Beißen – ein normales Verhalten bei Kleinkindern?

Kennst du das?
Kinder die Beißen

Bei Kleinkindern scheint es ja doch ein Thema zu sein, dass früher oder später akut wird.

Kindergarten, Zuhause, beim Spielen, beim Kuscheln oder einfach weil man gerade etwas verboten hat. Irgendwann und Irgendwo trifft es einen dann doch.

Die ersten Erfahrungen im Kindergarten

Natürlich gab es schon früher Berührungspunkte mit dem Beißen. Als Baby biss Mini Mann mir mal in die Brust oder in den Finger – unbedacht und ohne zu wissen was er da tut. Natürlich sagte ich schon damals, dass es weh tut und er es nicht machen soll. Natürlich hat das Baby sofort verstanden was ich wollte *ironie*

Das erste Mal richtig „Kontakt“ mit dem Beißen hatten wir in der Kita. Eines Tages holte ich Mini Mann ab und er hatte eine wunderschöne Zahnreihe auf dem Arm. Toller Abdruck. Ich entdeckte ihn erst Zuhause, da sich dieser Abdruck unterm Shirt versteckte. Bei der Übergabe in der Kita wurde nichts dazu erwähnt, also Sprach ich es am nächsten Tag an.

Es stellte sich recht schnell raus, das Mini Mann scheinbar nicht geweint haben muss als er gebissen wurde und sie dadurch nichts mitbekommen haben. Sie wussten aber von einem Mädchen das momentan eine „Beißphase“ hatte. Der zweite Bissabdruck lies nicht mal einen Monat auf sich warten. Dieses mal weinte Mini Mann und ich bekam es von den Erzieherinnen erzählt.

Mini Mann biss nie, er wurde nur gebissen. Es waren immer wieder andere Kinder, manchmal ein Kind auch häufiger und manche „Bisswunden“ waren richtig fies. So holte ich den kleinen Mann mal mit einem blauen „Auge“ ab. Er wurde direkt unter dem Auge gebissen, so fest das es blau wurde. Keine 5 Minuten später biss das gleiche Kind noch einmal zu, dieses mal in Höhe vom Kinn. Mini Mann sah echt fies aus, als wäre er in einer Schlägerei verwickelt gewesen.

Ich war geschockt mein Kind so zu sehen, aber was soll man machen? Beißen ist nicht schön, aber die Erzieherinnen versicherten mir (bei den ersten Bissen) dass es früher oder später jedes Kind mal mache und es einfach dazu gehöre. Die Erzieherinnen versuchten natürlich immer so schnell es geht dazwischen zu gehen, aber manchmal war die Reaktionszeit eben zu lang. Passiert – kann man nicht ändern.

Als es sich häufte wurde mir schon etwas anders und ich überlegte was ich machen kann. Viel bleibt da ja nicht. Natürlich erzählten die Erzieherinnen mir nie welches Kind der „Übeltäter“ war aber dafür mein Sohn dann zuhause.

Bisswunden am Auge, an der Hand und sogar am Bauch. War ich am Anfang noch froh, dass mein Kind nicht der Beißer war sondern der gebissene – ging mir das langsam einfach zu weit.

STOPP – Nein

In meiner Ratlosigkeit suchte ich das Gespräch, nein nicht mit den Erzieherinnen, sondern mit meinem Sohn. Ich erklärte ihm das Beißen nicht gut ist und wenn ihn ein Kind beißt solle er „STOP-Nein nicht beißen“ rufen und dabei eine Hand ausstrecken. Klingt jetzt etwas dramatisch oder?

Ich wusste mir aber nicht mehr zu helfen. Mein Kind konnte doch nicht ständig im „Spiel“ gebissen werden. Wir „übten“ dies also immer fleißig. Natürlich ganz ohne beißen. Ich fragte ihn immer, was er sagen solle wenn ihn jemand versucht zu beißen bzw. ihn beißt und er antwortete brav „STOP-Nein“. Das sollte reichen.

Erfolge

Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Hatte sonst immer alle 2 Wochen erzählt bekommen, er sei gebissen worden, kam nichts mehr in der Art. Ich weiß nicht ob es an der Abwehrtaktik lag oder ob einfach die Phase bei den anderen Kindern vorbei war, aber es wurde weniger und das war entscheidend.

Auch Zuhause sagte das Kind immer fleißig nein – wenn ich mit ihm irgendwas spielte wo ich ihn „beißen“ wollte-ich weiß gerade nicht wie ich das beschreiben soll. Aber damit ist jetzt nicht richtiges Beißen gemeint sondern eher so ein abknutschen 🙂 Ich hoffe ihr könnt euch darunter etwas vorstellen.

Dies war doch ein Erfolg und dann ja dann kam die Wende :p

Mein Kind der Beißer

Genau die Wende, die ich befürchtet hatte. Nach Wochenlangen gebissen werden, fing mein Kind an mich zu beißen und auch andere Kinder. Vermeintlich wollte er mir ein Küsschen geben, doch statt Küsschen ZACK einmal in die Wange gebissen.

Etwas dem Kind verbieten oder nicht so machen wie er es sich vorstellt und ZACK wird mein Finger gegriffen und rein gebissen. Mit voller Absicht. Aua sagen oder Nein sagen – führte zu gar nichts. Schimpfen auch nicht. Das Kind fand es lustig. Müsste es doch aus seiner Erfahrung doch eigentlich besser wissen.

Im Kindergarten biss er mit „Vorliebe“ seine liebsten Spielkameraden. Die Erzieherin erzählte mir irgendwann, dass er T. gebissen habe und das diese zwei Jungs einfach wie ein Herz und eine Seele seien. Quasi beste Freunde. Auch das zweite Kind das er gelegentlich biss war eines seiner besten Freunde. Es würde wohl einfach im Spiel passieren, im Übereifer sozusagen.

Wieder suchte ich mit meinem Kind das Gespräch. In der Kita wurde „sein Benehmen“ relativ schnell besser. Zuhause wurde es zwar weniger, aber gerade mir gegenüber blieb das beißen noch lange ein Bestandteil. Schimpfen, Reden, Erklären irgendwie schien nichts zu helfen. Traurig schauen, weinen, Aua rufen führte im Prinzip eigentlich nur dazu, dass das Kind schmunzelte.

Ich zweifelte an meinen Erziehungsmethoden und war ratlos. Ich versuchte es auf die Art, die ich ihm als Abwehr damals beigebracht hatte.

Mein Nein-Stop wurde durch ein „was sagt man wenn man jemanden weh tut“ ergänzt. Und so Biss mein Sohn mich, entschuldigte sich danach fleißig um (manchmal) direkt wieder zu zubeißen. Klingt nun alles ziemlich nach einem ungehorsamen kleinen Kind oder? Dachte ich damals auch. Aber was sollte ich machen – schmerz mit schmerz bekämpfen ist ja auch keine alternative. Manchmal war es wirklich einfach eine Überreaktion, dass sah man ihm direkt an. Er wusste nicht wohin mit den ganzen Gefühlen.

Es passierte sogar auch , dass er sich selber in den Finger biss wenn er so viel Emotionen hatte und nicht wusste wo hin damit. Das fiel natürlich auch den Erzieherinnen in der Kita auf. Die sprachen mich darauf an und das man hier nach einer alternative für ihn suchen müsse. Immer wenn es mir auffiel, erklärte ich ihm das er sich nicht selber weh tun soll und um die Emotionen besser erklären und greifen zu können kaufte ich ein Buch.

In diesem Buch wurden Kinder und Emotionen dargestellt. Das war toll und brachte etwas Einsicht. Sein Wortschatz wurde nun erweitert. Sätze wie „Mini Mann hat geweint“  und „Mini Mann hat dolle geweint“ wurden nun durch „Angst hab“, „Traurig bin“ und „Grumpy“ erweitert.

Grumpy – ja der Zwerg von Disney´s Schneewittchen half uns sein bockig sein zu beschreiben. Ich habe ein T-Shirt mit Grumpy drauf und immer wenn ich nun ein grummeliges kleines Kind vor mir habe-frage ich „Na bist du wieder Grumpy“ und er kann ein kleines lächeln nicht unterdrücken.

Die Lösung

Ich brauch das ganze nicht weiter in die Länge zu ziehen. Wir hatten diese Phase so ca. 4-6 Wochen. Wie sie gekommen war, verschwand sie auch wieder. Viele Worte wurden geredet, es wurde geschimpft, gebettelt und gelesen (viel gelesen). Irgendwann war es vorbei. Ob irgendwas von dem was ich gemacht habe wirklich geholfen hat, oder ob es wirklich einfach nur eine ganz normale Phase war – tja das werde ich wohl nie in Erfahrung bringen…

Aber sie ist vorbei -und das ist auch gut so! Ich hoffe das bleibt jetzt auch so 😉

Kennst du solche Situationen? Wie sind denn eure Erfahrungen mit Beißen? Was hat bei euch geholfen? Gehört es aus eurer Sicht auch einfach „dazu“?

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2 thoughts on “Beißen – ein normales Verhalten bei Kleinkindern?

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