Hört der Kummer denn nie auf?

Manchmal da hat man das Gefühl, es kann wirklich nicht schlimmer kommen und dann kommt Murphy auf einen Kaffee vorbei… Man merkt dann plötzlich, Hey geht ja doch noch ne Stufe schlimmer.

An der Theorie, schlechtes zieht schlechtes an, scheint wohl wirklich etwas dran zu sein. Demnach zieht ja auch gutes – gutes an. Es gilt also nur den Teufelskreis zu durchbrechen.

Tränen am Telefon

Wenn es doch nur so einfach wäre… Momentan ist doch wirklich der Wurm drin. Die Eingewöhnung von Mini war eigentlich schon abgeschlossen und ich wollte eigentlich noch meinen Beitrag dazu schreiben, als diese Woche einfach sehr schlecht anfing. Alles eben nur „eigentlich“.

Bereits letzte Woche wollte Mini nicht in die Kita. Wir schoben es auf seinen Husten und Schnupfen und ließen ihn Zuhause. Am Wochenende war er immer mal wieder erschöpft aber bereits gestern Abend ging es ihm wieder gut. Heute morgen sollte also alles wieder seinen gewohnten Gang gehen.

Ich stand früh auf, machte mich fertig als Mini wach wurde. Er wollte noch kuscheln also legte ich mich zu ihm ins Bett und fuhr später auf die Arbeit. Nach dem ich 1,5 Stunden auf der Arbeit verbracht hatte, klingelte mein Handy. In der Annahme es sei das morgendlich Telefonat nahm ich gut gelaunt ab.

Doch meine Laune änderte sich ziemlich schnell, denn mein Mann war am Telefon. Mini will nicht in die Kita – er habe Bauchweh, möge die Kita nicht. Ihm gefällt es da nicht und er hat da auch keine Freunde.

Wenn das Herz bricht

Mir stiegen sofort die Tränen in die Augen, oh Gott mein Baby. Ich wollte mit Mini sprechen und mein Mann gab das Handy weiter. Ich redete also mit dem kleinen Mann und stellte fest es war nichts zu machen. Er wollte nicht in die Kita und mein Mann saß auf heißen Kohlen – das Büro wartet schließlich.

Mein Herz brach in mindestens 1000 Stücke. Also vereinbarte ich mit Mini, dass ich sofort nach Hause kommen würde und dann gemeinsam mit ihm in die Kita gehen würde. Dort würde ich dann mal mit den Erzieherinnen sprechen. Er willigte ein. Meine Kollegin ist Gott sei Dank total feinfühlig und hat sofort verstanden warum ich gehen musste.

Öhm Chef – also es gibt da ein Problem. Ich muss leider nach Hause, Mini geht es nicht so gut. Ich nehme dann für heute einen Gleittag.

Flexibilität ist halt alles. Auf dem Weg nach Hause gingen mir schon 1000 Gedanken durch den Kopf – ich hatte so Angst das diese Phase kommen würde. Ich dachte es würde uns in der Eingewöhnung treffen und nun das. Es schien doch alles fertig zu sein.

Zweifel am Konzept

Bereits während der Eingewöhnung zweifelten mein Mann und ich immer wieder an der Kita. Es entsprach nicht unbedingt unserer Vorstellung. Wir waren anderes gewohnt und praktizierten Zuhause auch einiges anders.

Viel ist natürlich dem niedrigen Betreuungsschlüssel geschuldet. Die Erzieherinnen haben wenig Zeit um sich wirklich um alle Kinder zu kümmern, aber bei manchen wirkt es auch so als haben sie durch die Jahre den Elan verloren. Den Elan mit den Kindern zu spielen und zu interagieren. Gerade morgens (Gruppenübergreifende Betreuung) lesen manche der Erzieherinnen gern mal lieber im Ikea Katalog als die Kinder in Empfang zu nehmen.

Doch jedes Mal wenn unsere Zweifel hoch kamen, entschieden wir das es egal ist so lange sich Mini wohl fühlt. Er ging gerne in die Kita, er wollte morgens schon früher los und freute sich eigentlich immer. Das war das Zeichen für uns, dass es ihm gut ging – trotz unserer Zweifel.

Unsere Zweifel besprachen wir natürlich nie vor Mini und freuten uns immer mit ihm. Wir gingen Freudestrahlend gemeinsam in die Kita und holten ihn auch so wieder ab. Wir fragten nach seinem Tag und freuten uns mit ihm und nun diese Wendung.

Gemeinsam in die Kita

Kaum war ich Zuhause wurde ich von Mini an der Tür empfangen. Er freute sich mich zu sehen und ich fing das Gespräch von neu an. Wir gehen gemeinsam in die Kita und ich spreche mit den Erzieherinnen – Mini fiel mir direkt ins Wort „Nicht Kita gehen“. Puh ok also ganz langsam.

Ich redete Einfühlsam auf ihn ein und wir konnten einen Kompromiss finden. Wir würden jetzt erst Mal gemeinsam in die Kita gehen, dort würde ich mit den Erzieherinnen sprechen und dann sehen wir weiter. Natürlich versicherte ich ihm, dass ich bei ihm bleiben würde so lange es für ihn nötig wäre. Wir stiefelten also in die Kita und zwar sogar ganz ohne Tränen.

Gut das war dann schon mal geschafft. Im Kindergarten wollte er natürlich keine Hausschuhe anziehen aber auch das klappte ohne Tränen. In der Gruppe angekommen – die halbe Miete. Mini legt das Gemüse in den Korb und ich erzähle den Erzieherinnen das wir ein Problem haben.

Mini möchte heute nicht in die Kita gehen. Er sagt ihm gefällt es hier nicht und er hat keine Freunde hier.

Die Erzieherinnen reagieren erst mal geschockt und eine der Damen kommt auf Mini zu. Sie versucht einfühlsam mit ihm zu sprechen aber er macht zu. Ich kann ihn überzeugen, seine Brotbox zu holen und an den Tisch zum Frühstücken zu gehen. Während er das macht unterhalte ich mich mit der Erzieherin

So Phasen gibt es immer wieder mal. Das ist völlig normal und wird bestimmt nicht das letzte Mal auftreten

Öhm, ja klar ich kenne die Phasen mit nicht zur Kita wollen aber solche Sätze hat mein Sohn noch nie von sich gegeben. Ich persönlich sehe das als ernstes Thema und wir müssen uns hier wirklich was überlegen. Sie symbolisiert mir mit ihren Sätzen, dass es aus ihrer Sicht nicht so eine gute Idee ist bei Mini zu bleiben. Daran gewöhnt er sich schließlich und fordert das morgen wieder ein.

Mein Weg ist aber klar und ich setze mich mit Mini an den Tisch, er fängt an zu frühstücken und ich suche das Gespräch mit ihm. Wir können uns einigen, dass ich gehen darf aber ihn früh holen muss. Kein Problem – frei hab ich ja jetzt schon.

Und nun?

Um 12:30 Uhr werde ich Mini abholen und dann – tja dann weiß ich auch nicht. Sowohl mein Mann als auch ich müssen arbeiten gehen, eine andere Kita zu finden ist in unserem Ort unmöglich. Oma ist keine Möglichkeit. Es sieht also ziemlich schlecht aus mit einem Plan B.

Wie kann ich ihm helfen, dass es ihm dort besser gefällt? Dazu müsste ich wohl erst einmal wissen, was ihn genau stört oder besser gesagt fehlt. Eine Aussage dazu hat er ja schon getroffen, er habe dort keine Freunde. Daran kann ich auch nichts beeinflussen, es ist nun mal leider so das es eher ältere Kinder in der Gruppe gibt und die wenig Lust haben mit den jüngeren zu spielen.

Ein anderer Punkt der ihm scheinbar in der Umstellung schwer fällt, ist das Essen. In der alten Kita gab es um 9 Uhr Frühstück, um 11:30 Uhr Mittag, 14 Uhr einen kleinen Brotsnack falls die Kinder Hunger äußern und um 15 Uhr dann den richtigen Snack mit Gemüse/Obst und bisschen Brot.  In der neuen Kita ist das nun etwas anders. Frühstücken dürfen die Kinder wann sie wollen. Sie müssen dafür einfach nur ihre Brotbox holen. Um 11:30 Uhr gibt es dann einen Gemüsesnack (vorausgesetzt die Eltern haben Gemüse mitgebracht) und um 13 Uhr gibt es Mittagessen. Sollte das Kind um 16 Uhr noch nicht abgeholt worden sein, gibt es da den nächsten Snack.

Mini kam in der Eingewöhnung um 12 Uhr oft beim Abholen zu mir und erzählte was von ganz doll Hunger. Auch die Erzieherin bestätigte heute im Gespräch, dass er gegen 12 Uhr abbaut und sich einfach in eine Ecke verkrümelt. Vielleicht hat er ja einfach Hunger? Nun ist die Kita städtisch, was nichts schlechtes bedeuten muss, aber manchmal hat man so das Gefühl das sie eher eingestaubt und alt ist. Eben wie man sich eine Abteilung bei der Stadt vorstellt.

Ein Ansatz ist nun immer zu Sorgen, dass es Gemüse gibt und zu Fragen ob man es vielleicht um Knäckebrot ergänzen könnte. Der Kindergarten ist auf „Gesunde Ernährung“ bedacht und ich habe Angst das daher der Vorschlag abgeblockt wird. Aus welchem Grund auch immer. Ich bin auch echt gewillt das Brot selber zu bezahlen, von mir aus auch für die anderen Kinder. Wenigstens eine Scheibe pro Kind sollte ja wohl kein Problem sein. Aber tja wie gesagt-staubig. Weitere Ideen habe ich erst einmal nicht.

Wie ein Versager fühlen

Auf dem Weg nach Hause fühlte ich mich einfach nur schlecht. Vielleicht übertreibe ich ja auch und es ist wirklich nur eine Phase, vielleicht sollte ich dem ganzen nicht zu viel Gewicht geben und erst einmal abwarten. In der alten Kita würde ich der Sache wohl auch nicht so viel Gewicht geben, aber durch meine eigenen Zweifel fühle ich mich bestätigt was mir Angst macht. Gefühle des Versagens kommen in mir hoch und Zweifel an der Wahl des Weges.

Heute Abend wollen mein Mann und ich über Möglichkeiten sprechen, was für alternativen haben wir? Wie wollen wir damit umgehen? Wie machen wir weiter? Fragen über Fragen! Hattet ihr auch solche Phasen? Wie seid ihr damit umgegangen?

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6 Einträge zu „Hört der Kummer denn nie auf?

  • Ich habe mein Kind auch einmal zuhause gelassen als es partout nicht in die Kita wollte. Für einen Tag. Ich habe ihm auch gesagt, dass es am nächsten Tag wieder hin muss. Danach ging es wieder gut, für eine ganze Weile. Nach dem Wechsel in den Elementarbereich war gar nichts mehr gut. Mein Kind hat über Wochen gezeigt, dass es nicht in der Kita sein will. Wenn das bei Euch über längere Zeit so sein sollte, würde ich auf mein Kind hören. Erst als ich mein Kind in eine neue Kita getan habe, war es wieder fröhlich. Aber bei uns war es so extrem, dass mein Kind auf die Frage „Wie war Dein Tag?“ wochenlang geschrien hat, es will nicht über die Kita sprechen. Außerdem hat es beim Abholen immer an der Tür gewartet und die anderen Kinder haben mir erzählt, dass es viel geweint hat. Also, ich würde mir das ein paar Wochen ansehen, mit den Erziehern sprechen und sie bitten, Dein Kind gezielt mit anderen Kindern zusammenzubringen und dann wird es vielleicht bald besser. Am Umgang der Erzieher mit dieser Situation wirst Du sowieso über kurz oder lang merken, ob sie gut sind. Ich drücke die Daumen, dass es bald besser wird.

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    • Danke dir für deine lieben Worte.
      Bei uns hielt es ca. eine Woche an und ging dann wieder. Gott sei Dank, denn ich hätte für mehr wohl keine Kraft gehabt.
      Du hast vollkommen Recht – mal so ne Phase kann vollkommen normal sein wenn das aber mehrere Wochen anhält sollte man genauer hinschauen womit das ganze zusammenhängt.

      Ich hoffe einfach das es bei uns wirklich nur bei der kurzen Phase bleibt und wir nun Ruhe haben.

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  • Wir haben immer mal wieder solche Phasen. Die Große hat auch immer noch nicht so richtig Freunde gefunden. Für sie ist dann alles gut, wenn die Bezugserzieherin da ist, ohne ist es auch nach einem Jahr noch ab und an schwierig. Und dabei ist das Personal echt nett und zugewandt und die Gruppe nicht sehr groß und alle für Anregungen zugänglich (und Knäckebrot gibt es für die Kinder, die nicht gut essen auch)

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    • Hey Kathi,
      sorry irgendwie ist dein Kommentar bei mir untergegangen.
      Ja solche Phasen gehören wohl immer mal dazu – aber wirklich diese Aussage und wie er es sagte war etwas irritierend.
      Mittlerweile haben wir die Phase auch wieder hinter uns und er geht wieder ganz normal in die Kita.
      Ich hoffe wir durchleben so eine Phase nicht mehr all zu oft 🙂
      Was die Zugänglichkeit der Kita an geht, so hat sich meine Befürchtung Bewahrheitet. Zum Snack kein Knäckebrot.

      Grüße
      Mutterstiefchen

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