Ständig spät dran

Oh seht – oh seht – ich komme viel zu spät – Grüß Gott und bald auf Wiedersehen – muss gehen muss gehen muss gehen.

Na wer erkennt es? Das sagt/singt Mr. Rabbit bei Alice im Wunderland (natürlich in der Disney Ausführung) und ganz ehrlich ganz ganz oft komme ich mir so vor wie dieses Kaninchen.

Schon morgens

Der Tag fängt meistens schon so an, egal wie früh ich aufstehe zum Ende wird die Zeit immer knapp. Der Wecker klingelt – manchmal geh ich laufen, manchmal eben nicht. Erst einmal richtig wach werden und die ersten Sachen erledigen. Essen für den Tag einpacken, Klamotten für das Kind raus suchen, duschen gehen – versuchen wie ein Mensch auszusehen der unter Leute kann. Zack ist da ne halbe bis 3/4 Stunde um (ohne laufen gewesen zu sein).

Kind wecken und Zack da ist er – mein Entschleuniger – man könnte auch sagen der Grund warum ich sooo lange brauche bis ich endlich zur Tür raus bin.

„Mama noch kuscheln“ – wie kann man da nein sagen? also noch mal ne Runde kuscheln.

„Nicht Schlafsack ausziehen“ – Puuhh ok das Kind ist noch nicht ganz wach und noch nicht bereit sich umziehen zu lassen.

„Nein Kita nicht, lieber Bett bleiben“ – Es ist nicht jeden Tag so, aber häufig. Der kleine Mann mag nicht aufstehen. Er will lieber im Bett bleiben und mit mir kuscheln. Komisch irgendwie nur unter der Woche, Samstags wenn ich liegen bleiben will wird ab 7 Party gemacht.

Nach langem hin und her, habe ich es irgendwie geschafft und wir sind pünktlich fertig. Ok nicht ganz denn wir sind pünktlich zu der Uhrzeit fertig, in der wir eigentlich schon im Auto sitzen sollten und den Motor starten sollten. Also „Los jetzt, wir sind spät dran wir müssen in die Kita“. Das Kind interessiert das wenig. Es schlendert die Treppe runter, hinterfragt noch mal alles und wundert sich dann, wenn das Licht im Flur aus geht und wir noch nicht unten sind *seufz*

Wenn ich Pech habe kommt doch auch noch die Müllabfuhr, die wir uns natürlich ansehen müssen. Es ist komisch und ich kann es nicht erklären, selbst wen wir in der Wohnung früh/rechtzeitig fertig sind, sind wir im Auto sitzend spät dran. Irgendwo im Hausflur muss sich ein Zeit fressendes Loch befinden.

Endlich Unterwegs – der Tag startet

Vom Verkehr versuch ich mich gar nicht erst streßen zu lassen. Dieser ist immer unberechenbar. Wie oft hat mein Mann schon gesagt „Du hast doch Zeit es sind Ferien, die Straßen werden leer sein“ und ZACK waren unheimlich viele Menschen (die dazu gefühlt auch kein Auto fahren können) auf der Straße unterwegs.

An der Kita angekommen packe ich meinen kleinen Trödler aus dem Auto und hoffe auf einen schnellen Einmarsch in die Kita. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir brauchen für 300 Meter ca. 10 Minuten. Irgendwas ist immer. Es fährt ein Bus vorbei, Vögel fliegen, ein Laubbläser bläst, ein Lastwagen parkt oder oder oder.

Ich finde es schön das mein Sohn so neugierig ist und ich versuche ihm natürlich auch die Zeit und den Raum zu bieten, das er die Umwelt erforschen kann – aber wenn ich eine tickende Uhr im Hinterkopf habe und ein Büro das auf mich wartet – tja dann fällt mir das echt schwer.

„Mini Mann komm jetzt“, „komm wir machen ein Wettrennen in die Kita“, „Los jetzt wir sind spät dran“ und „Bitte Mini Mann wir müssen nun wirklich rein“ sind die häufigsten Sätze die ich wohl sage.

Endlich in der Kita, Kind aus-/umziehen und Kind abgeben. Nun einmal kurz durchatmen und ab ins Büro. Der Gleitzeit sei dank kann ich eigentlich recht entspannt sein, oder sagen wir sollte ich recht entspannt sein. Aber ich bin es nicht, denn fahre ich zu spät los ist der Verkehr noch schlimmer. Umso später ich im Büro bin umso später kann ich auch Feierabend machen. Das kann Probleme mit eventuellen Nachmittagsterminen geben und es besteht auch wieder das Feierabendverkehrsproblem.

Im Büro

Endlich im Büro stehen natürlich auch hier Termine an. Diese kann ich meistens gar nicht selber steuern. Also bin ich auch hier fremdgesteuert, wenn es mal stressig wird. Doch ich gebe mir die größte Mühe mich nicht stressen oder ärgern zu lassen.

Häufig ist es aber auch im Büro leider so, dass Termine für eine Telefonkonferenz so gelegt wird, dass ich diese entweder früher verlassen muss oder das Kind später aus der Kita abholen muss. Beides mache ich ungern. Im Regelfall geht es immer zu Gunsten meines Kindes aus.

Mein Kalender ist eigentlich gepflegt, wer dabei den Eintrag „Außer Haus“ missachtet ist ja streng genommen selbst dran Schuld.

Im Büro klappt das Zeitmanagement trotz der Fremdbestimmung der Termine immer noch am besten. Viel kann ich eben doch noch selbst bestimmen oder gehe eben zur Not einfach früher. Das Zeitproblem fängt dann erst wieder nach „Feierabend“ an.

Juhu Feierabend – oder eben nicht

Kaum habe ich das Büro verlassen sitze ich im Auto auf dem Weg zu Kita. Ich muss doch noch meinen Entschleuniger abholen. Herzlich werde ich begrüsst, lass mir erzählen wie der Tag war und begebe mich zur Garderobe um das Kind umzuziehen.

Eifrig erzählt mir Mini Mann noch mal irgendwas vom Tag oder von der Woche zuvor. Was ihm eben gerade so einfällt. Das Umziehen dauert, denn der kleine macht es mir natürlich nicht einfach. Wenn er angezogen ist, muss ich erst noch eine, oder zwei oder drei Runden fangen mit ihm spielen bevor wir es endlich schaffen vor die Tür zu gehen.

Draußen selbes Spiel wie am morgen. Vögel, Blätter, Pfützen, andere Kinder die abgeholt werden, Lastwagen oder einfach nur die Treppe hoch und Runter rennen sind einfach viel viel wichtiger und interessanter als die olle Mutti die ständig sagt wir müssen los.

Egal ob wir einen Termin haben der dem Mini Mann gefällt oder nicht, er lässt sich nicht ins Auto locken. Ich begegne dem entspannt. Wenn ich zu spät komme, dann ist es halt so. Meistens jedenfalls. Es kommt auch auf den Termin drauf an. Gehen wir zum Kleinkind turnen (z.B.), dann schaue ich das wir nicht zu spät los fahren. Die Turnstunde muss sich schließlich lohnen.

Diese Eigenschaft vom Mini Mann streckt sich durch den Rest des Tages durch. Bis wir endlich Zuhause sind. Es gibt unendlich verschiedene Situationen die ich jetzt beschreiben könnte, in denen mein Kind trödelt und meine Uhr immer lauter anfängt zu ticken.

Endlich Zuhause

Wenn wir den Tag im Büro/in der Kita und die Nachmittagesvorhaben erledigt haben und endlich Zuhause sind, hört die Uhr endlich auf zu ticken. Nun ist es egal wie lang etwas dauert. Jetzt steht nur noch Essen und ins Bett gehen an.

Je nachdem wie der Tag lief bin ich aber noch etwas angespannt. Ich gebe zu ich bin froh wenn der kleine Mann im Bett liegt und ich etwas durchatmen kann. Abends auf der Couch sitzen, dass ist toll. Einfach mal durchatmen und entspannen. Das Ticken der Uhr ist auch schon im Bett und wartet bis zum nächsten morgen, wenn es wieder heißt „Wir sind spät dran los los“

Entschleunigen 

Entschleunigen ist ja ein neues Trendwort, würde ich behaupten. Bei Wikipedia wird das Wort wie folgt beschrieben:

Mit Entschleunigung wird umgangssprachlich ein Verhalten beschrieben, aktiv der beruflichen und privaten Beschleunigung des Lebens entgegenzusteuern, d. h. wieder langsamer zu werden oder sogar zur Langsamkeit zurückzukehren.

Das Thema beschäftigt mich immer wieder. Immer wieder versuche ich mir ins Gedächtnis zur rufen, dass ich langsamer machen muss – mehr genießen muss. Etwas das Kinder machen, sie schauen sich einen Käfer eben 20 Minuten lang an und finden das gar nicht langweilig. Ihnen entgehen manch kleine Dinge nicht, die wir einfach übersehen. Wir können also eine Menge von Ihnen lernen.

Theoretisch denn praktisch bin ich der Meinung, man kann nicht alles Entschleunigen. Gerade unter der Woche, als Berufstätige, ist eine ständige Entschleunigung einfach nicht machbar. Dadurch prallen einfach zwei Weltern (gestresste Mama – entspanntes Kind) aufeinander und man muss schauen dass man das beste draus macht.

Wir versuchen das am Wochenende-einfach mal Durchatmen und keine tickende Uhr im Hintergrund haben. Wie ist es bei euch?

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2 Einträge zu „Ständig spät dran

  • Sehr süß geschrieben 😉 und beruhige Dich es geht allen ELTERN so. Hat nicht am Montag eine Erzieherin in unserer Kita zu einem schlendernden Vater gesagt: „Na, sie müssen wohl nicht arbeiten“ Er: „Nein.“ Sie: „Das merkt man gleich sie sind so entspannt!“ – Fands eigentlich unerhört aber im Grunde hatte sie recht. Man merkt schon morgens wer Hartz4 ist und wer arbeitet – traurig das diese Leute so schlechte Vorbilder sind. Wir sind es nicht – von daher alles richtig gemacht und ein bisschen Stress schadet auch dem Kind nicht 😉

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  • Bei uns in der Kita wird darum gebeten beim Abgeben und Abholen nicht etwas Zeit mitzubringen.
    Ich versuche das auch Grundsätzlich einzuhalten und nicht gestresst zu sein oder zu wirken. Aber im innern geht es halt manchmal so zu, egal ob man will oder nicht…

    Aber wem erzähle ich das 😉

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