Kurz vorm durchdrehen

Vorsitzende: Willkommen bei ASM, den Anonymen Schimpfenden Mamis. Es freut mich euch hier zu sehen und würde sagen wir fangen mit einer Vorstellungsrunde an.
Ich: Hallo, ich bin Muttertsiefchen – 32 Jahre alt und stehe kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Leider und irgendwie gegen meinen Willen, muss ich in letzter Zeit viel mit meinem Sohn schimpfen. Nicht immer leise, machmal auch laut. Ich weiß leider nicht weiter.
Die Gruppe: Hallo Mutterstiefchen 

Ok, ok diese Gruppentherapie ist meinem Kopf entsprungen aber momentan könnte sie genau so statt finden. Denn mein kleiner, so niedlicher, toller Sohn, treibt mich aktuell in den Wahnsinn. Na ja weiß heißt aktuell? Sagen wir mal, es hat sich die letzten 5 Monate gesteigert.

Terrible Two 

Schon mal von den Terrible Two gehört? Ich auch nicht, aber gelesen. Bevor Mini zwei wurde las ich überall, dass dann die Trotzanfälle und die Autonomiephase anfängt und ich richtete mich auf alles ein. Aber es blieb ruhig.

Man konnte immer mit ihm reden, man fand einen Kompromiss und „nicht hören“ war eher in „Nicht können“ begründet. Ein Beispiel dafür war rechtzeitig mit dem Laufrad vor einer Straße zu stoppen. Natürlich gab es trotzdem die Unterhaltungen darüber, warum wir jetzt nicht mehr auf dem Spielplatz bleiben können, aber alles im Rahmen. Wir kamen miteinander klar.

Ich war froh darüber, ich fühlte mich in meiner Art zu Erziehen bestätigt und sah alles als Beweis für das Funktionieren des von mir gewählten Vorgehens an. Meine Erziehung war schon immer eine Mischung aus Attachment Parenting, Unerzogen und Regeln. Von allem etwas und doch kein richtiges verfolgen eines der Methoden.

Anfang des Jahres ging es langsam aber sicher los, dass richtige GO für die Trotzanfälle hatte es aber im Urlaub. Reden funktionierte nicht mehr, diskutieren war angesagt.

Happy Birthday – als Geschenk gibt es die Autonomie

Der Urlaub strengte mich ziemlich an aber es sollte noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Nach seinem 3. Geburtstag wurde das Verhalten noch anstrengender (für mich). Egal was man versuchte, egal wie viel man ihm erklärte nichts nützte. Jedes „Verbot“ – jedes „Nein“ – endete in einem Schrei-/Trotzanfall.

So langsam schlich sich das schimpfen ein. Mal leiser, mal lauter, mal liebevoller mal energischer. Wir redeten uns ein, alles sei nur eine Phase und ging bestimmt schnell – ganz schnell – wieder vorbei. Dieses Mantra hilft langsam nicht mehr. Denn nun haben wir bereits Oktober und ich sehe mich bald in der Psychiatrie sitzen, denn mich treibt das wirklich in den Wahnsinn.

Was genau fragt ihr euch wahrscheinlich. Ich möchte euch ein aktuelles Beispiel liefern:

Gestern Morgen, Wochenende – Mini ist wie gewohnt um 6:30 Uhr wach. Wir kuscheln und startet den Morgen ganz gemütlich, als Mini die Bitte formuliert „Es war einmal der Mensch“ im TV zu schaue. Da ich selber erkältet bin und keine großartigen Sprünge machen kann, bin ich über diese Art der Unterhaltung nicht wirklich traurig. Also TV angemacht und schnell noch eingeredet, dass selbstbestimmtes TV schauen doch bestimmt irgendwie die Persönlichkeit stärkt. Man kann sich ja alles schön reden…

So startet der Tag – Mini schaut glückselig TV und ich ruhe mich noch etwas aus. 2 Stunden später bin ich geduscht angezogen und Mini immer noch im Schlafzimmer im Bett vor dem Fernseher. Mhhh ok so habe ich mir das früher nie vorgestellt und/oder gewünscht.

Na gut sei es drum, wenn man nicht langsam merken würde dass Mini genug TV geschaut hat- er wird zappelig schaut gar nicht mehr richtig hin und konzentriert sich gar nicht mehr auf das was da läuft. Es wird Zeit auszumachen, wir müssen uns eh fertig machen und zum Brunchen mit den Schwiegereltern gehen.

Gesagt – „getan“. Ok noch nicht so schnell. Mini wird natürlich darauf vorbereitet. „Mini du hast nun wirklich genug TV geschaut. Wenn die Folge zu Ende ist machen wir aus ok?“ – „Ja. Die Fertig gucken“. Super klang doch ganz gut, das große Drama kommt aber wenn es wirklich soweit ist.

Besprochenes wird umgesetzt

Wie vereinbart, darf er die Folge noch zu Ende schauen bevor ich den Fernseher aus mache. Dann folgt das Drama/Geschrei. „Nein, noch eine Folge schauen. Bitteeeee. Bin soooo traurig. ICH WILL ABER“ und das unter Geschrei und oder Geweint. Heute wirft er sich nicht auf den Boden und tritt um sich, aber es kam durch aus schon vor.

Ich rede beruhigend auf ihn ein, ich erkläre ihm alles noch mal und noch mal und noch mal. Es bringt nichts. Er beruhigt sich kurz fängt wieder an nach einer Folge zu fragen und rastet förmlich nach dem „Nein“ aus. Das Muster kann man auf X-beliebige Sachen erweitern.

Leider weiß ich wirklich nicht mehr wie ich darauf reagieren soll. Nach 30-60 Minuten ewigen Wiederholung der Erklärung, des tröstens reicht es mir. Ich werde sauer und erkläre es ihm nun gereizt ein letztes Mal. Natürlich wieder ohne Erfolg. Ich resigniere und sage einfach gar nichts mehr, manchmal tröste ich ihn nicht mal mehr oder er will gar nicht getröstet werden und schickt mich mit den Worten „lass mich in Ruhe“ weg.

Hilflosigkeit, Zweifel und Ratlosigkeit machen sich in diesem Moment breit. Mein Kind, mit dem ich bisher immer so gut kommunizieren konnte, entgleitet mir. Wir verstehen einander nicht mehr. Ich verstehe nicht seinen Frust und er versteht nicht, dass ich ihn nicht bestrafen will. Wir sind in einer Sackgasse und kommen da einfach nicht raus. Wir scheinen uns Gegenseitig im Frust hoch zu schaukeln.

Keine Rücksicht auf mich

Am nächsten Tag – also heute – eine weitere Situation. Mini spielt mit den TutTut´s während mein Mann und ich den Tisch vom Frühstück abräumen. Danach gehe ich auf die Couch und erledige noch etwas als Mini mich fragt ob ich mit spielen möchte. „Ja mach ich gleich, aber ich brauche noch 5 Minuten“ – „Nein Mama nur 3“ – „Ok Mini, dann nur 3.“ Er zählt bis 3 und erwartet nun, dass ich sofort mit ihm spiele. Ich erkläre ihm, dass ich von 3 Minuten gesprochen habe und nicht wenn er bis 3 gezählt hat. Das er nicht weiß was 3 Minuten sind ist mir durch aus klar, also biete ich ihm an den Wecker auf 3 Minuten zu stellen und dann zu ihm zu kommen.

Nein das reicht ihm nicht, er fängt wieder an wütend zu werden. Ich soll gefälligst jetzt mit ihm spielen und überhaupt warten ist doof. Ein weiterer Erklärungsversuch prallt völlig bei ihm ab – aus meinem Kopf dringt qualm mein Hirn überhitzt. „Mini du bist wirklich undankbar“

Ich erkläre ihm, dass ich nun gar keine Lust mehr habe mit ihm zu spielen und dampfe ab. Alles andere als eine Glücksstunde meines Mutterseins. Was soll ich sagen – es ist einfach momentan bisschen viel. Ausruhen wird mir nicht gegönnt, der Streß mit der ganzen Behandlung meiner Mutter, arbeiten und die Trotzanfälle – es soll alles keine Entschuldigung sein aber Mental bin ich momentan am Ende und dezent gereizt.

HIIIILLLFFEEE

Es waren jetzt zwei Situationen von vielen die ich euch beschrieben habe. Wir haben solche Situationen mehrfach am Tag und ich kann mit diesen langsam wirklich nicht mehr umgehen. Alle Wege Mini etwas zu erklären auf sein Verständnis zu hoffen oder einen Kompromiss mit ihm zu finden ist zum größten Teil Hoffnungslos.

Ich zweifle im Moment sogar massiv daran ob wir weiter so machen können oder ob wir einfach Regeln einführen und diese umsetzen. Geschrei scheint es ja so oder so zu geben. Kennt ihr solches Benehmen? Wie seid ihr denn damit umgegangen und wann geht es eennnnndddlicchhh zu Ende?

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20 Einträge zu „Kurz vorm durchdrehen

  • Die Große ist im Moment auch oft schrecklich. Sie wird im November 4 und geht oft wie ein Pulverfass in die Luft inklusive Gekreische und auch nach mir Geschlage. Bei uns ist deutlich besser, seitdem wir das Fernsehen erheblich eingeschränkt haben. Das hat ihr nicht gut getan. Wobei es schon vorher nicht viel war, aber anscheinend zu viel. Besser gehen Spiele auf dem Handy. Und ich lasse sie nun in ihrem Zimmer wüten und gehe raus.

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    • BEi uns gab es eigentlich immer wenig Fernsehen, ich gebe aber zu in letzter Zeit hat es sich gehäuft. Ganz still und leise schleicht sich der „Babysitter TV“ halt doch ein.
      Das Fernsehen ist für ihn interessant da er unheimlich wissbegierig ist und die gewählten Sendungen echt Wissen übermitteln. Aber du hast recht auf dauer tut es ihnen nicht gut. Wie geschrieben, man hatte ihm ja auch schon angemerkt, dass es nun reicht. Diese unruhe und unausgeglichenheit, dass war ja dann mit der Hauptgrund warum aus gemacht wurde. Die Reaktion darauf war allerdings echt anstrengend. Das manche Eltern den TV dann wieder an machen – kann ich total verstehen.

      Wir haben nun vorerst beschlossen: 1 Monat bleibt der TV aus. Ich bin gespannt wie es wird.

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    • DAUERT – oh Gott genau dieses Wort wollte ich eigentlich nicht hören. Ich brauch Eis – ne Menge Eis.
      Von dem Buch habe ich schon gehört, ich werde es mir mal anschauen – allein ohne Mini denn der WILL bestimmt lieber irgendwas anderes machen :p

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  • Hallo! Ich kann die Situationen, die Du gerade mit Deinem Sohn durchlebst, Äußerungen gut nachempfinden! Unser Großer (4,5) war bis zur Ankunft seines Schwesterchens ein Engel- nie hat er gezofft, wenn es vom Spielplatz nach Hause ging, Aufforderungen und Bitten unsererseits wurde stets nachgegangen und er war in dieser Hinsicht wirklich pflegeleicht und unkompliziert. Er ist auch heute noch ein liebes Kind, aber die Mischung aus typischem Trotzphasenalter, die vielen Einflüsse aus der Kita und nicht zuletzt die leidige Eifersucht bringt uns doch ganz schön oft auf die Palme! Vor allem, weil wir solchr Verhaltensweisen bisher nicht von ihm gekannt haben und es mir manchmal so vorkommt, dass etwas entgleitet in unserer Beziehung, wie auch Du schreibst. Und außerdem ist seine Schwester jetzt auch 2 und sie lässt auch keine Gelegenheit aus, um sich von ihrer rebellischen Seite zu zeigen- bei all den süßen Eigenschaften, die auch sie hat. Trotz im Doppelpack sage ich da nur. Mal nehme ich dads Ganze gelassen und mit einer gute Portion Humor hin, mal flippe ich aus und drehe auch am Rad. Ich kann Dir demzufolge auch keine wahren Tipps geben, da ich auch immer hoffe, dass alles irgendwann vorbei geht- spätestens in 20 Jahren😉.
    Viele Grüße! Claudia

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    • Guten Morgen Claudia,

      oh man ok das klingt auch alles andere als angenehm, vorallem mit zwei.
      Mich wundert der „plötzliche“ Umschwung. Ich habe das Gefühl, dass eine Menge frust in ihm steckt und er unzufrieden ist aber ich kann nicht greifen warum und kann ihm auch absolut nicht helfen.
      Dazu dann dieser Teufelskreis – sich gegenseitig irgendwie „anzufrusten“. Es macht mich irgendwie auch traurig, dass reden und trösten nicht mehr die Wirkung von früher hat.

      Ich kann also nur hoffen, dass die 20 Jahre schnell vorbei gehen 😉
      Dir dann weiterhin noch viel Kraft!

      Liebe Grüße

      Mutterstiefchen

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  • Also ich bin mit meinen 3 Kindern auch seit etwa 2 Jahren mittendrin statt nur dabei in der Trotzphase. Die Großen sind jetzt 3,5 und der Mini ist gerade 2 geworden und mischt auch schon kräftig mit. Es gibt zu oft Tage, wo ich drei schreiende Kinder vom Spielplatz schleppe und mich als Megaversagerin fühle. Ich kenne das also sehr gut.

    Aber ich kann dir auch sagen: es ist wie es ist. Kinder trotzen, mal mehr und mal weniger. Das hat nichts mit deinen Fähigkeiten als Mutter zu tun. Es gibt Phasen die sind schlichtweg frustrierend und schwierig – halt einfach kacke. Da kann man nur sein Bestes tun und die Kinder soweit es geht begleiten. Aber man hat halt auch einfach seine Grenzen und ich finde auch das müssen Kinder sehen dürfen. Aber ich kann dir sagen, es gibt auch Phasen wo es wieder besser wird und wo du plötzlich merkst, wie sie einen Sprung im Verständnis oder anderen kognitiven Fähigkeiten gemacht haben. Dann ist die Trotzphase nicht unbedingt vorbei, aber man kann mal ein bisschen durchschnaufen und sich auch einfach mal freuen. Also: durchhalten, du schaffst das! Und es wird vielleicht schneller besser, als du denkst.

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  • Wenn die eigenen Kinder 3 Jahre alt werden, fallen die Eltern oft in eine ‚Alters-Falle‘. Es ist nämlich so, dass in diesem Alter das Kindchen-Schema und babyhafte von den Kindern abfällt. Sie wirken ‚groß‘, sie reden schon in vollständigen Sätzen und man hat das Gefühl, sie sind schon echt verständig. Deshalb schleicht sich bei den Eltern in diesem Alter meist der Gedanke ein, die Kinder ‚müssten doch nun mal endlich…..‘ Also müssten doch nun mal endlich allein im Bett schlafen können, oder nun mal endlich auch abwarten können, wenn die Eltern noch was Wichtiges zu tun haben, oder auch nun mal endlich verstehen, dass Eltern auch Wünsche und Bedürfnisse haben und dementsprechend die eigenen Wünsche für kurze Zeit zurückstellen können. Und weil die Eltern solche Gedanken haben, fangen sie an, ihre Kinder mit anderen Augen zu sehen. Immer, wenn etwas wie Abwarten oder Bedürfnis zurückstellen nicht klappt, oder im Soldatenton Forderungen gestellt werden oder wie ein Kleinkind durch Wüten und Kreischen Missfallen ausgedrückt werden, sind die Eltern ein Stück mehr enttäuscht. Das merken die Kinder. Sie merken, dass sie nicht mehr so wie sie sind angenommen werden. Dass die Eltern wünschen, sie wären irgendwie anders. Und sie reagieren darauf mit innerer Unsicherheit. Diese Unsicherheit zeichnet sich darin aus, dass sie auffälliges Verhalten an den Tag legen. Sie werden laut und frech etc. Das wiederum verunsichert die Eltern, die dann nicht weiter wissen und auf Schimpfen und Strafen zurückfallen. Brauchen sie aber nicht. Es ist besser, wenn die Eltern aus diesem Teufelskreis aussteigen. Die Kinder können es nämlich nicht.

    Um bei deinen Beispielen zu bleiben: Klar kannst du deinen Sohn fernsehen lassen. Das war eine klassische Win-Win-Situation. Allerdings musst du dich darauf einstellen, dass das Ausmachen immer erstmal ein Problem sein wird. Denn beim Fernsehen schläft die neurologische Kontrollschleife des Gehirns ein. Diese ist 1) dafür verantwortlich, dass wir Menschen vernünftig denken und 2), dass wir nicht aggressiv reagieren, wenn uns entwas ärgert. Ist sie durch das Fernsehen eingeschlafen, KANN ein Kind rein biologisch nicht vernünftig und einsichtig sein, und vermutlich wird es sogar so sauer, dass es haut. Erst, wenn die neurologische Kontrollschleife vollständig trainiert ist, wird das besser. Dein Sohn ist also noch zu klein, sein Gehirn noch nicht gereift genug, um nach 2h fernsehen keinen Wutanfall zu bekommen, wenn er ausgemacht werden soll! Also entweder lässt du ihn nicht so lange gucken, oder du nimmst den Wutanfall in Kauf, ohne sauer zu werden. Er kann ja wirklich nichts dafür.

    Das gleiche gilt für die Dankbarkeit, die du dir wünscht. Dankbarkeit für das, was du alles leistest und ihm ermöglichst braucht als Voraussetzung, dass er 1) weiß, dass es in anderen Familien anders läuft und 2), dass er deine Perspektive in der Situation einnehmen kann, also versteht, was du fühlst. Das ist aber ein kognitiver Meilenstein, der erst mit etwa 4 Jahren erreicht wird! Er kann also erst Dankbarkeit und Rücksicht nehmen, wenn ihm klar wird, was sein Verhalten bei dir auslöst. Dass es dich wütend/traurig etc macht. Diese Einsicht und die damit verbundene Rücksichtnahme ist erst mit etwa 5 Jahren gegeben. Wohl gemerkt: Das sind rein biologische Fakten! Es ist schlicht UNMÖGLICH, dass er Rücksicht nimmt, weil ihm noch das Verständnis fehlt. Es ist kein Zufall, dass die Trotzphase etwa mit 4 Jahren endet – zu dem Zeitpunkt, an dem die meisten Kinder lernen, die Perspektive eines anderen Menschen einzunehmen. Auch hier ist es also zwar durchaus verständlich, dass du genervt bist, aber es ist unnötig, ihn deshalb zu schimpfen. Denn du würdest ihn für etwas bestrafen, dass er aufgrund seiner kognitiven Unreife noch gar nicht leisten kann. Was nicht heißt, dass du nicht durchsetzen solltest, zuerst deine Sache zuende zu machen, bevor du mit ihm spielst. Es bedeutet, dass du Verständnis für seine Frustration aufbringen kannst, wenn er dich bittet, sofort mit ihm zu spielen und du es nicht tust. Denn aus seiner Sicht der Dinge IST es ja frustrierend, dass du nicht alles stehen und liegen lässt.

    Ich hoffe, das war in der Kürze jetzt verständlich genug. Liebe Grüße, snowqueen

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    • Ohhhh liebe snowqueen ein ganz toller Text der mir eine Menge Mut und etwas schlechtes Gewissen macht.

      Was die tv Situation angeht – ich versteh seinen Frust. Es ist ja auch doof wenn etwas das Spaß macht „weg genommen“ wird. Im übrigen macht es keinen Unterschied wie lang er schauen darf, der Wutanfall kommt in letzter Zeit immer auch wenn vorab nur eine vereinbart war. Mich hat auch nicht der Wutanfall an sich geärgert sondern die Dauer und die fehlende „Einsicht“ oder sagen wir besser, dass er sich nicht beruhigen lies. Mir ist aber bewusst, dass ich überreagiert habe.

      Das gleiche auch bei meinem Ausrutscher ihn als undankbar zu bezeichnet. Normalerweise hätte ich mich danach bei ihm entschuldigen müssen, denn es war unfair ihm gegenüber aber mein Frust musste in diesem Moment einfach irgendwie raus 😢

      Sei es drum, ich will mir deinen Text und deine Erläuterung wirklich zu Herzen nehmen und versuchen mehr Geduld und Verständnis für ihn aufzubringen. Ich hab ja selber gemerkt, dass er irgendwie gefrustet wirkt – das ich oder mein Benehmen der Grund dafür sein könnte hatte ich schon im Verdacht aber wer gesteht sich das schon gern ein?

      Vielen lieben Dank noch mal für deine Ausführung und das du dir dafür Zeit genommen hast! 💕

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  • Ich kenn das alles auch. Und unsere „Große“ ist jetzt fünf!

    Ich persönlich gehe damit wie folgt um (hat mich aber viel Nerven und Selbstdisziplin gekostet, bis ich das geschafft habe, und es klappt auch nicht immer):

    1. Ich erkläre die Situation, aber in der Regel nur noch einmal. Wiederholungen bringen nichts, das habe ich schmerzhaft lernen müssen.

    2. Ich bin konsequent. Wenn ich sage: So und so läuft es, bleibe ich dabei. Auch wenn dann ein Wutanfall kommt.

    3. Ich habe Fernsehen und Handy reduziert und ihr erklärt, dass zuviel Fernsehen ihren Kopf kaputt und sie wütend macht.

    4. Wo es geht, versuche ich, sie in Entscheidungen einzubeziehen. Bei Deinem Beispiel Fernsehen zum Beispiel: „Willst Du den den Fernseher selbst ausmachen, oder soll ich?“ Meist macht sie ihn dann selbst aus. Wenn sie das nicht tut, sage ich ihr: „OK, wenn Du ihn nicht ausmachst, dann mache ich das jetzt“. Dann warte ich kurz und drücke auf den „aus“ Knopf. Auch bei Geschrei.

    Dein anderes Beispiel: „Ich muss das jetzt noch fertig machen. Wenn Du mit mir spielen möchtest, musst Du 5 Minuten warten.“ Kommt dann nach 3 Sekunden Geschrei: „Möchtest Du, dass ich mit Dir spiele? Dann warte jetzt, bis ich fertig bin.“ kommt dann wieder Geschrei: „Wenn Du so viel schreist, habe ich keine Lust mehr, mit Dir zu spielen. Das ist Deine Entscheidung“. Und dann ziehe ich mich wirklich zurück. (so wie Du das ja auch gemacht hast. Da hast Du auch ein Recht drauf. Dein Sohn hat ein Recht auf seine eigene Meinung und diese auszudrücken. Du aber auch.

    5. Wenn meine Tochter richtig bockt, manchmal auch mit Treten oder ähnlichem, ziehe ich mich zurück. Ich erkläre das zuvor. „Ich möchte nicht mit Dir streiten. Deshalb gehe ich jetzt ins Schlafzimmer. Wenn Du möchtest, dass ich wiederkomme, dann höre bitte auf zu schreien, boxen etc…“ Das schwierigste daran ist, das durchzuziehen:

    Gestern Abend hat sie 20 Minuten in ihrem Zimmer gebrüllt. Auslöser: Sie sollte sich ausziehen und Zähne putzen, damit wir im Bett noch lesen können. Sie wollte lieber spielen. Ich: „Ich finde, es ist jetzt Bettzeit. Sonst bist Du morgen müde“. Sie: „nein, bin ich gar nicht. Ich will noch spielen.“ Ich: „Wenn Du Dich jetzt nicht ausziehst und Zähne putzt, dann darfst Du wach bleiben, so lange Du willst. Ich helfe Dir dann aber nicht mehr. Dann musst Du allein schlafen gehen.“ Ich warte eine Weile, sie sitzt trotzig im Zimmer. Ich: „Gut, dann hast Du Dich entschieden, dass Du jetzt nicht schlafen gehen möchtest. Ich akzeptiere das. Ich gehe jetzt ins Bett. Gute Nacht, mein Schatz!“ Dann bin ich gegangen und sie fing an zu weinen „Mama, Mama, Mama. Komm wieder her, Mama“ Ich bin im Schlafzimmer geblieben, bis sie zu mir kam und habe ich nicht herbeirufen lassen.

    Es fällt mir sooo schwer, nicht auf diese Machtkämpfe einzugehen. Aber es hat dei Konflikte dauerhaft zumindest reduziert. Hat aber gedauert…

    Meine Erfahrung ist, dass zu viel reden leider nichts bringt. Ich denke, da sind die Kleinen einfach noch nicht so weit. Und unterbewusst wissen sie bestimmt auch, dass sie Diskussionen mit uns eh nicht gewinnen können.

    Ich drück Dir die Daumen, dass es bald besser wird!

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    • Hey danke für deine Ausführlichen Rückmeldung.
      Wir versuchen jetzt auch einen neuen Weg und bisher klappt es ganz gut. Fernsehen haben wir definitiv als Ursprung „des übeln“ erkennen können aber es gibt halt auch verschiedene andere Faktoren die im Moment mit rein spielen.

      Dennoch ich geb die Hoffnung nicht auf, dass es besser wird.

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