Halbzeit – Schwangerschaftswoche 21

Willkommen in der 21. Schwangerschaftswoche und damit ist (voraussichtlich) die Halbzeit erreicht. Über die ersten 12 Wochen habe ich ja bereits berichtet und eigentlich sollte danach ja alles besser werden. So zumindest die Theorie.

Jedes Buch oder jeder Newsletter gratulierte zum 4. Monat mit ungefähr dem gleichen Tenor „Kritische Zeit überstanden und wenn Sie unter Übelkeit leiden, dann sollte das jetzt besser werden“.

4. Monat und kein Ende in Sicht

Tja ja diese lieben Ratgeber – keine Ahnung aus welcher Studie die diese Informationen nehmen, aber Anfang 13. Woche begann meine Übelkeit mit einem erneuten Höhepunkt. 2 Tage nur am Brechen, also von einer Verbesserung konnte man hier ja überhaupt nicht sprechen. Die Übelkeit ging also weiter und das noch den kompletten 4. Monat.

Die Newsletter von verschiedenen Anbietern versicherten mir alle nach und nach es müsse jetzt aufhören, aber ich kannte das ja schon aus der ersten Schwangerschaft. Auch damals legte ich alle Hoffnungen auf die 12. Schwangerschaftswoche. Als ich damals dann in Bücher las, dass es in manchen Fällen auch bis zur 14. Schwangerschaftswoche dauern kann – legte ich meine Hoffnung erneut auf diese Woche. Damals wurde ich „enttäuscht“ und auch dieses mal vergingen die Wochen und die Übelkeit blieb.

Von den Newslettern lies ich mich zwar nicht mehr verunsichern, ärgerte mich aber dass es vielleicht vielen anderen Schwangeren ähnlich ging wie mir. Warten auf eine bestimmte Woche um endlich nicht mehr von dieser Übelkeit geplagt zu werden und dann doch enttäuscht zu werden. Jede Schwangerschaft ist halt anders und sehr individuell.

Die Übelkeit zog sich noch durch den ganzen 4. Monat. Doch es blieb nicht immer bei der Übelkeit, dass Erbrechen in der 13. Woche blieb zwar Höhepunkt aber brechen musste ich trotzdem noch öfter. Das Essen ging mittlerweile zwar besser aber Trinken war immer noch nicht möglich. Jeder Schluck eine Qual und dennoch zwang ich mich zum trinken. Wenn ich nicht unter Übelkeit und Erbrechen litt, neigte ich am Abend zu Magenschmerzen. Manchmal so starke Magenschmerzen, dass ich auch einfach nichts mehr essen geschweige denn trinken konnte.

5. Monat und die Kugel wächst

So langsam gewöhnte ich mich an die Übelkeit. Bereits zum Ende des 4. Monats musste ich nicht mehr brechen was sich im 5. Monat auch nicht mehr änderte – mit einer kleinen Ausnahme: Magen Darm. Tja da bricht man nicht mehr aufgrund der Hormone und freut sich darüber, da macht einem Murphy wieder ein Strich durch die Rechnung. Es hielt 3 Tage, davon musste ich erneut 2 Tage heftig brechen. Ich war so froh als dies endlich ein Ende hatte.

Auch meine Kreislauf Probleme schienen sich endlich zu bessern. Mein Blutdruck stabilisierte sich und machte nicht mehr Sprünge von 80/50 auf 160/100. Allerdings neigte ich dazu zu Unterzuckern und wenn ich mich dann noch in stark beheizten Räumen aufhielt, konnte mir schon mal Schwarz vor Augen werden. So passierte es mir einmal in einem Möbelfachgeschäft: Ich hatte wenig gefrühstückt und dieses lag auch schon 2 Stunden zurück. Wir besuchten ein großes Möbelgeschäft und wollten uns einfach mal umschauen. Obwohl ich nur im T-Shirt begleitet war, empfand ich es als sehr heiß und stickig da drin.

Während ich mir ein paar Kinderwägen anschaute, fand Mini einen Mähdrescher den er gern kaufen wollte. Gesagt, getan. Ok nicht ganz so einfach, denn an der Kasse war die Hölle los. Nach 30 Minuten stehen sackte mein Kreislauf Stück für Stück zusammen. Ich merkte wie mir langsam schwindelig wurde. Mit Mini als Hilfe steuerte ich eine Couch an und setzte mich um nicht zusammenzubrechen, meinen Mann ließ ich allein an der Kasse zurück. Der arme Kerl wartete insgesamt 45 Minuten an der Kasse um ein 4 Euro teurer Mähdrescher zu kaufen.

Aber auch das legte sich, als ich lernte regelmäßig zu essen und zwar bevor ich Hunger bekam. Wenn der Magen erst knurrte und ich hungrig war, war ein Schwindelanfall nicht weit weg. Traubenzucker oder Schokolade half zwar für den Moment aber eben nur für einen kurzen Moment. Erschreckend war der Bauch, dieser wurde gefühlt viel schneller kugelig als in der ersten Schwangerschaft. Bereits Anfang des 4. Monats sah ich aus, als wenn ich ne kleine Melone verschluckt hatte. Das zog sich natürlich so weiter und so kugelte ich im 5. Monat schon ziemlich rum und die meisten Klamotten waren recht eng.

In der ersten Schwangerschaft schaffte ich es sehr lang mit meinen normalen Hosen die Zeit zu überbrücken. Ich ließ einfach die Knöpfe auf – bzw. holte mir so einen Gummizug der die Hose dann zu hielt, in dieser Schwangerschaft war das nicht denkbar. Zumal jeder Druck auf den Magen sehr unangenehm war.

Die Übelkeit verabschiedete sich schlussendlich in der 19. Schwangerschaftswoche. Ab und zu blieben die Magenschmerzen und das Trinken war an manchen Tagen immer noch schwierig aber grundsätzlich ging es mir (vor allem im Vergleich zum Anfang) blendend. Was blieb war die Müdigkeit und Erschöpfung. Spaziergänge von 1-2 Stunden raubten mir alle Kraft. Auch hier wird ja gern davon gesprochen, dass man nun vor Energie strotzt und die schönste Zeit der Schwangerschaft erlebt. Dies blieb mir auch vergönnt. Ich schlief zum Teil um 20 Uhr mit Mini im Bett ein und stand nicht mehr bis zum nächsten Morgen auf.

Größere Einkäufe oder längere Erledigungen waren bzw. sind für mich reine Anstrengung. Viel blieb und bleibt immer noch an meinem Mann hängen. Ich bin froh, dass er dies auch mit Selbstverständlichkeit übernimmt. Meine Vollzeit raubt mir da einfach ziemlich viel Energie und ich kann den Mutterschutz schon kaum erwarten. Zusätzlich zu der langen Arbeitszeit kommt das lange sitzen, dass mich belastet. Neben Ischias und Steißbeinschmerzen gesellen sich nun seit Ende des 5. Monats noch die Symphyseschmerzen hinzu.

Was man halt eben so braucht. Tagsüber schmerzt der Steiß beim Sitzen, beim Laufen die Symphyse, wenn ich mich dann Abends auf der Couch lang mache schmerzt der Ischias beim Versuch die Position zu ändern oder aufzustehen. Mein Mann überlegt schon zur Hilfe einen Lastenkran aufzubauen 😉 ich fürchte allerdings, dass dies auch nicht helfen würde. Ein Ansatz zur Hilfe soll Tapen sein, hier muss ich mir noch eine Anlaufstelle suchen.

Emotionen und Gefühle

Wie wahrscheinlich jede Schwangere durchlebe ich absolutes Chaos an Gefühlen. Sentimental ist quasi mein zweiter Vorname. Viele Emotionen beziehen sich aber dieses mal auf das Kind selber. Mal voller Freude auf das Baby, mal voller Angst um das Baby und oder Sorge es mit zwei Kindern nicht zu schaffen.

Am schlimmsten fand ich dabei aber die Sorge um das Baby. Ohne Grund und Veranlassung wollte die Angst um das Baby nicht aufhören. Die Freude wurde durch die Ängste oft getrübt. Jede weitere Untersuchung beim Arzt beruhigte mich mehr und so langsam hat die Freude die Angst überholt und steht im Vordergrund. Leider geht die Angst aber nicht komplett weg, da ich auch leider nicht den Ursprung dieser Ängste ausmachen kann ist es schwer diese abzustellen. Wahrscheinlich hat man als Mutter aber auch immer etwas Angst um seine Kinder.

Die 20. Woche endet mit einer „Offenbarung“

Die letzte Untersuchung ist noch gar nicht so lang her, erst ein paar Tage und wie immer erschienen wir als Familie. Mann und Mini immer an meiner Seite. Es stand das große Screening an – alle Organe checken usw. 22cm und knapp 300 Gramm und alles im Grünen. Neben Hirn und Herz haben wir auch etwas kleines zwischen den Beinen entdecken können. Wir bekommen also einen Jungen. Vor diesem Moment hatte ich etwas „Angst“.

Bereits seit Monaten vor der Schwangerschaft erzählte Mini, dass er eine Schwester bekommt. Als ich dann wirklich schwanger war, war für ihn daher sofort klar es wird ein Mädchen. Er hatte sogar schon einen Namen. Auf Fragen wie „Was ist wenn es ein Junge wird?“ antwortete er ganz schnell und einfach „Dann bin ich ganz doll traurig“. Damit stand er nicht allein da, auch meine Schwiegermutter wünschte sich bereits zu ihrer zweiten Schwangerschaft ein Mädchen. Auch sie bekam als zweites Jungs. Auch jetzt würde ihr Wunsch nach einem weiblichen Baby in der Familie nicht erfüllt werden. Von den beiden abgesehen, so war es auch der Wunsch von meinem Mann und mir.

Ich wünschte mir schon immer ein Pärchen, sprich einen Jungen und ein Mädchen. In welcher Konstellation wäre mir dabei egal. Also ob erst Mädchen oder erst Junge war mir dabei egal. Ich wollte einfach mal „beides“ kennenlernen. Mein Wunsch und die Wünsche der anderen setzte mich irgendwie unter Druck, obwohl genau das eigentlich totaler Blödsinn ist. Das Geschlecht des Kindes ist das letzte was man in irgendeiner Form beeinflussen kann, dass Kind entscheidet dies wohl als einzige oder Karma oder Schicksal oder wer auch immer 🙂

Als wir den Frauenarzt verließen war meine Stimmung bedrückt. Ich sagte mir selber es sei totaler Blödsinn. Das Kind war schließlich gesund, es war gut gewachsen, es bewegte sich und die Ärztin war zufrieden. Mein wichtigster Wunsch schien doch in Erfüllung zu gehen, ein zweites gesundes Kind. Dennoch ich trauerte ein wenig. Ich verabschiedete mich an dem Abend von kleinen süßen Röckchen und Kleidern. Treffen mit Prinzessinnen, Trauer über verflossene Lieben mit Eis und irgendeinem Film im TV.

Es schlugen in diesem Moment einfach zwei Herzen in meiner Brust, dass eine was sich einfach tierisch über das gesunde Baby in meinem Bauch freute und ein zweites das traurig war. Als Mini mitbekam, dass ich traurig war wollte er wissen warum. Diese Situation wollte ich eigentlich vermeiden, schließlich wollte ich ja nicht dass er hört ich sei traurig darüber dass es ein Junge wird. Dennoch erklärten wir es ihm, so gut es eben ging. Obwohl Mini mit beim Arzt war verstand er erst jetzt so richtig, dass er nicht seine gewünschte Schwester sondern einen Bruder bekommen würde und fing bitterlich an zu weinen. Wir beruhigten ihn und wollten die Situation erstmal retten, also schlugen wir vor beim nächsten Termin die Ärztin noch einmal ganz genau schauen zu lassen.

Wir vertagten das Thema mit ihm erst einmal und ich musste ein paar Tränen bei mir trocknen. Mit dieser heftigen Reaktion von ihm hatte ich nicht gerechnet. Ich „trauerte“ an dem Abend und das brauchte ich auch. Ich zog mich zurück und ordnete meine Gefühle. Nicht alle Wünsche gehen halt in Erfüllung und hey eine reine Jungsmama zu sein ist doch auch gar nicht so übel oder 😉

Ich liebe das Baby egal ob Junge oder Mädchen und ich hoffe das kleine Wesen in meinem Bäuchlein verzeiht mir, dass ich kurz traurig darüber war keine „Prinzessin“ zu bekommen. Bereits einen Tag nach der Offenbarung eine Jungsmama zu bleiben änderte ich alle Wunschzettel von „Rosa“ auf „Blau“ (sinnbildlich gesprochen).

Und das war der Startschuss für den Nestbautrieb. Die ersten Warenkörbe sind schon voll gepackt und warten auf das Absenden der Bestellung. Das Babybay und der Kindersitz sind bereits auf dem Weg zu uns (waren gerade im Angebot) und wir sind auf der Suche nach einem Namen.

Das Gespräch haben wir mit Mini auch noch mal geführt und so langsam „akzeptiert“ er es. Er hilft uns nun ganz fleißig bei der Namenssuche – sein Vorschlag lautet „Jonas Pups“, ich befürchte allerdings darüber müssen wir noch einmal mit ihm reden. Wenn er gefragt wird „Was wird es denn?“ antwortet er zwar etwas genervt „Es wird ein Junge“ aber ich glaub auch er freut sich auf sein Brüderchen und die gemeinsame Zeit wenn das Baby und ich Zuhause sind.

Kindsbewegung

Nach diesen vielen Worten zum Thema Geschlecht braucht der Beitrag ein ganz positives Ende voller Liebe und positive Energie. Der 5. Monat brachte auch endlich für mich spürbare Kindsbewegungen. Erst ganz sanft und selten und seit neustem ziemlich deutlich spürbar.

Meist wenn ich ins Bett gehe und schlafen will, dann wird heftig Party im Bauch gemacht. In diesem Sinne freu ich mich auf die nächsten Wochen und bin gespannt wann das Baby unser Leben endlich bereichern wird.

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3 thoughts on “Halbzeit – Schwangerschaftswoche 21

  • Ich hatte auch Sorge vor dieser Enttäuschung beim Ultraschall. Darum habe ich mich bei der ersten Schwangerschaft überraschen lassen. Ich dachte, wenn er (da war ich mir total sicher) mir auf den Bauch gelegt wird, dann ist da nur Freude. Tja, meine Hebamme sagte dann: schau mal nach und dann war es doch ein Mädchen. In dem Moment war es mir aber echt total egal. Aber ja, man darf da enttäuscht sein. Das heißt nicht, dass man das Baby weniger liebt, wahrlich nicht.

    Gefällt 1 Person

    • Ich glaub es kamen einfach ne Menge Faktoren zusammen. Der Wunsch nach einem Mädchen, die Angst Mini zu enttäuschen und auch das falsch liegen. Ich dachte ja auch am
      Anfang es wird ein Mädchen. Aber bereits seit ein paar Wochen machte sich immer mehr so ein „es wird ein Junge“ Gefühl breit. Es dann bestätigt zu hören war dann halt so endgültig. Aber irgendwie fühle ich mich seit dem, bzw. nach dem „trauern“ viel leichter und kann mich jetzt noch mehr drauf freuen ☺️
      Ich denke auch, wenn das Baby erstmal da ist-gesund und munter auf die liegt dann ist alles andere auch egal 😍

      Gefällt 1 Person

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