Grey´s Anatomie trifft auf die Realität #leidensweg

Ich liebe Grey´s Anatomy. Diese Serie schaue ich wirklich seit Anfang an und freue mich immer wieder wenn es endlich weiter geht. Natürlich weiß ich, dass die Serie nicht unbedingt der Realität entspricht, aber dennoch ging ich davon aus das wenigstens einige Bestandteile realistisch sind.

Nach meinen täglichen Besuchen im Krankenhaus ziehe ich mal ein Resümee zwischen der bekannten Serie von Shonda Rhimes und der Realität wie ich sie kennenlernen durfte.

Mögliche Szene aus Grey´s Anatomy

Die Notaufnahme ein Ort an dem die Familienangehörigen immer dabei sind. Sie erleben die Untersuchung und sind stetig im Bilde. Lediglich wenn das Blut fließt, dass Drama zu groß wird oder die Aufregung überhand nimmt bitten die Ärzte um ein „Bitte gehen Sie raus, wir machen alles menschenmögliche um sie zu retten“.

Meine Realität

Die Notaufnahme liegt hinter einer Tür auf der dick und fett steht „Bitte nur nach Aufforderung eintreten“. Sobald meine Mutter aufgerufen wird und hinter diese Tür geführt wird, darf ich nicht mehr mit. „Angehörige warten bitte draussen.“ Möpp na dann. Ich weiß nicht was drinnen passiert, erst als meine Mutter zum CT gefahren wird schließe ich mich an und frage nach einem Status. Mit mir redet Keiner.


Mögliche Szene aus Grey´s Anatomy

Der Arzt nimmt sich Zeit und übermittelt der Patientin, dass die bisherige Diagnose falsch war. Er setzt sich mit ihr in Ruhe hin und geht die Ergebnisse durch, auch die nächsten Schritte werden sorgsam besprochen. Das ganze passiert in Anwesenheit der Familie aber ohne große Störung durch Fremde, manchmal im Behandlungsraum oder eben etwas separiert vom anderen Trubel und den Patienten.

Meine Realität

Mittlerweile darf ich bei meiner Mutter in der Notaufnahme bleiben. Angeblich weil sie Hilfe beim Ausfüllen der Unterlagen braucht. Im Nachhinein denke ich aber, dass dies nur ein Vorwand war mich zu meiner Mutter zu schicken – denn zu diesem Zeitpunkt wissen die Ärzte schon dass es kein Schlaganfall ist. Ich helfe ihr beim Ausfüllen, bringe sie zum MRT und wieder zurück. Das Schild mit „Bitte nur nach Aufforderung eintreten“ können wir ignorieren, wir dürfen rein und raus wie wir wollen.

Im Untersuchungszimmer sitzt hinter einem Vorhang ein anderer Patient. Soweit ich es mitbekomme ist ihr Sohn (oder war es doch der Enkel?! – ich hab es schon vergessen) auch Arzt. Man kann hier gut alles mithören und so hört die Dame gezwungener Maßen mit als wir erfahren, dass sich im Hirn ein Tumor gebildet hat und meine Mutter verlegt werden muss. So weit so gut, so kommt das bei Shonda ja auch ab und an mal vor, aber als wir uns dann die MRT Bilder anschauen wollen wird es skurril. Wir wechseln die Seite von „vor dem Vorhang“ auf „hinter den Vorhang“. Ich stehe nun neben der anderen Patientin in diesem Raum und diese kann jetzt nicht nur zuhören sondern auch die Bilder direkt mit begutachten.

In diesem Behandlungsraum gibt es nur einen PC und der steht am Fenster. So stehe ich also am Krankenbett der Dame und schaue Bilder an die zeigen, dass meine Mutter einen riesigen Tumor im Hirn hat. Freude kommt auf – das nenne ich Datenschutz und Einhaltung der Privatsphäre.


Mögliche Szene aus Grey´s Anatomy

Der Patient liegt im Bett und kennt nun die grobe Diagnose. Dr. Shepherd erscheint im Zimmer. Im Schlepptau hat er zwei Assistenzärzte. Bestens vorbereitet erklärt er dem Patienten was genau das Problem ist, was wann wie und warum gemacht wird und mit welchen Komplikationen gerechnet werden kann. Er beruhigt den Patienten mit seinem Charme und seiner Erfahrung, alles wird gut laufen.

Meine Realität

Nachdem meine Mutter und ich durch das halbe Krankenhaus geschickt wurden, haben wir endlich alles zusammen, damit meine Mutter am nächsten Tag operiert werden kann. Das Einzige was noch fehlt ist die Besprechung mit dem Arzt um zu erfahren was eigentlich genau gemacht wird- ach ja und wann. Nach einigen Stunden hat der Arzt Zeit und bespricht alles was gemacht wird. Auf die Frage ob er der operierende Arzt sei, bekommt man nur ein Nein. Man kann auch leider noch nicht sagen, wer genau operiert denn der Plan steht noch nicht fest.


Mögliche Szene aus Grey´s Anatomy

Anruf der Familie – kurzer Blick im PC – der angerufene weiß sofort wo sich der Patient gerade befindet.  Eine Auskunft darüber, dass der Patient sich aktuell noch im OP 3 befindet kann ohne größere Probleme genannt werden. Der Zustand des Patienten und der bisherige Verlauf ist natürlich auch klar erkennbar und die Krankenschwester am Telefon ist sofort sussagefähig, ach was sag ich da nicht Krankenschwester es geht natürlich ein Arzt ans Telefon.

Fragen können kompetent und aus dem sofort beantwortet werden. Der Familienangehörige ist nun beruhigt und weiß bescheid.

Meine Realität

Anruf an der Zentrale – warten in der Warteschlange – neuer Gesprächspartner in der Intensivstation – auf die Frage nach meiner Mutter bekomme ich ein: „Nein sie ist noch nicht in der Intensivstation angekommen, wann sollte sie denn operiert werden?“. Öhm sorry aber müsstet ihr das nicht besser wissen als ich?  Das Gespräch ist nichts bringend. Ich weiß danach nur, dass sie scheinbar noch operiert wird, ich soll einfach später noch Mal anrufen. Auch Anruf 2 bringt kein Erfolg, ich bekomme lediglich eine neue Nummer für das Ärztezimmer. In diesem erreiche ich aber niemanden. Beim 5. Anruf, dieses Mal auf der Station, erhalte ich Auskunft. Die Operation begann lediglich etwas später.


 

Mögliche Szene aus Grey´s Anatomy

Mitarbeiter A:“Wo ist Patient xyz?“ – Mitarbeiter B:“Der wurde gerade zum CT gebracht und sollte in 20 Minuten wieder da sein.“

Meine Realität

Schwester:“Bevor Sie nachher zum MRT gehen, schreiben Sie mir doch bitte ihre Handynummer auf. Damit können wir sie dann erreichen und wissen wo sie sind, falls wir sie noch mal brauchen.“


Mögliche Szene aus Grey´s Anatomy

Nach der Operation kommt die Familie zu Besuch. Während sie am Bett sitzen erscheint der behandelnde Arzt in der Tür und berichtet der Familie wie die Operation lief. Als alle Fragen beantwortet sind verabschiedet sich der Arzt und wünscht noch weiterhin gute Genesung.

Meine Realität

Auf der Intensivstation treffe ich auf keinen Arzt. Einen Tag später auf der Überwachungsstation lasse ich einen Arzt kommen um mich aufklären zu lassen. Genaue Details erhalte ich leider nicht, das kann nicht der Stationsarzt beantworten sondern nur der Arzt der operiert hat. Ich muss wohl also noch mal in der Station nachfragen. Alle können mir nur sagen, dass die OP gut lief – na ja wenigstens etwas.


Dieser Artikel entstand und Zusammenarbeit mit Sarkasmus und Ironie. Es lief auch das ein oder andere gut in den Krankenhäuser aber in der Regel fühlte ich mich relativ allein gelassen und schlecht informiert.

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