Seminar Wut und Aggression im Kleinkindalter

Es ist schon ein paar Tage her, da erhielt ich an einem Sonntagabend eine Nachricht von meiner Freundin. „Es gibt da diese Frau die bietet Krabbelkurse, Musikschule und Seminare an.

Hast du nicht Lust am Dienstag mit auf ein Seminar zu gehen?“ Der Titel des Seminars war vielversprechend und so war ich direkt Feuer und Flamme.

„Elternabend – Wut und Aggression im Kleinkindalter“ so lautete die Überschrift des Seminars und ich war sehr gespannt was uns erwarten würde. Unter einem Elternabend versteht sich in diesem Fall eine Mischung aus Seminar und offener runde zum Austausch. Das Thema klingt interessant und trifft aktuell genau unseren Nerv.

Ich erwartete mit Spannung den Abend und möchte euch nun an meinen Erkenntnissen bzw. Erfahrungen teilhaben lassen.

Die Basics

Für mich ist es ungewohnt zu solchen Seminaren in Begleitung zu gehen, normalerweise höre ich mir so etwas alleine an oder habe höchstens Mini Mann bei mir. Dieses Mal war es nun anders. Mit Freundin, Blog und Stift bewaffnet ging es zum Seminar. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde ging es los.

Die Kursleiterin stieg mit den Basics ein. Gleich zu Anfang punktete sie bei mir mit nur einem Satz. Und zwar mit diesem hier:

                                          Ein Wutanfall ist keine Unartigkeit –

    – sondern ein Zeichen von Unreife

Dieser Satz ist so klein und sagt doch so viel aus. Häufig habe ich das Gefühl, dass gerade ältere Generationen gute Erziehung mit dem Benehmen in Form von Hören gleichsetzen. Daher war dieser Satz für mich eigentlich der wichtigste des Abends. Doch natürlich gab es noch mehr Basics.

Einige davon überraschten mich sogar ziemlich. Ich wusste zum Beispiel bisher nicht, dass Kinder bis zum Alter von ca. 5 Jahren keine Emotionen vortäuschen können. Kleinkinder sind wirklich darüber zu tiefst betrübt, dass es nun keinen zweiten Keks mehr gibt. Sie empfinden in diesem Moment seelischen Schmerz und man darf sie in diesem Zustand auf keinen Fall alleine lassen. Dies wurde im Laufe des Abends immer und immer wieder betont.

Dem Stress entgegenwirken

Diese Trotzanfälle, wie sie umgangssprachlich genannt werden, sind in Wirklichkeit Ausbrüche von Stress. In dem Moment, wenn der Keks zerbricht und das Kind mega traurig ist, steht es unter einer riesigen Anspannung, durch eine große Belastung von Stress. Jeder von uns kennt das, da bin ich mir ziemlich sicher.

Während wir gelernt haben (mancher mehr und mancher weniger) damit umzugehen, können unsere kleinen das noch nicht. Aber wir können ihnen helfen zu lernen und zwar durch Körperkontakt. Nähe und Zuwendung, in Form von Streicheln, anfassen oder auch auf den Arm nehmen, dass ist was den kleinen in diesem Moment hilft.

Der Stress wurde uns als Hormonchaos im Körper erklärt. Für mich also durchaus ein nachvollziehbares Gefühl – von Hormonen geleitet kann man ja schon mal ausrasten. Oder Mädels?

Papa sagt Nein – Mama tröstet

An dieser Stelle, an der im Seminar die Wichtigkeit des Körperkontakts aufgezeigt wurde – musste ich eine Frage stellen. Denn genau hier ist bei uns Zuhause oft Diskussionsbedarf. Folgende Situation:

Mein Mann verbietet etwas, nimmt irgendwas weg, oder sagt zu irgendwas nein – eine Situation die 100 mal am Tag in irgendwelchen Haushalten passiert – das Kind reagiert mit weinen und einem „Trotzanfall“. Nun hat mein Mann die Auffassung, wenn ein Nein gefallen ist darf nicht getröstet werden.

Tja und da komme ich dann ins Spiel, denn ich finde trösten hat nichts mit einem Nein zu tun. Ich kann mein Kind trösten und es bleibt trotzdem bei einem Nein. Wie gehen wir hier also am besten vor?

Zuerst einmal bekomme ich Zustimmung von der Seminarleitung. Ich „darf“ und vor allem soll mein Kind weiterhin trösten, denn er braucht diesen Trost um mit der Trauer, dem Hormonchaos, dem Stress einfach klar zu kommen. Puhh noch mal Glück gehabt, aber es wäre natürlich besser wenn mein Mann die tröstende Person wäre. Hier werde ich also noch mal intensiv mit meinem Mann reden müssen.*

Positive Formulierungen helfen

Ein weiterer Punkt der mich erstaunte war, dass Kinder noch keine „Nicht-Sätze“ verstehen oder besser gesagt diese schlechter Umsetzen. Es ist ähnlich wie diese Aussage „Schau jetzt nicht nach unten“ oder „Denk jetzt nicht an rosa Elefanten“. Man macht es irgendwie zwangsweise. Das Gehirn kann mit dem „nicht“ schlechter umgehen als mit einem Satz der positiv Formuliert ist. Rückblickend betrachtet kann ich nur sagen – klar wenn man drüber nachdenkt leuchtet es einem ein.

Uns wurde das so erklärt:

Das Gehirn versucht die Sätze Bildlich darzustellen, nun gibt es aber für das Wort „nicht“ kein Bild und so entsteht aus einem „Nein-Satz“ ein „Ja-Satz“. Das Kind führt also etwas widersprüchlich aus, es wirkt für uns als macht er aus Trotz genau das Gegenteil.

Mit diesem Tipp tue ich mich auch noch Wochen nach dem Seminar schwer. Ich konnte es nur schwer verinnerlichen, aber ich bin bemüht. Aus Sätzen wie „Fahr bitte nicht zu nah an die Straße ran“ wird „Fahr bitte mittig vom Bürgersteig“. „Fahr bitte nicht auf die Straße“ wird halt zu „Warte auf die Mama bis zu über die Straße fährst“. Ich gebe es aber zu, „Nicht-Sätze“ kommen bei uns immer noch zu genüge vor.

Kurze Anweisungen

Ein weiterer Tipp den ich verinnerlicht habe, ist dem Kind kurze Anweisungen zu geben. Wenn der Satz zu lang wird, kann das Kind nicht mehr folgen. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund, warum ich die „Nicht-Sätze“ nicht ganz weg bekomme. Ich finde etwas positiv zu umschreiben dauert wesentlich länger als eine negative bitte zu formulieren.

Der Hintergrund dafür ist also klar, Kinder können mit kurzen Anweisungen besser umgehen als mit lang Ausformulierten Reden. Auch das macht für mich Sinn wenn ich darüber nachdenke, da gehe ich auch noch konform. Was mir allerdings nicht gefiel, war die Aussage Kinder nicht zu Bitten sondern aufzufordern.

Bitten seien nun mal keine Aufforderungen und wenn ich möchte, dass etwas umgesetzt wird dann darf ich nicht darum bitten. Das werde ich definitiv nicht umsetzen. Natürlich gibt es Sachen die müssen einfach umgesetzt werden, aber ich bin ein Freund vom freundlichen und respektvollen Miteinander. Dazu gehör nun mal ein Bitte und Danke.

In diesem Zusammenhang stellte ich auch eine Frage nach Jesper Juul. Das Miteinander als gleichwertiger Mensch. Ich fragte auch nach Attachment Parenting und erzählte, dass ich versuche die Gefühle vom Mini Mann zu reflektieren um einen Kompromiss finden zu können.

Auf diese Fragen und Aussagen bekam ich die Antwort, dies sei erst ab 5 Jahren sinnvoll einzusetzen.  Das widerspricht dem was ich bisher gelesen habe und wird daher nicht umgesetzt. Aber es war der Auslöser um mal ein Buch von Jesper Juul zu kaufen um das mal zu recherchieren. Steht übrigens noch auf meiner To Do Liste, aber gut.

Kurz Zusammengefasst

Für mich war der Abend dennoch Erfolgreich. Ich ging mit einigen neuen und wertvollen Informationen nach Hause, auch wenn ich ein paar der Informationen nach dem Motto „Gelesen – Gelöscht“ behandeln werde. Aber genau um das geht es doch aber bei solchen Seminaren, finde ich zumindest. Man sollte offen für neues sein, sich darüber Gedanken machen und für sich mitnehmen was zu einem passt.

Die wichtigsten Punkte die ich aus dem Seminar mitgenommen habe, habe ich hier noch einmal zusammengefasst:

  • Emotionen sind bis zum Alter von ca. 5 Jahren nicht gespielt
  • kleine Kinder können mit Emotionen noch nicht allein umgehen
  • Körperkontakt hilft beim Verarbeiten von Stress
  • Bestrafungen in Form von allein lassen sind der falsche Weg
  • Emotionen/Gefühle sollten nicht runtergespielt werden = „Das tut doch gar nicht weh“
  • Lange oder „nicht-“ Sätze können Kinder schlechter verarbeiten
  • Kinder formulieren ihre Aussagen nicht um uns zu verletzen
  • Kinder lernen aus Erfahrung nicht aus Worten

Nach 2 Stunden war das Seminar zu Ende. Es war ein toller Abend und ein netter Austausch. Ich war froh dran teilgenommen zu haben und würde es auch immer wieder tun.

Habt ihr denn schon mal an so einem Seminar teilgenommen? Wie waren eure Erfahrungen?

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*Kleine Anmerkung hierzu: Mein Mann und ich haben darüber geredet und er hat es verinnerlicht. Was und wie die Resonanz vom Mini war – das werde ich demnächst berichten.

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