part 2 – Kleinkindalter

Wie es mit dem Stillen anfing und die erste Zeit war habe ich bereits HIER beschrieben und tolles Feedback dafür bekommen. Danke noch einmal – es ist schön zu lesen das man gar nicht so alleine ist wie man denkt.

Nun möchte ich erzählen wie es weiter ging bzw. geht, denn wir sind immer noch nicht ganz weg von der Brust.

Der erste Geburtstag war da, er Urlaub war um. Beim Flug war das stillen noch mehr als hilfreich. Der Mini Mann hatte keinerlei Probleme und schlief zu 90% der Flugzeit. Einschlafen an der Brust sei Dank.

Bisher war ich, auch wenn meine Pläne abzustillen nie aufgingen, zufrieden. Ich hatte mich damit abgefunden aber ich kam wieder in so eine Art Loch. Das Loch lässt sich schwer beschreiben, denn rückblickend sind solche Phasen immer total dämlich. Aber ich fühlte mich häufig „nur“ als Milchbar, oft wollte der kleine Mann zu mir auf den Arm kuschelte kurz und zeigte sofort auf die Brust. Aber nicht nur dieses Gefühl brachte mich in das Loch, auch das Gefühl endlich mal wieder den Körper nur für sich haben zu wollen oder mal nicht abends der Mensch sein zu müssen der das Kind ins Bett bringt. Wir mussten was ändern, wenigstens an den Schlafgewohnheiten

Daher entstand schnell wieder ein neuer Plan – nach dem ersten Geburtstag abstillen. Irgendwie hatte ich aus der Vergangenheit immer noch nicht gelernt. Denn nach dem ersten Geburtstag wurde Mini Mann in die Kita eingewöhnt. Man muss sich also folgendes Vorstellen: Eben verbrachte Mini Mann noch 14Tage mit Mama und Papa rund um die Uhr. Dann darf er eine große Party geben (wir feierten seinen 1. Geburtstag mit einer Art Taufe zusammen) und dann gab ich Ihnen einfach bei fremden ab. Auch wenn dies nach Berliner Modell stattfand, es war ja doch eine strenge Veränderung.

Obwohl ich mich in meinem „Loch“ befand, überwindete ich mich und stillte weiter wie zuvor weiter. Ich merkte dass gerade durch die Trennung die Brust für ihn wichtiger den je war, es war sein Ruhepol. Als könnte er sich dort in die volle Geborgenheit zurückziehen. Häufig hatte ich in der Zeit auch etwas Ruhe. Ich konnte ganz in Ruhe am Handy „spielen“ oder was lesen. Streng genommen profitierten wir beide davon. Wie heißt es so schön „Nachher ist man immer schlauer“.

Ich diskutierte mit mir selber (in meinem Kopf) warum ich denn überhaupt ein Problem damit habe, so wirklich wehtun tat es doch nicht. Das Loch schloss sich dann auch schon bald, aber an dem „nur an der Brust einschlafen“ wollte ich trotzdem etwas ändern. Ich kaufte mir das Buch „Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch“ von Elizabeth Pantley und hoffte damit den richtigen Weg für mich und vor allem für uns gefunden zu haben.

Hier möchte ich direkt noch anmerken, im Freundeskreis wurde mir häufig „Jedes Kind kann schlafen lernen“ empfohlen. Eigentlich haben es aus meinem Rückbildungskurs alle Muttis so gemacht. Irgendwie war ich hier die einzige Quer Schlägerin. Dieses Buch und die damit durchgeführte Vorgehensweise war keine Lösung für mich.

Ich las das Buch, markierte fleißig die für mich interessanten Themen und legte das Buch bei Seite. Mein Loch war weg und die Zufriedenheit kehrte wieder ein. Häufig hatten die Phasen auch etwas damit zu tun, wie gut oder schlecht Mini Mann schlief. Denn Durchschlafen ist bei uns ein Mythos. Ein Mythos der für paar Tage mal da war, als Mini Mann 14 Wochen alt war. Von da an blieb es ein Mythos.

Die Eingewöhnung im Kindergarten war abgeschlossen und Mini Mann fühlte sich sichtlich wohl im Kindergarten. Bald müsste ich wieder arbeiten gehen. Eine Zeit des Umbruchs der uns nicht noch einige Herausforderungen aufzeigte.

Als ich wieder anfing zu arbeiten, passte das Stillen perfekt. Da bei uns das Familienbett praktiziert wird, konnte Mini Mann sich nachts kurz melden, wurde angedockt und ich konnte weiterschlafen. Das ganze dauerte vielleicht 2 Minuten und kostete mich somit nicht viel Zeit von meiner wichtigen Nachtruhe. Diese Nachtruhe war mir auch ziemlich wichtig und somit war ich wieder auf einem Höhepunkt des Stillens.

Ich sah nur die Vorteile, genoss die Nächte in denen ich kein schreiendes Kind neben mir hatte und war einfach nur Happy noch zu stillen bzw. stillen zu können. Doch langsam wurden die Stimmen in meinem Umfeld lauter. Mutter und Schwiegermutter fragten immer wieder mal ob ich noch stillte, aber in der Fragestellung die lautete „Aber du stillst nicht mehr, oder?“. So erzählte ich nicht jedem dass ich noch stillte und behielt es immer mehr für mich. Wie ein großes dunkles Geheimnis.

Wieder einmal musste ich mich erst einmal finden. Damit Abfinden, dass nicht jeder versteht was ich da mache und warum. Mut fassen dazu zu stehen, hinter seiner Meinung zu stehen dass es doch eigentlich nichts Schlimmes ist. Immer wieder musste ich mir selber sagen dass es doch eigentlich was Natürliches ist wofür man sich nicht schämen muss.

In dieser Zeit fand ich viel Trost im Internet. Hier gab es viele Frauen die noch stillten und sogar länger stillten wie ich. Es gab mir neuen Mut und so ging ich zu 90% damit öffentlich und bewusst damit um. Einigen Personen verschwieg ich es aber nach wie vor. Auf Diskussionen und Erklärungen warum ich etwas so mache, wie ich es mache, hatte ich einfach keine Lust. Wir waren eine kleine Familie und für uns Funktionierte es.

Mittlerweile war Mini Mann 15 oder 16 Monate alt und alles ging seinen gewohnten Gang. Auch das Einschlafen an der Brust hatte ich weiter akzeptiert, denn ich war faul. Ich gebe es zu, ich war faul ihm etwas anderes „beizubringen“. Einschlafen an der Brust war bequem und ging schnell.

Doch dann kam der Kindergarten mit etwas um die Ecke was mich tief getroffen hatte. Mini Mann wollte einfach nicht im Kindergarten schlafen. Er schrie und weinte, er lies sich nur schwer beruhigen und es war ein Kampf ihn zum Mittagsschlaf in der Kita zu überzeugen. Der Kindergarten riet mir dringend was an den Schlafgewohnheiten des kleinen Mann zu ändern. Sie gaben mir eine Broschüre mit in dem es um Problemkinder ging, denn Kinder die nicht richtig Schlafen oder Durchschlafen würden seien Problemkinder. Ich war Fassungslos – mein Kind ein Problemkind?

Nehmt es mir nicht übel, aber damit der Blog nicht zu lang wird folgt der Rest der Geschichte im nächsten Teil 🙂

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5 thoughts on “Stillen – lange Stillen – sehr lange stillen – stillen aufhören? Part 2 – Kleinkindalter

  • Ich war von Anfang an recht entspannt mit den Plänen was die Dauer des Stillens anbelangt, aber man macht sich ja irgendwann schon so seine Gedanken. Ich habe natürlich die Hoffnung, das sich der Krümel (10 Monate alt) mal von selbst abstillt, aber wenn ja, wann?
    Das mit dem „Loch“ kann ich auch sehr gut nachfühlen, diese Gefühle und Diskussionen mit mir selbst hatte ich auch schon. Mit dem Durchschlafen dasselbe…gibt es bei uns auch nicht :-).

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    • Auf das selbst abstillen hoffe ich ja auch immer mal wieder :p aber ich glaub aktuell ist er dafür noch nicht bereit.
      Ich glaub Durchschlafen und Stillen gehören irgendwie nicht zusammen, hast du auch manchmal das gefühl das Babys die Flasche bekommen schneller durchschlafen? Aber ich habe mich daran wirklich gut gewöhnt, es gab selten Tage an denen ich sehr müde war. Und wenn dann waren es meist diese Tage die nach kranken Nächten folgten.

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  • Ich wollte noch sagen: ich finde deinen Beitrag sehr gut geschrieben! Fühle mich dir grad sehr verbunden, insbesondere auch beim Thema „Kommentare der Schwiegermutter“ und „Faulheit beim Einschlafstillen“. Ich lese auch sehr viel im Internet – wie auch Deinen Blog 🙂 – das hilft mir sehr, da z.b. auch die meisten Mütter aus meiner Krabbelgruppe bereits abgestillt haben.

    Gefällt 1 Person

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