Das schlechte Gewissen

Die letzten zwei Tage waren fies. Mini Mann ist momentan ziemlich unglücklich und daran bin ich mit Schuld. Auch wenn ich nicht dafür verantwortlich bin, so bin ich jene die es verantwortet und das nagt im Moment wirklich gewaltig an mir.

Das schlechte Gewissen, dass jede Sekunde an mir knabbert wenn ich an meinen Sohn denke hat mich zu diesem Beitrag veranlasst. Ich musste einfach meine Gefühle runter schreiben.

Gestern morgen wachte Mini auf und fing an zu weinen und Aua zu sagen. Sein Mund würde weh tun. Sehr ungewöhnlich aber ich dachte mir erst einmal nichts dabei. Es war nur ein kurzer Aufschrei, vielleicht hatte er sich ja auf die Zunge gebissen und so machte ich mich wie gewohnt fertig. Er wollte aber nicht richtig wach werden und ständig nur mit mir kuscheln. Also stellte ich das anziehen hinten ran und kuschelte mit ihm.

Seine Augen fielen immer wieder zu, was ein ungewöhnliches Verhalten ist. Ich versuchte ihn zu wecken, denn so langsam war es wirklich Zeit. Es war schließlich ein großer Tag, die Kita würde heute mit ihm und seinen Freunden zum Flughafen fahren. Doch er wollte nur kuscheln und schmusen. Daher versuchte ich ihn zu locken und erzählte ihm von dem tollen Tag den ihn erwarten würde.

Aber er wiederholte nur sein Mund tut weh und er will kuscheln. Besorgt schaute ich meinen Mann an und auch er fand, dass Mini nicht „gut“ aussehe. Alles klar heute also Kind Krank zuhause. Ein Blick in den Mund zeigte rote Stellen im Rachenbereich. Ok definitiv keine Kita heute. Doch kaum war dieser Entschluss gefasst, fiel der Groschen bei Mini und er wollte nun doch UNBEDINGT in die Kita gehen.

Ich erklärte es ihm, tröstete ihn und versuchte ihn zu beruhigen. Heute keine Kita, heute Kinderarzt. Es war wirklich herzerweichend und sollte noch ganze drei Mal an diesem Tag vorkommen. Beim Kinderarzt endlich angekommen gingen wir nach ner halben Stunde mit der Diagnose Pilzinfektion wieder raus. Der Kinderarzt war zwar etwas irritiert woher der kleine Mann das hat (und ich bin es auch) aber er versicherte mir er dürfe ohne Probleme in die Kita.

Allerdings soll ich 3-4 mal täglich eine Salbe auftragen. Während wir also den Weg zur Apotheke antraten, weinte Mini wieder bitterlich weil er nicht in der Kita war. Mein Mutterherz wurde schwer. Nun hatte ich ihm wegen „nichts“ den schönen Ausflug verdorben. Natürlich bin ich mir bewusst, dass unter den Umständen am Morgen ein Arztbesuch nur richtig war, aber es stimmte mich trotzdem alles traurig.

Doch es wurde noch grausamer. Die Salbe die ich dem armen kleinen Mann 3-4 mal auftragen soll ist eine Qual und zwar für uns beide. Mit einem Handschuh bewaffnet trage ich ihm 1g der Salbe im Mund auf. Was einfach klingt, ist der absolute Grauen. Ich muss über die offenen Stellen im Mund streichen und den Vorgang ca. 3 mal wiederholen bis die komplette Salbe auf den Stellen verteilt ist. Mini soll die Salbe am besten nicht gleich ablecken, so die Packungsbeilage. Selten so gelacht.

Während das Kind also Schmerzen leidet, quäle ich mich mit der Salbe und dem auftragen im Mund. Oft wurde mir gesagt, was ich ausstrahle strahlt das Kind zurück und wahrscheinlich ist es in diesem Fall auch so – aber beim besten Willen ich kann nicht so tun als wäre das was super tolles was ich da gerade machen muss. Insgesamt zwei Mal trage ich es ihm an diesem Tag auf und das zweite Mal läuft noch schlimmer als das Erste.

Heute Morgen will er schon vor mir weg laufen als ich wieder mit Handschuh und Salbe „bewaffnet“ vor ihm stehe. Ich tröste ihn, versuche es ihm zu erklären und dieses kleine Wesen steht vor mir und weint bitterlich. Er erklärt mir, dass sein Mund ja gar nicht mehr weh tun würde und dass ich die Salbe bitte bitte nicht mehr auftragen soll – er sei wieder gesund.

Es zerreisst mir wirklich das Herz. Natürlich werden jetzt einige sagen – warum macht die Olle es denn dann? Weil ich dem Arzt vertraue und er schon weiß, wann ich Medizin verabreichen muss und wann nicht. Jedes Mal wenn ich an die Situation heute Morgen zurück denke, werde ich traurig. Ich möchte Mini so gern in den Arm nehmen und ihm sagen, dass es mir Leid tut ihn so quälen zu müssen.

Den Ausflug verpasst zu haben, die Schmerzen die er scheinbar hat und seinen Willen „zu brechen“ und die Salbe trotzdem aufzutragen. Ich hoffe die Salbe wirkt schnell und das Auftragen der Salbe ist nicht mehr all zu lange notwendig. Noch fünf Mal auftragen, wenn dann noch keine Besserung zu erkennen ist geht es wieder zum Arzt.

Seit gestern hat sich auch eins dieser Bläschen an die Lippe verirrt. Also bisher ist noch keine Besserung in Sicht – ich hoffe aber sie kommt schnell und bis bleibt mir wohl nur trösten und liebhaben.

Ach mein armer kleiner Schatz – was tue ich dir momentan nur an. Es tut mir furchtbar leid, hattest du dich gestern doch so auf den Ausflug mit der Kita gefreut. Und als Trost bekommst du jetzt noch so oft Salbe von mir in den Mund geschmiert. Ich kann dir versichern, dass ganze mache ich nur um dich wieder ganz schnell gesund zu machen. Ich hab dich doch lieb und würde dir nie etwas böses wollen. Ich weiß dir ist es kein Trost, doch mein schlechtes Gewissen nagt ziemlich an mir.

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