#Blogparade Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle

Puhhh da ging es ja ganz schön Rund auf Twitter – warum?

Na ja es ist wie immer wenn es um Kinder geht und was am besten für Sie ist, wird diskutiert. Mal mehr mal weniger. Das Resultat war eine Blogparade.

Mein Beitrag weicht vielleicht etwas ab, denn ich beschreibe in erster Linie die erlebte Situation. Wer einfach nur meine Meinung zu dem Thema wissen möchte der kann etwas weiter runter Scrollen, denn da habe ich mich Zusammenfassend und kurz gehalten.

Hier ist der Aufruf zur Blogparade und daraus folgender Auszug:

Hiermit möchte ich nur kurz einen Anreißer geben und den Anstoß für die Blogparade zum Thema:

 

Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung {Blogparade}

geben und jetzt nicht weiter auf die vorangegangene Diskussion eingehen. Ein paar Themen habe ich oben schon etwas ungeordnet in den Raum geworfen….

 

weitere  Stichpunkte zum Thema könnten sein:

  • Wie viel Egoismus, Selbstaufgabe und Aufopferung sollen oder müssen Eltern erbringen
  • Wie passen elterliche Grenzen und die Befriedigung aller kindlichen Bedürfnisse zusammen?

Muss sich das Leben um das Kind drehen, der ins Leben integriert werden oder muss sich das Kind dem Leben der Eltern anpassen (Stichpunkt: funktionieren!) ……..

Als Frau Chamailion bei Twitter gefragt hat, wer an der Blogparade teilnimmt – hab ich mich direkt gemeldet und nun sitze ich vor dem PC und finde nicht die richtigen Worte anzufangen.

Vor der Schwangerschaft

Vielleicht mache ich es einfach ein bisschen Chronologisch. Ich wollte nie Kinder, dass klingt jetzt hart aber ich wollte nie Kinder und das aus einem bestimmten Grund. Die Erziehung die ich in der Kindheit erfahren durfte hinterließ spuren. Sie hinterließ Narben, furchtbare Erinnerungen und die Angst meine eigenen Kinder selber so zu erziehen.

Irgendwann führte ich eine innere Diskussion und später eine Diskussion mit meinem Mann darüber. Er glaubte immer an mich und war sich sicher, ich würde die Fehler meiner Eltern nicht wiederholen. Der Wunsch nach einem Kind wurde großer und schlussendlich vertraute ich einfach darauf es besser zu machen. Dennoch ich war ein Opfer der Klischees die es nun mal gibt.

Kind nicht immer auf den Arm nehmen, Kind ja nicht bei jedem „aua“ trösten oder gar ansprechen usw. usw. Ich denke mal ich muss euch die ganzen Sachen nicht aufzählen. Ich fand auch ein Tragetuch total lächerlich. Pfff was ein Blödsinn, dass Kind soll gefälligst im Kinderwagen liegen, dafür ist er doch schließlich da. Und klar wollen die Kinder nicht im Kinderwagen liegen, wenn man Ihnen erst einmal das Tragetuch anbietet. (Achtung Ironie und Sarkasmus)

Die Schwangerschaft

Dann war es endlich so weit. Kurz Pipi machen, zwei Striche anschauen und puuh nur noch 36 Wochen um sich auf ein kleines Lebewesen vorbereiten. Nun wurde es dann doch ernst. Ich fing an mich mit den ersten Büchern, Foren und Erziehungsmethoden zu beschäftigen.

Für mich war ab diesem Zeitpunkt klar, ich mache in der Schwangerschaft nichts was mein Baby irgendwie in Gefahr bringt. Ich aß nichts von dem ich wusste, dass es Toxoplasmose auslösen könnte (da ich negativ getestet wurde). Ich wollte nicht mehr fliegen, fuhr kein Karussell das irgendwie zu schnell oder ruckartig war (wir waren damals im Disneyland) usw. Ich wollte mir nicht irgendwann Vorwürfe machen, etwas gemacht zu haben was meinem ungeborenen Kind schaden könnte.

Ich merkte bereits jetzt das es nicht alles so einfach wird wie man denkt und wie man es sich vorstellt (darunter auch mein lieber Mann). 4 Wochen nach der Geburt auf ein Konzert gehen? Klar ist doch kein Problem, pumpst einfach ein bisschen Milch ab und gehst. Mann und Baby bekommen das schon gewuppt. Ja ja der Boden der Realität kann hart sein.

Endlich Mama

Da war er nun, mein kleiner Sohn, mein kleines Wunder. Als ich ihn auf meiner Brust spürte wusste ich, ich würde alles für ihn geben. Ich wusste nur noch nicht was „alles“ ist.

Ich entschied mich ja schlussendlich doch zu stillen (schaut doch mal hier rein) und damit fing für mich ein kleiner Teufelskreis an. Aus welchen Gründen auch immer, ich wollte nicht abpumpen und Fläschchen geben. Irgendwas in mir sagte, dass sei eine schlechte Idee. Nun musste der kleine aber jede 2 Stunden und manchmal sogar (gefühlte) 24 Stunden dauerhaft gestillt werden.

Tage auf der Couch ohne viel Bewegung vergingen. Es kamen offene Brustwarzen dazu. Mein Sohn war ca. 6 Wochen alt und ich stillte unter schmerzen. Das erste Nuckeln war immer ein schmerz der mir durch den ganzen Körper zog. Ich hätte schreien können, dennoch ich stillte weiter. Ich gab meiner Brust noch eine Woche. Wenn das stillen bis dahin nicht wieder schmerzlos funktionieren würde, würde ich aufhören.

Ich hielt durch, es wurde besser und ich stillte schlussendlich fast 2,5 Jahre lang. Durchhalten hatte sich gelohnt. Es gab immer wieder auf und abs aber schlussendlich war das lange Stillen genau das, was mein Sohn und auch ich gebraucht haben.

Eine Geschichte steht für viele

Das Stillen ist nur eine von vielen Situationen die mich auf die Probe stellten. Mein Sohn hasste am Anfang den Kinderwagen. Als wir das Tragetuch testeten und sich zeigte, dass mein Sohn dieses akzeptierte war ich von Herzen erleichtert. Endlich wieder 2 Hände frei und trotzdem das Kind ganz nah an mir.

Ich könnte wahrscheinlich noch Unmengen solcher Beispiele raus holen und vorbringen, aber ich denke die zwei reichen erst einmal. Ich lies mich also von so einem kleinen Wurm ziemlich leiten. Ich versucht es dem Kind „recht“ zu machen. Warum? Ganz einfach, wenn es ihm gut ging, ging es mir gut. Sobald ich ihn verstand, seine Belange interpretieren konnte und sie umsetze war das Kind entspannt und weinte kaum.

Diese Belange zerrten aber ziemlich an mir. Es gab Unmengen Tage an denen ich 24 Stunden stillte. Tage an denen ich km für km gelaufen bin damit das Kind im Tragetuch schlief. Ich befolge Ratschläge aus Büchern und führte feste Tagesabläufe ein in der Hoffnung es würde ihn beruhigen. Einiges half, einiges nicht.

Stimmen von Ausserhalb

Wie oft musste ich mir anhören, ich würde den kleinen ja verwöhnen. Ohne mich würde bei dem kleinen ja nichts gehen und er sei ein absolutes Mama Kind. Ausgesucht hatte ich mir das nicht. Ich hatte einfach einen kleinen nuckelnden kuschler.

Dennoch sagte ich immer, das mein Sohn pflegeleicht war. Er schrie während den Schüben oft, er schlief nie eine Nacht durch, Brust war häufig das einzige „Mittel“ um ihn zu beruhigen, Schnuller wollte er nicht. Dennoch ich bin der Meinung ich hab kein High-Need Kind. Ich habe ein kleines Baby bekommen das einfach Bedürfnisse hatte die völlig im Rahmen war.

Die ersten 12 Monate hielt ich auch irgendwie durch. Doch dann fing es langsam an, an mir zu nagen. Ja ich gebe es zu, ich litt darunter nur Mama zu sein und nicht einfach mal nur Frau. Einfach mal wieder nur Mutterstiefchen sein und mal abends weg gehen und abschalten. Jeder Schritt erfolgte nur mit Kind. Auch hier kamen natürlich wieder die Stimmen hoch, die jetzt einfach auf den Punkt gebracht gesagt haben: bin ja selbst dran schuld.

Das Aufgeben musste sich ändern

Ich wurde ungeduldiger mit dem kleinen Mann, ich merkte meine Aufopferung für mein Kind machte sich bei mir bemerkbar. Mit dem Kindergarten kam auch etwas mehr Freizeit für mich. Im Büro konnte ich abschalten, wieder Kontakt zu Menschen (ohne Kinder) finden und wieder etwas zu mir finden.

Ein oder Zwei Gleittage gönnte ich mir auch um einfach mal wieder runter zu kommen. Wir fingen auch an die Samstage für mich frei zu schaufeln. Mein Mann fuhr mit dem kleinen zu den Schwiegereltern. So konnte ich mal wieder durchatmen und meinem Sohn ging es dadurch ja nicht schlechter. Ich stellte in diesem Moment kein Bedürfnis von ihm hinter meins, sondern die Bedürfnisse fanden zeitgleich statt. Mini Mann bekam Aufmerksamkeit und Liebe-nur nicht von mir, sondern von Oma, Opa und Papa.

Davon profitierten wir beide. Ein großes Problem blieben aber die Abende. Mein Sohn schrie sobald ihn abends jemand anderes ins Bett bringen wollte. Er schrie und weinte bitterlich nach seiner MAMAAA.

Das ging auch noch ziemlich lange so. Als ich dann dieses Jahr in die Kur gefahren bin und mit einer Psychologin über meinen Zustand sprach legte sie mir ganz deutlich nah, mir etwas mehr Zeit für mich zu nehmen. Natürlich kam sie erst einmal mit den Klassikern, der Mann soll einfach übernehmen ich soll es ihm aber ganz deutlich sagen etc.

Irgendwann erklärte ich der Dame, dass wir es probiert hatten aber der kleine richtig schrie und weinte. Sie „knickte“ dann ein und merkte, das mein Sohn solche Änderungen nur sehr langsam akzeptierte und der Abstand zu mir in kleinen Schritten erfolgen musste. Dennoch sie legte mir nah, den Fokus beim Sohn etwas von mir weg zu lenken ohne meinen Sohn dabei vor den Kopf zu stoßen.

Warum mir das die Psychologin als Rat gegeben hatte? Ganz einfach, die letzten 2 Jahre zerrten an mir. Jeden Abend, jede Nacht auf Abruf. Ewig keine Nacht mehr durch geschlafen-dazu noch arbeiten gehen. Kindkrank musste ich häufig alleine stemmen (einfach weil es bei meinem Mann auf der Arbeit nicht ging). Die Reserven fühlten sich bereits nach 1,5 Jahren aufgebraucht an.

Dennoch hielt ich ja irgendwie 2 Jahre durch. Ich war aber schnell reizbar, die Beziehung zu meinem Mann litt darunter und und und. Es war also klar –  es musste sich was ändern. Die Bedürfnisse mussten so abgestimmt werden, dass vielleicht jeder etwas zurücksteckt aber dennoch jeder Glücklich ist.

Änderungen

Diese Änderungen gingen dann schneller als Erwartet und ganz ohne weinen. Das langsame Abstillen war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Dann riskierten wir es einfach und ich ging Abends aus, ständig auf Abruf falls es nicht funktionieren würde. Aber es funktionierte. Der Trick war also, mein Mann kann unseren Sohn nur ins Bett bringen wenn ich nicht da bin.

Diese neue Freiheit genoss ich. Das war Ende Oktober und seit dem war ich schon 3 oder 4 mal Abends weg. Davon 2 mal mit meinem Mann, denn wir wagten uns sogar noch einen Schritt weiter und überließen den kleinen Mann der Oma (über Nacht) und auch das funktionierte.

Mein Beitrag zur Blogparade

Nun habe ich eine Menge über unsere Situation geschrieben und trotzdem bin ich gar nicht auf die Blogparade eingegangen.

Ich habe gelernt, das Mutter sein sich Aufgeben bedeutet. Manchmal Aufgeben bis es wirklich gar nicht mehr geht und noch viel weiter. Jeder Mensch hat eine Grenze die vielleicht erreicht wird aber vielleicht auch nicht. Jeder hat es als Ziel ein Glückliches Kind groß zu ziehen.

So und nun bin ich an einem Punkt wo es schwer ist meine genaue Meinung und meine Gefühle nieder zu schreiben, denn ich habe einfach Intuitiv gehandelt. JA man muss sich aufgeben, unterschreibe ich. Man muss sehr viel aufgeben und weiter gehen als man es sich vorgestellt hat, ja unterschreibe ich auch. Aber sich komplett aufgeben sollte, aus meiner Sicht, nicht das Ziel sein. Wenn man an seine absoluten Grenzen kommt sollte man sich Hilfe suchen und sich etwas freiräume schaffen.

Ich werde nach wie vor meinen Sohn in meinem Bett schlafen lassen, wenn er es brauch. Ich werde ihn immer Fragen warum er weint, ihn trösten auch wenn es vielleicht aus Erwachsenensicht „nichts war“. Ich werde meinem Sohn alle Liebe zu kommen lassen die ich zur Verfügung stellen kann, aber ich werde auch manchmal einfach wieder Mutterstiefchen sein und nicht Mama.

Einfach weil ich das brauche um manchmal einfach auch eine besser Mama zu sein. Ich muss in der Zeit einfach vertrauen, dass die Person die meinen Sohn in diesem Moment betreut, einfach auch ihr bestes gibt.

Übrigens habe ich schon oft gehört, dass ich einen sehr glücklich und ausgeglichen Sohn habe. Also scheinbar mache ich für uns alles richtig. Mal von den üblichen Kleinkind Anfällen und Zickerein abgesehen 😉

 

Mutterstiefchen

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