Vereinbarkeit – die nicht so perfekte Balance

Jede berufstätige Mutter kommt irgendwann mal mit dem Wort „Vereinbarkeit“ in Kontakt.

Es ist zwangsläufig so, denn irgendwie versucht man als Mutter beides im Gleichklang zu halten. Die Arbeit nicht zu sehr im Vordergrund halten aber dennoch nicht zur „unzuverlässigen“ (Teilzeit) Mutti zu mutieren, die ständig (Kind)-Krank ist. Zumindest ist das mein Empfinden.

Die Theorie der Vereinbarkeit

Wikipedia sagt zur Vereinbarkeit folgendes:

Unter der Vereinbarkeit von Familie und Beruf versteht man seit dem 20. Jahrhundert die Möglichkeit Erwachsener im arbeitsfähigen Alter, sich zugleich Beruf und Karriere einerseits und dem Leben in der Familie und der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Personen andererseits zu widmen, unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten, die dabei auftreten können.

Quelle: http://www.wikipedia.de

Vereinbarkeit hat also als Grundgedanke, dass sowohl das Privatleben als auch das Berufsleben im Einklang ist. Man muss kein Workaholic mehr sein um im Beruf Erfolg zu vermelden (Karriere).  Bei verschiedenen Arbeitgebern nennt sich das „Work-Life- Balance“. Also die perfekte Balance zwischen den beiden Themen die unseren Tag diktieren.

Auch dazu hat Wikipedia eine genauere Definition:

Der englischsprachige Begriff Work-Life-Balance bezeichnet ein anzustrebendes Gleichgewicht im Allgemeinen, auch für Singles, und wird vor allem in Bezug auf betriebliche Aspekte wie etwa familienfreundliche Arbeitszeiten sowie auf Möglichkeiten zur Verbesserung des individuellen Gleichgewichts verwendet.

Quelle: http://www.wikipedia.de

Auch in meiner Firma wird immer wieder propagiert wie wichtig die richtige Balance zwischen Work und Life ist. Work-Life-Balance wird bei uns großgeschrieben, was auch an der Größe des Unternehmens liegt.

Es gibt Benefits die uns als Arbeitnehmern helfen sollen, dieses Gleichgewicht zu finden oder zu halten. So gibt es zum Beispiel Gleitzeit, in manchen Standorten eine integrierte Kita, 2 Tage (pro Kalenderjahr) bezahlten Sonderurlaub um Familienangehörige zu pflegen (darunter zählt auch Kind-Krank), ach ja und manche Abteilungen dürfen Home Office machen (meine nicht). Das ist natürlich toll und ist durch aus eine Hilfestellung.

Von der Theorie zur Praxis

Doch diese Benefits sind, aus meiner Sicht, zwar eine tolle Hilfestellung doch sie lösen das Problem nicht wirklich. Der Zwiespalt sich in gewissen Situation zwischen Arbeit oder Familie entscheiden zu müssen, das ist mein Problem. Ich kann oft nicht von Balance sprechen da mit einer gefällten Entscheidung immer irgendetwas zu kurz kommt.

Vor 2 Wochen hatten wir genau wieder so eine Situation. Montagmorgen – Mini Mann hat einen furchtbaren Husten. So einen Husten hatten wir noch nicht und haben kein gutes Gefühl er blieb also Zuhause. Wie sich nachher beim Kinderarzt raus stellen sollte, handelte es sich um Pseudo Krupp. Für uns Bestätigte sich, dass unsere Entscheidung genau die richtige war.

Ich erhielt beim Kinderarzt eine Krankmeldung für meinen Arbeitgeber für zwei Tage. Doch ich habe was entscheidendes vergessen. Die morgendliche Unterhaltung mit meinem Mann. Wir waren uns nämlich zu erst nicht sicher ob Mini Mann wirklich zuhause bleiben muss. Es ist ja schließlich nur Husten. Er hatte kein Fieber und wirkte auch nicht sonderlich schlapp. Aber der Husten hörte sich wirklich fies an. Es ging also eine Art Ping Pong Gespräch los – Meinst du wirklich er muss zuhause bleiben ? – Können wir es verantworten ihn so in die Kita zu schicken ?  – Wegen bisschen Husten gleich zuhause bleiben? usw. usw.

Warum es hin und her ging? Ganz einfach, mein Mann konnte an dem Tag nicht zuhause bleiben. Montags ist bei ihm immer Höllen – Marathon angesagt und einfach mal nicht kommen ist da undenkbar. Natürlich würde es wahrscheinlich irgendwie gehen, aber es wäre alles andere als angenehm, da ist es also „schön“ wenn eine andere Lösung gefunden werden kann.

Ich für meinen Teil hatte zwar keine Termine für den Tag, aber auch bei mir würde ein bisschen Arbeit warten. Viel entscheidender für mich war aber, ich musste schon wieder im Büro anrufen und sagen, dass mein Kind krank sei und ich nicht kommen würde. Schon wieder des Wegen, da der letzte Anruf dieser Art gerade mal 1 1/2 Wochen her war. An dem Tag fühlte Mini Mann sich nicht gut, klagte über Bauchweh und wollte unbedingt mit Mama zuhause bleiben.

Es half alles nichts, die Entscheidung fiel zum Wohle des Kindes. Wir konnten ihn nicht mit guten Gewissen in die Kita bringen. Also beim Kinderarzt angerufen Termin gemacht, Arbeitgeber informiert.

Mal ein Tag ok – aber eine Woche?

Ich meldete mich für einen Tag abwesend. Den Dienstag würde mein Mann übernehmen. So konnte er etwas Gleitzeit abfeiern und seinen Teil beitragen, doch leider würde es nur bei dem Dienstag bleiben können. Die restliche Woche waren bei meinem Mann schon wieder voller wichtiger Termine.

Mini Mann und mein Ehemann machten sich am Dienstag einen schönen Tag. Der Husten wurde aber leider nicht besser. Gerade wenn er weinte hatte er Probleme Luft zu bekommen. Doch nicht nur das machte uns Sorgen. Wir hatten Angst, wenn wir ihn angeschlagen in die Kita geben, dass er sich irgendeinen „Super Infekt“ einfängt.

Ich blieb also mit Gleitzeit den Mittwoch wieder zuhause. Donnerstag ging er dann wieder in die Kita. Der Hustet war schon um einiges besser geworden und war eigentlich nur noch minimal da. Tja aber um 13:30 Uhr dann der Anruf aus der Kita. Mini Mann sei ziemlich schlapp, er sei auch auf dem Arm der Erzieherin eingeschlafen (untypisch für ihn). Er habe zwar kein Fieber aber sie fänden es besser wenn ich ihn nun abholen käme.

Tja – was nun? Also ab zum Teamleiter, hier ereignete sich ungefähr folgendes Gespräch:

Ich: Du Teamleiter 1, leider hat die Kita angerufen. Leider muss ich Mini Mann abholen
Teamleiter 1: Ok, dann ist das halt so
Teamleiter 2: Was hat denn das Mimöschen schon wieder?
Ich: Na immer noch Pseudo Krupp, ausserdem hängt er wohl etwas in den Seilen. Teamleiter 1 ich weiß dann noch nicht ob ich morgen komme.
Teamleiter 1: Mhh ok weiß ich Bescheid, wenn du morgen nicht kommst müssen wir den Workshop dann wegen Dir verschieben.

Bumm, das hat gesessen. Normalerweise würde ich jetzt sagen – lass sie labern – aber ehrlich der Satz hat bei mir die Denkmaschine ausgelöst:

Na toll, ich will jetzt nicht der Grund sein warum ein ganzer Workshop verschoben wird. Vielleicht kann der Papa ja irgendwie Zuhause bleiben. Ach man so ein Mist warum ist der kleine denn schon wieder krank. Vielleicht Schwiegereltern?

Ich holte den kleinen dann erst mal von der Kita ab. Dieser war nun wieder etwas besser drauf. Hatte allerdings auch eine Stunde mit der Erzieherin gekuschelt und ihr immer wieder erzähl das er krank sei und Heim will. Wir gingen also Heim und diskutierten Zuhause wie es nun weiter geht.

Ich möchte euch nicht mit den langweiligen Details der Diskussion nicht belästigen. Wir entschieden uns die Nacht abzuwarten. Wenn die Nacht gut und am morgen alles „normal“ wirkte würden wir ihn in die Kita bringen. Aber nur bis 12 Uhr. So könnte ich den Workshop mitmachen, wäre nicht einen weiteren Tag komplett abwesend und Mini Mann würde auch nicht zu lang in der Kita sitzen.

Ist dass das Verständnis von Gleichgewicht? Für mich war es schlimm, ich fühlte mich wie eine schlechte Mutter wollte aber auch keine schlechte Arbeitgeberin sein und eine ganze Woche quasi fehlen. Egal welche Möglichkeit ich ausarbeitete, nichts stellte mich wirklich zufrieden.

Und die Moral von der Geschicht?

GIBT ES NICHT – GIBT ES NICHT. Für mich ist Vereinbarkeit etwas, dass nicht funktioniert. Wahrscheinlich muss ich im Kopf dazu auch etwas gelassener werden. Ich darf Kind krank zuhause bleiben, als Mutter (oder besser gesagt als Elternteil) ist es auch irgendwo meine Pflicht ein krankes Kind zu pflegen. Aber gewissen Reaktionen von Vorgesetzten machen es einen nicht unbedingt einfach, etwas mehr Empathie wäre hier angebracht finde ich.

Ich mache das nicht mit Absicht, mein Kind auch nicht. Keiner von uns ist gern krank. Wir suchen uns das nicht aus. Im Gegenteil wir geben uns Mühe es zu verhindern. Wir spannen (wenn möglich) Familie mit ein, versuchen alles irgendwie zu Organisieren usw. usw. da ist doch ein bisschen Empathie nicht zu viel verlangt – oder?

Übrigens: Als ich Mini Mann am Freitag dann um 12 Uhr abholen wollte, habe ich eine ganze Stunde gebraucht um ihn endlich da raus zu bekommen. Denn mittlerweile ging es ihm wieder so gut das er viel lieber im Kindergarten geblieben wäre. Tja so etwas weiß man wohl nie vorher :p

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Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, findet einige Erfahrungsberichte von anderen Eltern auf dem Block von Juristin – und zwar hier.

 

 

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8 Einträge zu „Vereinbarkeit – die nicht so perfekte Balance

  • Hallo, ich kann Doch sooooo gut verstehen. Unsere Gespräche verlaufen sehr ähnlich. Ist eines unserer Kinder krank, setzt sich die Maschinerie in Gang und es wird gegrübelt: Mama, Papa, Oma? Im Moment fällt unsere Wahl auf Oma, meistens auf Mama und ansonsten auch immer öfter auf Papa. Und ich gebe Dir recht. Kind krank bedeutet auch viel Verantwortung für uns Eltern. Keiner, der Kinder hat, geht mit der Frage leichtfertig um und immer müssen wir dann wählen zwischen Verantwortung gegenüber unserem Arbeitgeber und gegenüber unserem Kind. Das Kind ist ja meistens das schwächste Element dazwischen und meistens fällt meine Entscheidung zu Gunsten des Kindes. Unser Arbeitgeber kann es uns aber auch höllisch schwer machen, denn wir wollen arbeiten, wir wollen gut sein im Job und wir wollen auch möglichst selten kranke Kinder. Aber gerade in den Wintermonaten kämpfen wir Eltern da gegen viele, viele Windmühlen, das schlechte Gewissen und echte Probleme. Mir geht’s momentan genauso. Am schönsten wird es dann noch, wenn ich selbst gleich hinterher krank bin. Und ich habe noch sehr verständnisvolle Kollegen und Chefs. Wie geht es Eltern erst, die sich auch da ständig rechtfertigen müssen?
    Ich grüße Dich ganz lieb und hoffe auf besseres Wetter und wieder mehr Sonne. 🙂 Martamam

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    • Hallo Martamam,

      es ist immer wieder schön zu hören, dass man nicht allein ist. Auch wenn es in diesem Fall einfach traurig ist, dass es sich um keinen Einzelfall handelt.

      Uns graut es auch vor der Winterzeit. Im Winter 2014/2015 hatte es uns ganz fies erwischt. Meine zwei Männern haben sich ständig abgewechselt. Der Kleine war gefühlt kaum in der Kita. 2 Wochen Kita, 1 Woche krank. So ging das den ganzen Winter. Es war zum verrückt werden, vorallem weil mein Mann selber krank war und dann komplett ausgefallen ist. Damals war auch noch Oma keine Option da Mini Mann dort nicht schlafen wollte.

      Als dann dieser Winter wieder vor der Tür stand war mir Angst und bange aber erst passierte nichts. Mini Mann war den kompletten Dezember gesund. Kaum kam das neue Jahr und diese ständigen auf und abs ging es los. Ich verfluche das Wetter dafür – ehrlich.

      Sich dafür rechtfertigen zu müssen ist unangenehm. Weil man es ja nicht mal wirklich begründen kann. Es ist eine unangenehme Situation und ich finde es doof wenn diese Situation noch unangenehmer gemacht wird.
      Aber denken wir positiv und hoffen, dass der Frühling bald kommt und konstante Temperaturen bringt 😉 – bis zum Sommer 😀

      Viele Grüße

      Mutterstiefchen

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