Mein Geburtsbericht

Es wird Zeit mal wieder etwas zu bloggen. Momentan hätte ich eine Menge Themen, vieles beschäftigt mich aber ich habe mich heute entschieden einen Geburtsbericht zu schreiben. Vorweg möchte ich sagen, dass es für mich eine sehr positive Geburt war – auch wenn nicht alles rund lief. Solltest du ein Geburtstrauma erlebt haben, dann bedenke bitte, dass dieser Beitrag ggf. Triggern könnte.

Ich hatte ja bereits über meine Schwangerschaft einen kleinen Rückblick geschrieben. Jede Schwangerschaft krönt ja eine Geburt und so macht mich sich bereits während der Schwangerschaft Gedanken über diese.

Für mich war relativ schnell klar, dass ich mein Kind nicht in einem großen und sterilen Krankenhaus auf die Welt bringen werde. Mein Traum wäre ja eine Geburt in einem Geburtshaus gewesen, doch leider gibt es so etwas nicht in unserer unmittelbaren Nähe nicht. Ich habe mein Problem mit Krankenhäusern #ausgruenden – und mein Gefühl sagte mir ganz klar, dass ich mich bei der Geburt komplett wohl fühlen muss um eine entspannte Geburt zu erleben.

In erster Linie musste aber dafür mein Baby gesund sein, würde bei irgendeinem Ultraschall etwas auffallen, etwas wofür eine Kinderklinik bei der Geburt von Vorteil bzw. notwendig wäre, dann würde ich entsprechend ein Krankenhaus mit Kinderstation vorziehen.

Mit meinem Baby war immer alles in Ordnung und so konnte ich ihn in einem kleinen Krankenhaus zur Welt bringen. Das Krankenhaus verfügt über keinen Kinderarzt und keine Kinderklinik. Die Geburtsstation wird von Hebammen geführt und das Krankenhaus selber wurde als Stillfreundlich ausgezeichnet.

Perfekt für mich.

Mein Sohn sollte laut errechnetem Termin an einem Montag im Juni kommen. Ich stellte mich schon seelisch und moralisch darauf ein, dass er später kommen würde.  Mit meinem Mann vereinbarte ich, dass wir dem kleinen eine Woche Zeit geben sich auf den Weg zu machen, ansonsten müssten wir überlegen wie wir ihn ermutigen könnten endlich zu schlüpfen.

Aber wir mussten gar nichts machen: Mittwoch Abends fingen leichte Schmerzen bei mir an, ich war gespannt auf den nächsten Morgen da ich zur Kontrolle und zum CTG musste. Amm Donnerstag nach dem errechneten Termin lag ich also bei meiner Ärztin am CTG und war enttäuscht also sie sagte, es seien keine Wehen erkennbar. Allerdings war sie (mal wieder) wegen meinem „hohen“ Blutdruck und dem Fruchtwasser besorgt. Auf ihrem Ultraschall sah es so aus, als sei das Fruchtwasser weniger geworden.

Um auf Nummer sicher zu gehen, schicke sie mich ins Krankenhaus. Dort angekommen wurde ich im Wehenzimmer untersucht und na ja die Ärztin vor Ort sah das alles etwas entspannter. Der Blutdruck war normal und das Fruchtwasser sah ok aus.

Aber da ich nun schon da war und eh über Termin war bot sie mit an einzuleiten. Wir entschieden uns dafür. Um 12 Uhr wurde mit einer viertel Tablette eingeleitet. Die Tablette sei, wenn ich mich noch recht erinnere, eigentlich irgendwie für Magenbeschwerden, das Krankenhaus habe aber mit dieser Form sehr gute Erfahrungen gemacht.

Falls sich innerhalb 4 Stunden nichts tut, wird regulär die Dosis auf eine halbe Tablette erhöht. Nach 4 Stunden eine 3/4 Tablette usw. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaub nach erhalt einer ganzen Tablette wird erst einmal Pause gemacht.

Vor verabreichen der Tablette kam aber der schlimmste Teil für mich. Mir musste ein Zugang gelegt werden. Ich wollte ja eine natürliche Geburt, eben weil ich so Angst vor Spritzen und Zugängen habe. So ein Mist. Die Ärztin legte mir den Zugang und mir wurde schwindelig. Ich legte mich etwas hin und spürte bei jeder Bewegung diesen doofen Zugang. Wahrscheinlich mehr durch meine Angst vor Nadeln als durch den Zugang selbst.

Die Hebamme die mir die Tablette verabreichte verabschiedete sich kurz darauf in den Feierabend. Meine Schmerzen vom Vorabend wurden stärker und so entschied sich Hebamme 2 nach den 4 Stunden (16 Uhr also) für die gleiche Dosis nochmal und gegen eine Erhöhung der Dosis. Hebamme 2 war sehr einfühlsam und nett. Bei ihr fühlte ich mich gut aufgehoben und verstanden.

Die Schmerzen hielten sich immer noch in Grenzen. Ich ging spazieren, schrieb meinen liebsten per WhatsApp und machte Witze mit meinem Mann. Es war etwas unangenehm auf Station da natürlich ausgerechnet an diesem Tag „Tag der offenen Tür“ im Kreißsaal war, wir entschieden uns daher etwas im kleinen Park des Krankenhauses spazieren zu gehen. Die Schmerzen wurden stellenweise schon kräftiger, ich blieb immer wieder stehen und machte Pausen. Doch auch diese Schmerzen waren noch gut aus zu halten. Wir hatten nun so ca. 20 Uhr.

Während ich mich im Park des Krankenhauses hinsetzte, lief mein Mann zum nahgelegenen Rewe und holte sich etwas zu essen. Ich blieb nicht lange allein, zu mir gesellte sich eine etwas ältere Dame die mir ihre Leidensgeschichte und den Grund für ihren Krankenhausaufenthalt erzählte. Sie schien gar nicht zu merken, dass ich gerade mit Wehen neben ihr saß und eigentlich gern etwas Ruhe hätte. Ich lächelte immer wieder nett, bestätigte zwischenzeitlich etwas von ihrem erzählten und lies mich ab und zu vom Schmerz ablenken und hörte nicht mehr zu.

Die Dame war wirklich nett aber ich war froh als mein Mann endlich wieder kam und ich mir nichts mehr „anhören musste“. Nach ein paar Minuten gingen wir wieder in mein Zimmer.  Dort angekommen wurde ich noch mal ans CTG gehängt und immer noch keine Wehe zu sehen. Ich erklärt Hebamme 2 dass ich schmerzen habe aber kein CTG bisher irgendwas angezeigt hat.

Bis zu diesem Zeitpunkt war sie die einzige Hebamme die mir glaubte. Noch besser sie erklärte mir, dass es Wehen gebe die man nicht auf dem CTG sehen würde. Jede Frau habe eben anders Wehen und das CTG mache nichts anderes als Bewegungen zu messen. Das beruhigte mich etwas und ich war froh nun so eine tolle Hebamme zu haben, so verständnisvoll und wirklich liebevoll.

Kurz vor 22 Uhr überprüfte meine neue Lieblingshebamme meinen Muttermund und verkündete es habe sich noch nichts getan. Danach verabschiedete sie sich in den Feierabend was mich sehr traurig stimmte. Hebamme Nummer 3 kam, ich nenne Sie Berta. Berta bekommt einen Namen, weil sie schlussendlich die Hebamme war, die meinen Sohn auf die Welt brachte. Berta stufte mich wie folgt ein: Erstgebärend, eingeleitet->das dauert bis morgen früh. Das ist kein Witz, sie sagte kurz nach der Geburt nämlich etwas das genau in diese Richtung ging.

Berta war selten bei mir im Zimmer, sie lies uns oft allein. Immer wenn mein Mann sie rief blieb sie nur kurz und verschwand relativ schnell. Zu ihrer Verteidigung muss ich erwähnen, dass noch 2 weitere Schwangere auf der Station waren. Eine zu Beobachtung und eine die bereits vor mehreren Stunden wieder heim geschickt wurde, aber nun mit der ganzen Familie aufwartete. Wir bekamen nicht alles mit aber scheinbar bestand die Familie auf eine intensive Kontrolle und Beobachtung.

Gegen ca. 22:30 Uhr bat ich um ein Bad. Die Schmerzen fingen an etwas unangenehm zu werden und ich dachte das würde vielleicht helfen. Ich durfte also in diese riesige tolle Wanne. Berta lies das Wasser ein, machte es angenehm Dunkel, schaltete die Lichteffekte ein und machte irgendein Öl in das Wasser. Dann lies sie uns allein.

Mein Mann half mir in die Wanne und da lag ich nun. Die Schmerzen wurden in der Wanne stärker und unangenehmer. Bereits nach 20 Minuten wollte ich wieder raus. Leider keine Berta in Sicht, also stieg ich mit Hilfe meines Mannes allein aus Wanne. Er trocknete mich dann ab ich zog mich an. Wir begaben uns wieder ins Wehenzimmer.

Ich wies meinen Mann Berta zu holen damit ich etwas gegen die Schmerzen bekomme. Es müsste nun so ca. 23:30 Uhr gewesen sein. Ich war durch aus noch in der Lage zu laufen und am Handy zu schreiben (hielt die liebsten auf dem laufenden) aber ich dachte etwas Linderung könne nicht schaden. Ich bat Berta also um Zäpfchen und bekam diese auch. Mit wenig Liebe warf sie mir diese aufs Bett, verschwand wieder und ich verabreichte mir diese.

Gegen 24 Uhr holte mein Mann Berta erneut, dieses Mal hatte er die Anweisung sie zu holen und nicht mehr weg zu lassen. Nun waren die Schmerzen richtig da. Sie sagte erst, das da noch nichts passiert sein könne aber schaute trotzdem nach.

Berta rief nun zur Unterstützung für die andere Schwangere eine Gynäkologin und blieb endlich bei mir. Denn bei dem Blick auf den Muttermund zeigte sich genau das Gegenteil zu ihrer Vermutung. In 2 Stunden von 0 auf 7 cm. Keine Ahnung ob das viel in der Zeit ist aber die weiteren 2 cm folgten in der nächsten Stunde. Da ich mich noch im Wehenzimmer befand musste ich von diesem rüber in den Kreißsaal laufen. Ich hatte minütliche Wehen, der Weg kam mir unendlich lang vor und jede Wehe schrie ich raus. Ich schrie das ganze Krankenhaus zusammen und es war mir ehrlich gesagt egal, genau wie der Zugang in meinem Arm.

Im Kreißsaal angekommen dauerte es auch nicht mehr lang und ich bekam Presswehen. Leider war ich immer noch bei 9 cm und Berta wiederholte ihr Mantra „Atmen Sie die Schmerzen weg, Sie müssen noch etwas durchhalten wir brauchen noch einen cm“. Irgendwann war ich echt biestig zu ihr und erklärte ihr, dass ich meinen Körper sehr gut kennen würde und ich nun dringend pressen müsste da ich den Schmerz nicht mehr weg atmen könne.

Sie berat sich mit der Gynäkologin, die mir nun auch nicht mehr von der Seite wich, und sie entschieden sich den letzten cm irgendwie weg zu schieben. Ich glaub es dauerte 3 oder 4 Wehen und mein kleiner Mann war endlich da.

Bei der letzten Wehe musste ich mittendrin abbrechen, da der Kleine sich die Nabelschnur 2-mal um den Hals gewickelt hatte. Aber auch das klappte Problemlos. Kein Blau anlaufen oder ähnliches. Berta konnte die Schnur schnellgenug entwickeln und alles war gut. Mein Mann schnitt die Nabelschnur durch und wir lagen noch 3 Stunden im Kreißsaal. Bonding, erstes Nuckeln und natürlich erste Bestandsaufnahme.

Um 1:48 Uhr erblickte nach ca. 3 Stunden richtig starken Wehen mit 54cm und 3250g mein Sohn die Welt. Ich war überglücklich und top fit. Der Kreislauf steckte es super weg und so durfte ich dann in mein Zimmer laufen. Den Freitag blieben wir noch im Krankenhaus. Samstag wurde ich dann endlich entlassen.

Für mich war dies eine wirkliche Traumgeburt die ich so auch immer wieder durchmachen würde. Das einzige was mich störte war die Hebamme Berta, die mich nicht ernst nahm, mich vernachlässigte und mir einen Stempel aufdrückte der nicht stimmte. Aber auch das war unterm Strich nicht das schlimmste, denn schließlich half sie mir meinen Sohn gesund auf die Welt zu bringen.

Am Ende sagte Berta noch zu mir, dass ich die Geburt wirklich gut gemeistert habe und sie mit einer Geburt in der Nacht nicht gerechnet habe. Das erklärte so einiges.

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12 Einträge zu „Mein Geburtsbericht

  • Ein schöner Bericht.
    Da hast Du ja auch einen ganz schönen „Ritt“ hinter Dir.
    Und 7 cm in 2 Stunden ist super schnell! Normalerweise sagt man ja pro Stunde einen cm. 👍

    Die Maße Deines Kleinen sind fast identisch mit meiner Nummer 2. 😊 Was für einen KU hatte er?

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    • Ja also gefühlt würde ich sagen es war eine sehr schnelle Geburt 🙂 bin zufrieden wie es gelaufen ist.
      Natürlich hätte ich mir für die erste Geburt gern eine Hebamme gewünscht mit der es „menschlich“ besser gepasst hätte aber na ja wir haben es ja auch so geschafft :p

      Kopfumfang lag bei 36cm 🙂

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      • Huiii, 36cm. Da hattest Du nochmal 1,5 mehr als ich. 😂👍

        Meine Hebamme hat bei meiner Entbindung auch mehr mit Ab- als mit Anwesenheit geglänzt.
        Das ist wohl leider das Problem durch den Hebammenmangel. Hätte man eine intensivere Betreuung unter der Geburt, wäre das Verhältnis bestimmt auch „harmonischer“.

        Ich würde mir für das nächste Mal gerne eine Beleghebamme wünschen -genau deswegen.
        Aber wahrscheinlich wird es das bis dahin nicht mehr geben. 😔

        Ist er von Juni 2013? Dann ist er ja 3 Monate älter als meine „Große“. ☺

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      • Ach ganz vergessen – ja eine Beleghebamme wäre für das nächste Mal auch mein Traum aber ich glaub der bleibt unerfüllt.
        Alternativ würde ich mich noch mal mit einer – ach Mist jetzt fällt mir das Wort nicht ein… Da gibt es doch so Frauen die wie Hebammen sind nur noch ein größeres Betreuungsspektrum haben. Weißt du was ich meine? Na ja sowas würde ich dann ggf versuchen in Anspruch zu nehmen 🙂

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      • Meinst Du eine Doula?
        Danach habe ich auch schon mal geschaut.
        Ich glaube auch, das wäre ne gute Alternative 👍
        Ich brauche auf jeden Fall jemanden, der mir sagt was ich tun muss und wie weit wir gerade sind. 🙈

        Ist bei euch denn eine Nummer 2 geplant? ☺

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      • DOULA Genau – ich saß gestern Abend vor dem Iphone und wusste es war irgendwas mit D aber selbst google konnte mir nicht helfen :p
        Na ja ich hätte schon gern ein zweites irgendwie. Vorallem hätte ich gern ein Mädchen (ja ich weiß das ist kein Wunschkonzert) würde aber auch noch einen jungen nehmen – so ist es nicht 😉 aber so richtig im klaren bin ich mir über diese Entscheidung noch nicht. Was ich ganz klar sagen kann, aktuell wäre eine Schwangerschaft gar nichts für mich.

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      • 😂😂 Ich stell mir gerade vor wie man das angeht mit dem googeln.
        „Geburtsbegleitung mit D“
        „Geburt mit Frau aber nicht Hebamme mit D“
        „Frau wie Hebamme is aber keine“

        Warum könntest Du es Dir momentan nicht vorstellen? Weil der kleine Mann noch so klein ist?

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      • Ja so ungefähr 😋 mein Suchbegriff war nur etwas falsch ich dachte sie schreibt sich dula da fand ich aber nichts also suchte ich nach Hebamme und tippte Hebamme D ein aber auch unter den Vorschlägen war nichts zu finden 😅 also gab ich auf 😄

        Mhh das hier zu erklären würde zu lange dauern – aber es steht aufjedenfall auf meiner Liste über die Themen über die ich noch bloggen möchte

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  • Wenn du am Ende sagt:
    „Das war eine positive Erfahrung“, dann war es eine gute und schöne Geburt ❤ !!!!

    Es gibt nicht DIE eine perfekte Geburt, sondern viele individuell sehr unterschiedliche Geburten, die die für die jeweilige Mutter als schön, gut und positiv wahrgenommen werden. Leider sagen das noch viel zu wenige Frauen… Sie sprechen dann eher von schlimmen Erlebnissen, die sie zum Glück jetzt hinter sich haben. Das finde ich mehr als schade 😦

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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    • Ich hätte nie Angst vor der Geburt und durch die Geburt selber habe ich noch weniger Angst vor einer zweiten – das sehe ich definitiv als positives Erlebnis an. Das die Hebamme und ich nicht ganz grün miteinander waren ist zwar schade aber so ist es im Leben nun mal 🙂
      Für das nächste mal würde ich mich um eine Hebamme kümmern die dann auch bei der Geburt dabei wäre…

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      • Du hast den entscheidenen Punkt,d er fast schon eine Grundvoraussetzung für eine gute empfundene Geburt ist, genannt: von ANGST frei sein ❤

        Und eine gute Hebamme an der Seite haben, die man kennt und der man vertraut, kann helfen! Aber entscheidend ist deinen innere Einstellung – und DIE ist toll, da angstfrei 😉 …

        Liebe Grüße
        Mother Birth

        Gefällt 1 Person

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