Neue Kita wir kommen

Wo ist die Zeit nur geblieben? Mini Mann ist nun drei Jahre alt und ich fühle mich, als wäre die Geburt erst gestern gewesen. Er geht nun schon ganze zwei Jahre in die Kita, oder besser gesagt in die Krippe und wird demnächst einen „großen Schritt“ machen. Denn es heißt Abschied nehmen.

Abschied von all seinen Freunden und lieb gewonnenen Erzieherinnen. Von einem bekannten Umfeld, das ihm mittlerweile ebenfalls eine Art Zuhause geworden ist. Als wir damals bei der Eingewöhnung waren, dachte ich es würde noch ewig bis zu diesem Moment dauern und jetzt ist er da. Während Mini sich sehr auf den neuen Kindergarten zu freuen scheint, bin ich sehr emotional und traurig dieses Kapitel abschließen zu müssen.

Noch Anfang des Jahres war der Wechsel in den Kindergarten ein verbotenes Thema. Sobald Mini es irgendwie zu hören bekam, war er traurig und redete sogar im Schlaf davon: „Nicht neue Kita gehen, nein“. Doch seit einigen Wochen scheint hier ein Wandel vollzogen zu sein. Mini erzählt immer häufiger, dass er sich in der Kita langweile und das er nun gern in den Kindergarten für große gehen möchte. Eine tolle Veränderung.

Meine Sorgen über die Eingewöhnung und damit verbundene Dramen wurden durch diese Veränderung etwas gemildert. Aber Weg sind die Sorgen zu dieser Veränderung und dem Wechsel noch nicht. Oft sitze ich Abends auf der Couch und von jetzt auf gleich überkommen mich die Ängste und Zweifel an der neuen Kita.

Kommunikation

Es geht schon seit ein paar Wochen so. Die Kommunikation der neuen Kindertagesstätte ist, nennen wir es mal, eher schleppend. Informationen zur Eingewöhnung, zu den Schnuppertagen, den ganzen Ablauf etc. erfolgte erst letzte Woche beim Elternabend. Am 01.09. geht es los und am 20.07 erfahre ich wie es denn genau los geht. Für jemanden der gerne über alles Bescheid weiß und sich auch auf so etwas vorbereitet, ist das einfach eine sehr knappe Zeit.

Bedenkt man vor allem, dass in dieser Zeit (also vom 20.07. – 01.09) noch ein Schnuppertag erfolgen soll, die Kita 3 Wochen geschlossen ist und ein Gespräch zu den Eigenschaften des Kindes auch noch nicht erfolgt ist. Für den Schnuppertag bekommen wir am Elternabend drei Terminvorschläge. Diese wurden leider vorab nicht kommuniziert, also ist es für mich nur schwer abschätzbar welcher Termin wirklich zu realisieren gilt. Ich nehme daher den Termin der am weitesten in der Ferne liegt.

Für das Gespräch über die Feinheiten von Mini bleibt keine Zeit mehr, auch wenn ich mich für einen früheren Termin entschieden hätte. Das wird einfach irgendwann während der Eingewöhnungszeit gemacht. Damit kann ich mich auch noch arrangieren aber so richtig gefallen tut es mir nicht. Da kommt wieder dieser Wehmut auf.

Wehmut über unsere bisherige Kita. Ich wusste ja, dass wir hier verwöhnt werden. Aber wie sehr, merke ich erst jetzt. Bereits 2 Monate vor dem eigentlich Start bekam ich einen Anruf und einen Termin mit der Erzieherin. Für das Gespräch sollte ich einen Fragebogen ausfüllen, dieser wurde dann Gesprächsgrundlage. Wichtig für die Kita war, dass sowohl mein Mann als auch ich bei dem Gespräch dabei waren. Die Erzieherin würde auch die Eingewöhnung beaufsichtigen und wäre somit auch direkt die erste Bezugsperson für Mini und uns.

Gut das änderte sich nachher, denn Mini hatte einen Narren an einer der anderen Erzieherinnen gefressen aber trotzdem. Der Ablauf war strukturiert, offen und kommunikativ. Ich fühlte mich gut aufgehoben und wohl. Das kann ich aktuell einfach nicht behaupten.

Die Einrichtung

Mini geht momentan in eine Krippe in der sich Firmen „einkaufen“ können. So auch mein Arbeitgeber. Es gibt zu wenig Mitarbeiter Kindergartenkinder um einen eigenen Betriebskindergarten zu gründen. Also werden Plätze bei der Kita um die Ecke eingekauft. Ein Modell, dass scheinbar mehrere Firmen hier nutzen. Für meine Familie ideal. Denn in unserem Ort haben wir keinen Krippenplatz erhalten.

Natürlich sind dadurch die Mittel etwas anders als in einem städtischen Kindergarten. Ausserdem sprechen wir hier von einer Krippe und eben nicht von einem Kindergarten ab 3. In einer Gruppe sind aktuell 10 Kinder auf 2,5 Erzieherinnen. Ein traumhafter Schlüssel. Zukünftig werden es dann 20 Kinder auf 1,75 Erzieherinnen sein. Mir war bewusst, dass es einen ganz anderen Betreuungsschlüssel geben würde aber das ganze noch einmal so richtig bewusst schwarz auf weiß zu sehen war schon hart für mich.

Andere Kinder überleben das auch, dass ist völlig normal und ich soll mir darüber doch bitte keine Gedanken machen. Es gibt aktuell wichtigeres. Wird jetzt der ein oder andere denken – und vielleicht ist es auch wirklich so. Aber meine Gefühle und Gedanken kann ich nicht so einfach abstellen. Ich gehe immer wieder den Elternabend durch. Die vorgestellten Informationen, der Gang durch die Räume. Alles ist sehr ernüchternd.

Die aktuelle Kita verfügt über 70 Kinder in 7 Gruppen. Jede Gruppe hat „einen“ Raum der aus jeweils zwei kleinen Räumen besteht. Der ein ist als Schlafraum gedacht, wird aber ebenfalls zum Spielen benutzt wenn keiner schläft. Im anderen Raum wird gefrühstückt, zu Mittag gegessen und ebenfalls gespielt. Hier befindet sich auch eine Wickelmöglichkeit und ein Ausgang nach draussen in den Garten oder auf einen Balkon. Zusätzlich verfügt die Kita noch über einen großen Bewegungsraum mit Klettermöglichkeiten und im Flur ein offener Platz der riesig ist. Auf diesem Platz erfolgt der Snack und direkt daneben gibt es noch einen Bereich zum Spielen. Ein Kinderparadies in jeglicher Hinsicht. Viel Platz und viele verschiedene Möglichkeiten den Kindern Abwechslung zu bieten.

Zusätzlich gibt es noch 2 sogenannte Projekträume. Hier werden bestimmte Bastelarbeiten oder spezielle Aktivitäten mit den Kindern unternommen. Spielerische Förderung wird hier ganz offensichtlich groß geschrieben. Der Kindergarten ist ausserdem zweisprachig. Das Zweisprachige fand ich damals total unnötig und erwarte auch nicht von einem städtischen Kindergarten so etwas anzubieten. Aber mittlerweile mache ich mir Gedanken, wie ich zukünftig das zweisprachig bei Mini erhalten kann. Ich werde wohl nun öfters Zuhause Englisch sprechen müssen.

Von dem Englischen abgesehen sind es aber die Räume die ein bedrückendes Gefühl hinterlassen. Ein Flur der auch komplett als Garderobe genutzt wird. Alles recht eng und dunkel. 90 Kinder kommen in 4 Gruppen unter. Die Gruppenräume ungefähr so groß wie beide Räume in der aktuellen Kita zusammen. Die Turnhalle recht klein und ebenfalls Dunkel. Das einzige Tageslicht, dass hier rein fällt kommt von milchigen Dachfenstern. Die Räume haben ebenfalls einen Ausgang in den Garten. Zwei davon Richtung Sandkasten mit Klettergerüst und die anderen beiden Richtung Wiese mit 2 Schaukeln.

Die Gruppe von Mini wird Richtung Wiese raus können. Man möge es mir verzeihen, aber diese Wiese sieht einfach trostlos aus. Einen Tag nach dem Elternabend wollte Mini unbedingt die neue Kita sehen. Also spazierten wir hin. Als er den Garten sah, fragte er mich traurig „Wo kann ich denn im Sand spielen?“ Tja gute Frage.

Ich vermute ganz stark, dass die Kinder auch auf die andere Seite gehen dürfen zum Spielen. Aber eine Verbindung zwischen der Wiese und dem Sandkasten gibt es nicht. Dafür müssen die Kinder durch die Kita laufen, es scheint also eine Trennung gewünscht zu sein. Nun ist es der neuen Kita gegenüber wirklich nicht fair einen Vergleich mit dem von mir beschrieben Paradies zu machen. Aber auch im Vergleich zu anderen Kitas die ich in unserem Ort gesehen habe, empfinde ich die Räume als sehr klein und dunkel.

Das Konzept

Vielleicht bin ich der Kita auch etwas zu sehr negativ eingestellt. Der Anfang lief nicht besonders vorbildlich für mich also versuchte ich dem Elternabend sehr aufgeschlossen zu sein und mir alles ohne Vorurteile anzuhören. Die Leiterin und die Stellvertretung wirkten beide sehr nett, wir wurden sehr herzlich empfangen und der Tenor der Präsentation war auch sehr gut.

Come as you are – so könnte man das Motto der Kita wohl treffend formulieren. Wenn das Kind noch Windeln oder Schnuller braucht: OK akzeptieren wir, das Kind soll so kommen wie es ist und wir empfangen es herzlich. Aber dann kommen diese kleinen Feinheiten. Das Kind sollte bitte aus dem Becher trinken können, Schnabeltassen oder ähnliches wird nicht so gern gesehen. Natürlich haben sie auch Löffel da, aber es wäre von Vorteil wenn das Kind schon mit Messer und Gabel essen kann. Mittagsschlaf wird nicht angeboten, es gibt aber ne Kuschelecke wo sich die Kinder ausruhen können – viele Kinder würden dies auch nutzen.

Keins der Punkte tangiert uns extrem, ausser vielleicht der Mittagsschlaf. Aber so wirklich come as you are ist es dann noch nicht. Am Ende des Abends habe ich das Gefühl, dass die Kita gerne die weltoffene Tagesstätte sein möchte  – wie es zum Beispiel in unserer aktuellen Kita gelebt wird – aber es aufgrund mancher Umstände nicht kann. Häufig viel der Satz „Der Träger hat dies und das“. Der Träger, also die Stadt scheint da also häufig der Grund zu sein. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern zahlen wir für die Kita und ich frage mich ob der Träger mit dem Geld richtig umgeht.

Die Leiterin erzählt auch etwas von, wir müssen uns Wohlfühlen und der Kita vertrauen – sonst wird das nichts. Na sie hat gut reden. Immer wieder bekommt man das Gefühl man hätte eine Wahl den Kindergarten auszuwählen. Liebe Leiterin, lass dir gesagt sein so ist es nicht. In meinem Wunschkindergarten haben wir keinen Platz mehr bekommen. Generell gibt es nur 2 Kindergärten die für uns entsprechende Öffnungszeiten haben ich kann also nicht so wirklich Rücksicht auf Wohlbefinden nehmen. Zumindest auf das Wohlbefinden von uns Eltern.

Die Kita hat ein geschlossenes Gruppenkonzept. Jede Gruppe bleibt also in der Regel für sich. Gegessen wird im Gruppenraum. Frühstück wird mitgebracht und die Kinder sollen essen, wenn sie Hunger haben. Es gibt also kein gemeinsames Frühstück wie bisher. Ich bin sehr gespannt, wie das bei Mini laufen wird. Aktuell gibt es ein gemeinsames Frühstück wo er sich „unendlich“ nachholen kann wenn er noch nicht satt ist. Zukünftig gibt es also Brotbox und nach eigenem Ermessen. Das wird wohl für uns beide eine neue Erfahrung. Das Mittagessen erfolgt recht spät mit 13 Uhr (im Vergleich zu aktuell 11:30Uhr) aber gemeinsam als Gruppe. Vor dem Essen werden die ersten Kinder abgeholt. zwischen 14 und 15 Uhr wird dann nicht gespielt, sondern ausgeruht. Auch das wird wohl für Mini eine Umstellung. Kinder die um 16 Uhr noch in der Kita sind, können dann gemeinsam in einer bestimmten Gruppe einen Snack zu sich nehmen. Auch den müsste ich allerdings einpacken.

Ich sagte ja, es wird ein großer Schritt und das für uns alle. Vielleicht sogar für mich mehr als für Mini. Kinder gewöhnen sich ja schnell an die neue Umgebung und neue Spielkameraden. Bleibt nur zu hoffen, dass ich mich auch daran gewöhne.

Ängste bei Seite schieben

Mini freut sich auf den Kindergarten. Das wichtigste ist, dass er sich wohl fühlt. Das können wir momentan noch nicht einschätzen, wir können nur versuchen keine Vorurteile und Ängste zu haben oder ihn diese nicht spüren zu lassen. Er muss unbelastet in die neue Kita gehen und sich selber einen Eindruck davon machen. Er muss Freunde finden können und mit den Erzieherinnen klar kommen.

Sollten unsere Ängste irgendwie wahr werden und Mini sich in dem Kindergarten überhaupt nicht wohl fühlen, dann werden wir die Notbremse ziehen müssen und alles in die Wege leiten um eine andere Kita für ihn zu finden.

Mir ist bewusst, dass unsere aktuelle Kita ein Traum war. Wir erhielten tolle Übergaben beim Abholen, Mini wurde super gefördert. Die Spielmöglichkeiten wirkten unendlich und sowohl Mini als auch mein Mann und ich fühlten uns in der Kita sehr sehr wohl. Aber es heißt nun mal Abschied nehmen und ich werde traurig sein. Dennoch versuche ich mich auf die neue Kita zu freuen und gebe mein bestes die Sorgen und Ängste bei Seite zu schieben.

Kinder brauchen manchmal weniger als wir denken, so lang die Erzieherinnen und die Kinder nett sind – wen interessiert da schon eine dunkle Turnhalle oder ein fehlender Essensraum.

Hab ich schon erwähnt, dass die Kita nicht abgeschlossen wird und die Tür immer offen ist so das jederman und jederzeit rein kann? Oder das momentan Läuse ausgebrochen sind*? … Also an dem Ängste bei Seite schieben muss ich wohl noch etwas arbeiten. *seufz*

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* Das kenne ich bisher auch noch nicht.

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