Zeit heilt alle Wunden – nicht #leidensweg

Mini darf in unserem Bett schlafen und ich Kuschel mich ganz fest an ihn. Er kommt heute schlecht zur Ruhe, wie wir alle. Obwohl wir ihm nichts erzählt haben, scheint er irgendwas zu spüren. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass er darum bittet bei uns im Bett zu schlafen. Mental kommen ein paar harte Tage auf uns zu.

Während ich hier liege und mit Mini Kuschel, fange ich bereits den Beitrag in meinem Kopf an. Es wird ein emotionaler Beitrag, in dem ich versuchen werde meine Gefühlswelt so gut es geht nieder zu schreiben. Es wird ein Rückblick auf meine Woche, eine Woche voller schlechter Nachrichten und endlicher Hoffnung, dass alles gut ausgeht. Schlechte Nachrichten die Emotionen bei mir wieder freilegen, die ich hoffte hinter mir gelassen zu haben.

Aktuell – Schlechte Nachrichten am Telefon

Es ist Montag und ich erhalte eine SMS von meiner Mutter, sie bittet um einen kurzen Anruf, wenn ich im Feierabend bin. Etwas verwundert über die SMS rufe ich direkt an, mir erschließt sich nicht der Sinn später anzurufen, wenn ich doch gerade Zeit habe. Meine Mutter stockt etwas und fängt dann ganz langsam an zu erzählen. Zwischen drin bricht die Stimme weg und sie fängt an zu weinen.

Was meine Mutter mir gerade erzählt, ist schlicht und einfach kein Thema für das Telefon. Sie war beim Hausarzt und es scheint als habe sie vor zwei Wochen einen unbemerkten Schlaganfall gehabt. Er überweist sie ins Krankenhaus und in selbiges soll sie morgen aufgenommen werden. Ich beende das Gespräch mit dem Satz das ich gleich da bin und mache mich auf den Weg.

Nicht ohne vorher selber erst einmal dezent anfangen zu weinen. Ich melde mich bei meiner Kollegin und meinem Teamleiter ab, fahre verheult in die Kita und dann zu meinen Schwiegereltern. Mini soll nicht sehen wie meine Mutter und ich da sitzen und weinen.

Angekommen bei meiner Mutter erzählt sie mir noch einmal alles ganz langsam. Mein Mann kommt dazu und wir entscheiden, dass ich sie am nächsten Tag ins Krankenhaus fahre. Den Weg soll sie nicht alleine gehen. Wir müssen sie davon zwar drei Mal überzeugen aber es steht fest. Krankenhaus wir kommen.

Rückblick – Flashback

Bereits 2004 hatte ich bereits das Vergnügen ein unangenehmes Telefonat zu führen. Es war an einem Tag im Dezember und mein Vater hatte sich nicht gemeldet und war nicht zum Essen gekommen. Sowohl meine Mutter als auch ich penetrierte sein Handy – es ging einfach keiner ran. Ich beruhigte meine Mutter und versuchte die Fassung zu halten – ich war damals süße 20 – als plötzlich eine Frau ans Handy ging.

1000 abstruse Gedanken tauchten in meinem Hirn auf. Die Dame am Telefon nannte keinen Namen oder ähnliches. Sie fragte nur wer ich bin. Ich erklärte, dass wir versuchten meinen Vater zu erreichen und sie fragte mich persönliche Daten über meinen Vater. Dann stellte sie sich aus Polizei vor und teilte mir mit, dass mein Vater verstorben sei.

Aktuell – Vorwürfe und Zweifel

Während ich zu meiner Mutter fahre kommen ständig diese Vorwürfe hoch. Bereits ein paar Tage zu vor hatten wir telefoniert und ich war irritiert über ihre Aussprache. Es klang so als würde sie lallen. Doch als ich sie dann besuchte, klang es wieder relativ normal, nur etwas träge. Das schob ich einfach als müde Alterserscheinung ab. Doch das Gefühl blieb, denn mein Mann stellte bereits ein paar Tage vorher fest das sie etwas träger redete. Aber auch da machten wir uns weiter keine Sorgen.

Ich schrieb meinem Bruder ob ihm das auch aufgefallen sei, sie war für ein paar Tage bei ihm zu Besuch, aber auch von seiner Seite aus kamen keine Bedenken. Nun stellte sich aber raus, wir hätten uns sehr wohl Gedanken machen sollen. Diese Vorwürfe zermürbten mir das Hirn. Hätten wir zum Arzt gemusst? Hätte es etwas geändert? Hatten wir wirklich noch mal Glück im Unglück wie ihr Hausarzt sagte?

Flashback – Bin ich Schuld?

Nach dem die Polizistin mir am Telefon die Nachricht überbrachte, bin ich nicht mehr bei mir. Es ist als erlebte ich die weiteren Geschehnisse nicht selbst, sondern als würde ich sie beobachten. Außerhalb meines Körpers. Ich sah mich wie ich das Telefon weg legte und in die Augen meines Mannes (damals noch Freund) und meiner Mutter schaute. Wie ich die Worte der Polizistin wiederholte und wie ich zusammenbrach.

Dann war ich wieder ich, zu tiefst traurig und am Heulen. Mein Mann versuchte mich zu trösten doch ich rannte in den Flur und lehnte mich mit dem Gesicht an die Wand. Ich machte mir große Vorwürfe, bei meinem Vater wurde festgestellt, dass er am Herzen operiert werden müsste und er verschob es ständig. Ihm war ständig etwas „wichtiger und dringender“. Tief im Herzen weiß ich, er hatte einfach nur Angst. Nun musste er keine Angst mehr haben, nun war er nicht mehr da und ich fragte mich ob ich ihn hätte überreden oder gar zwingen sollen.

Mein Vater hörte auf mich, er fragte mich oft um Rat und befolgte diesen. Ich war seine kleine Tochter und er war mein Papa der mir oft auf den Zeiger ging und trotzdem einfach mein Papa war. Ich war ein typisches Papa Kind, wir zwei waren uns auch sehr ähnlich. Nun war er nicht mehr da und ich war allein, allein mit den Vorwürfen die ich mir selber machte und meinen Tränen – den vielen Tränen denen ich einfach freien Lauf ließ.

Meine Mutter bittet mich stark zu sein und mit dem weinen aufzuhören, aber das schaffe ich nicht. Ich fühle mich schuldig, traurig und irgendwie Hilflos. Dieses Gefühl bleibt auch noch einige Wochen bestehen und auch jetzt kommen die Gefühle wieder hoch.

Aktuell – Zu retten was zu retten ist

Ich komme bei meiner Mutter an und versuche so stark wie möglich zu sein, so wenig wie möglich zu weinen und ihr in dieser Zeit eine Stütze zu werden. Mein Mann hat ebenfalls bereits Feierabend gemacht und ist auf dem Weg zu uns. Es wird noch ein bisschen dauern aber in dieser Zeit erzählt meine Mutter alles was passiert ist.

Ihr ist es mit dem Reden selber aufgefallen und sie hat noch andere Beschwerden festgestellt, dennoch hat sie 2 Wochen mit dem Besuch beim Arzt gewartet. Tja was soll ich dazu sagen. Nun sitzen wir also beide da und machen uns Vorwürfe. Jeder auf seine Art. Ich biete ihr mehrfach an, sie ins Krankenhaus zu begleiten damit sie kein Taxi nehmen braucht, aber sie lehnt immer wieder ab.

Als mein Mann da ist, bestimmt er einfach: Ich fahre sie ins Krankenhaus und Punkt. Für mein schlechtes Gewissen wird das bestimmt auch noch eine Art Therapie sein. Allerdings hasse ich Krankenhäuser, ich kann diese einfach nicht leiden. Ich verbinde zu 95% nur schlechtes damit, aber ich bin es ihr schuldig.

Rückblick – Krankenhäuser und Abschiede

Mein Vater war bereits vor seinem Tod öfters im Krankenhaus. Starkes Nasenbluten und Herzinfarkt waren zwei der schlimmsten Sachen. Beim Herzinfarkt wollte ich meinen Vater nicht im Krankenhaus besuchen. Das klingt furchtbar unsensibel aber ich war damals, ich glaub, 12 und der Gedanke meinen Vater verkabelt in einem Krankenhausbett zu sehen war schon eine sehr grausame Vorstellung. Meine Mutter und meine Schwester redeten auf mich ein und als mein Vater auf dem Weg der Besserung war, besuchte ich ihn.

Nun war mein Vater verstorben und man konnte, wenn es gewünscht ist, am offenen Sarg Abschied nehmen. Erneut entschied ich mich dagegen, ich wollte ihn lebendig in Erinnerung behalten und nicht tot in einem Sarg liegend. Meine Mutter redete erneut auf mich ein, doch ich blieb Standhaft. Dieses Mal wollte ich ihn wirklich nicht sehen, es würde mich zerreißen und das war mir klar.

Meinen Abschied zelebrierte ich anders. Nur für meinen Vater und mich und es fühlte sich gut an.

Aktuell – Erster Halt Notaufnahme

Obwohl wir versuchen vor Mini so gut es geht eine heile Welt zu spielen, merkt er irgendwas. Kinder sind so unglaublich emphatisch, auch ohne Worte scheint er die Gefühlswelt um ihn herum wahr zu nehmen. Er weicht mir nur selten von meiner Seite und will auch unbedingt bei mir im Bett schlafen. Er wirkt unzufrieden und weinerlich.

Mit meinem Arbeitgeber ist abgesprochen das ich mit meiner Mutter ins Krankenhaus fahre und im Anschluss ins Büro komme. Allerdings habe ich mir direkt die Option eingeräumt den Tag ggf. komplett frei zu machen, je nachdem wie lange es im Krankenhaus dauert. Mini wird heute von meiner Mutter und mir in die Kita gefahren und wir fahren im Anschluss ins Krankenhaus.

Unsere aktuelle Annahme ist, dass meine Mutter aufgenommen wird und für 5 Tage stationär behandelt wird. In diesen 5 Tagen soll festgestellt werden, was mit ihr ist. Nach den ersten Untersuchungen geht es für meine Mutter zum CT und im Anschluss zum MRT. Ich begleite Sie soweit ich darf. Schon recht schnell merke ich, dass es heute doch länger dauern wird und melde mich daher auf der Arbeit für diesen Tag ab.

Nach dem MRT bekommen wir die Information, dass das CT nicht so gut aussah und man auf Details vom MRT warten muss. Es scheint da aber irgendwas auf der rechten Hirnseite zu sein. Noch schockt mich dies alles nicht, als die Ergebnisse vom MRT aber kommen fangen wir wieder an zu weinen. Es ist von einem Tumor die Rede. Nichts mehr mit „Glück gehabt den Schlaganfall so gut weg gesteckt zu haben“. Es war nie ein Schlaganfall gewesen. Da ist etwas was nicht hingehört und wir werden direkt an eine andere Klinik übergeben. Die Neuro wird dann übernehmen und schauen was nun Sache ist.

Auf einmal sind alle so viel freundlicher und aufgeschlossener zu uns. Manche wirken wie ausgewechselt und versuchen uns Mut zu machen, uns Hoffnung zu geben und bitten uns positiv zu denken. Die Stimmung gefällt mir gar nicht. Ich rufe meinen Mann an, der sich natürlich sofort auf dem Weg macht. Meine Mutter wird per Krankentransport in die andere Klinik gebracht. Mein Mann und ich fahren hinter her.

Flashback – Ab jetzt Halbwaise

Die Tage nach dem Telefonat mit der Polizei vergehen irgendwie nur langsam. Ich weine oft und dann wieder gar nicht. Meine Gefühlswelt ist eine Ruine. Manchmal bekomme ich Besuch und habe sogar recht normale bis gute Laune. Und manchmal gibt es diese Momente in denen ich einfach unsagbar traurig bin und nicht aufhören kann zu weinen.

Es gibt nach dem Tod eines Menschen unheimlich viel zu erledigen. Die Beerdigung ist wohl das erste woran man denkt, aber dann folgen auch eine Menge Kündigungen von Verträgen, Versicherungen, Abmeldungen etc. Ich darf mich nun ganz offiziell Halbwaise nennen und bekomme sogar Waisenrente. All dies muss erledigt werden. Man fängt an zu funktionieren. Zeitgleich muss ich mich noch auf meine Abschlussprüfung vorbereiten. Für die Erledigungen versuche ich mich nicht von der Trauer einnehmen zu lassen, lasse mir aber dennoch genug Raum zu trauern.

Ich habe schließlich gerade meinen Vater verloren, meinen geliebten Papa dessen Stimme mir manchmal immer noch im Ohr klingt.

Aktuell – Zuhause wird heile Welt gespielt

Das erste Gespräch in der Neuro ist ernüchternd aber es gibt Hoffnung. Es wird eine OP am Hirn geben, dass steht fest mehr aber nicht. Dennoch heißt es positiv denken, es kann alles noch halb so schlimm sein. am heutigen Tag wird auf jedenfall nichts mehr passieren und meine Mutter soll erst einmal im Krankenhaus „ankommen“.

Lange bleiben wir nicht mehr bei ihr. Mini muss aus dem Kindergarten abgeholt werden und ich bin ehrlich gesagt etwas erschöpft und mag kein Krankenhaus mehr sehen. Auf dem Weg nach Hause informiere ich noch meine Geschwister über den Sachverhalt. Ich versuche mich zu beruhigen um mir vor Mini nichts anmerken zu lassen.

Mir gelingt es nicht zu weinen aber auch heute scheint er wieder irgendwas zu merken. Erneut lässt er sich nicht davon überzeugen in seinem Bett zu schlafen. Er will bei mir schlafen und fertig. Also schlafen wir wieder zu dritt im großen Bett. Die Nacht ist schlecht, ich schlafe unruhig bin aufgewühlt und kann nicht abschalten. Mir geht viel durch den Kopf und ich habe Angst.

Am nächsten Morgen bin ich daher alles andere als fit. Mini geht heute nicht in den Kindergarten, er darf zu meinen Schwiegereltern damit ich etwas flexibler von den Zeiten bin. Wieder scheint er zu merken, dass irgendwas nicht stimmt. Er weigert sich bei Oma bleiben zu wollen bzw. hin zu fahren. Bisher hat er sich darauf immer gefreut. Beim Abgeben ist aber wieder alles gut, ich bekomme einen Abschiedskuss und er geht direkt mit meiner Schwiegermutter frühstücken. Gott sei Dank.

Aktuell – 5 Stunden Krankenhaus sind mehr als genug

Im Krankenhaus angekommen begleite ich meine Mutter wieder bei verschiedenen Untersuchungen. Ich gehe mit ihr die Aufklärung bzgl. Anästhesie durch und rede über belangloses Zeug mit ihr. Wir gehen einen Kaffee in der Cafeteria trinken und erledigen was zu erledigen ist. Zum Mittag bespricht der Arzt mit uns was genau nun gemacht wird.

Klar ist, dass sie am Kopf operiert wird. Es ist auch klar, dass ihr der Tumor komplett entfernt wird. Was nicht klar ist, ist was sich da genau im Kopf befindet. Ich höre der Ärztin aufmerksam zu, versuche alles zu verstehen und jede erdenkliche Frage zu stellen die es zu stellen gibt. Als die Ärztin weg ist, tröste ich meine Mutter und bitte Sie positiv zu denken.

Während meine Mutter nun erst einmal Mittag essen darf, rufe ich meinen Mann und meinen Bruder an. Jeder wartet auf ein Update und ich gebe alles so sachlich wie möglich wieder. Ich funktioniere und versuche mir nicht zu viele Gedanken zu machen. In der aktuellen Situation bringt das nichts. Gefasst und klar erzähle ich was es zu erzählen gibt und bleibe im Anschluss noch etwas bei meiner Mutter. Nach 5 Stunden im Krankenhaus frage ich meine Mutter ob es ok ist, wenn ich nun gehe.

Ich möchte Mini abholen und noch etwas den Nachmittag mit ihm verbringen. Vielleicht ein Eis essen oder so. Es macht mir Gedanken wie sehr er emotional die letzten Tage mit leidet. Er braucht wieder etwas mehr Aufmerksamkeit und schöne Zeit mit mir gemeinsam. Meine Mutter schickt mich heim und ich fahre Mini abholen. Ich versuche nun alle Gedanken bei Seite zu schieben und konzentriere mich darauf eine Mama zu sein. Die Anspannung merke ich allerdings in meiner Geduld, die ist nämlich nur sehr wenig vorhanden.

Dennoch wir haben einen schönen Nachmittag und genießen das tolle Wetter. Am Abend darf Mini sich noch etwas zum Essen wünschen und geht diesen Abend in sein Bett schlafen. Dadurch hoffe ich auch auf eine etwas ruhigere Nacht für mich. Aber ich habe die Rechnung ohne mein Hirn gemacht. Müde und erschöpft liege ich im Bett und kann nicht schlafen. Mein Hirn spielt alle Szenerien durch und weckt unheimlich viele Ängste und Erinnerungen.

Flashback – Beerdigung

Unheimlich viele Menschen kamen zur Beerdigung meines Vaters. Wir mussten uns für Musik und Sarg entscheiden. Alles konnte sehr individuell gestaltet werden und irgendwie war es ziemlich makaber. Was soll der Pfarrer erzählen, welche Musik soll wann gespielt werden, welchen Sarg und welchen Stoff wünschen sie. Alles nur noch sehr schemenhafte Erinnerungen die ich habe.

Zur Beerdigung selber nahm ich ein Beruhigungsmedikament ein. Es hielt mich „bei Laune“ und dennoch war es der bisher schwerste Gang in meinem Leben. Während der Sarg vor uns über den Friedhof geschoben wurde, liefen wir hinter her und hörten noch die Musik aus der Kapelle. Mir liefen nur noch die Tränen, ich konnte kaum was sehen und war einfach froh meinen Mann neben mir zu haben der mir halt gab.

Es hieß Abschied nehmen und zwar für immer.

Aktuell – Ich hasse warten

Die Nacht war kurz und schlecht. Irgendwann bin ich vor Erschöpfung eingeschlafen aber wieder früh aufgewacht. Unter Tränen habe ich mir selber immer wieder gesagt es wird alles gut gehen. Um 8 Uhr soll die Operation beginnen und gegen 10 Uhr soll sie fertig sein. Ich werde mich ablenken in der Zeit. Zumindest versuche ich es.

Wie gewohnt bringe ich Mini in den Kindergarten, danach gehe ich einkaufen und beim Bäcker in der Stadt was frühstücken. Ich schaue ständig auf die Uhr und überlege wie wohl der aktuelle Status bei meiner Mutter ist. Doch die Gedanken schiebe ich schnell bei Seite. Um 10:30 Uhr rufe ich das erste Mal im Krankenhaus an. Ich sitze vor unserer Kirche und hoffe innerlich ganz fest auf gute Nachrichten.

Ich bekomme gar keine Informationen. Sie scheint wohl noch im OP zu sein. Auf dem Kirchenvorplatz suche ich mir einen kleinen Platz und fange an zu bloggen. Dieser Beitrag entsteht dabei, eine Achterbahn der Gefühle. Während ich mich sortiere oder die Gedanken einfach schweifen lasse, spielt mein Hirn mir jedes Mal einen bösen Film ab.

Die ganzen alten Erinnerungen von meinem Vater, vom Abschied usw. kommen wieder hoch und verstärken die Ängste um meine Mutter. Wieder rede ich mir selber ein, dass es gut wird – alles wird gut – think positive – schlechte Gedanken bringen schlechte Nachrichten. Zur weiteren Ablenkung fahre ich zu meinen Schwiegereltern. Beide haben einen Termin zu dem ich sie hin fahre, ein bisschen Taxi spielen lenkt ab.

Nach dem ich sie abgesetzt habe, ein erneuter Anruf im Krankenhaus. Immer noch nichts Neues. Mittlerweile sind 4 Stunden vergangen seit dem die OP begonnen haben soll. Emotional bin ich nun am Ende. Das Warten macht mich fertig, die Auskunft die ich beim letzten Telefonat bekommen hatte klang auch irgendwie negativ – wahrscheinlich bilde ich mir das aber nur ein, oder doch nicht?

Eine weitere Stunde später ruf ich erneut im Krankenhaus an und erreiche keinen. Mein Mann beschließt Feierabend zu machen und nach Hause zu kommen um mir beizustehen. Ein weiterer Anruf ohne Erfolg und wir beschließen ins Krankenhaus zu fahren. Als mein Mann zuhause ankommt, habe ich endlich jemanden im Krankenhaus erreicht. Das war nun der 5. Anruf und ich erfahre endlich das die OP gut lief und 4 Stunden dauerte. Meine Mutter wurde aber nicht wie geplant um 8 Uhr operiert, sondern erst um 11. Warum ich diese Zwischeninfo nicht schon vor Stunden bekommen habe, keine Ahnung.

Wir holen Mini vom Kindergarten ab und fahren ins Krankenhaus. Ich gehe wenigstens noch kurz zu meiner Mutter und besuche sie auf der Intensivstation. Erst jetzt merke ich, dass ich seit dem Frühstück weder was getrunken noch gegessen habe. Als mein Kreislauf zusammensackt und mir schwindlig und schlecht wird, verabschiede ich mich von meiner Mutter und fahre nach Hause.

Tief durchatmen, was Essen, was trinken und einfach mal entspannen. Das schlimmste ist jetzt erst einmal überstanden und nun heißt es warten. Warten was die Ergebnisse des Pathologen zum Tumor sagen.  Voraussichtlich wird dies noch weitere 5 Tage dauern, 5 Tage weiterhin Daumen drücken und nur an das Positive Denken.

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