Funtktionsmodus – oder auch Mutterschaftsurlaub

Seit Wochen ist in meinem Leben nichts mehr normal und seit Wochen möchte ich darüber bloggen und finde weder Zeit noch Lust. Aber heute war einer dieser Tage an dem der Frust einfach mal raus muss.

Ich warne gleich vor: Es könnte ein MIMIMIMI Beitrag werden, der auch etwas konfus ist da ich meinen Gedanken einfach mal freien Lauf lasse. Es wird auch nicht ausschließlich um meine Schwangerschaft gehen, sondern auch um die Krankheit meiner Mutter. Daher spreche ich eine Triggerwarnung für Krebs aus.

Mutterschaftsurlaub

Gott was habe ich mich drauf gefreut? 6 Wochen vor Entbindung endlich freigestellt werden, Zeit mit Mini genießen, die Beine hoch legen, entspannen und auf die Geburt vorbereiten. Es war so ein schöner Traum. Mein letzter Mutterschaftsurlaub lief schließlich fast genau so ab. Entspannen auf dem Balkon, hier und da was für das Baby vorbereiten, ganz entspannt auf die Entbindung warten und das Leben und die Freizeit genießen.

Das es dieses Mal nicht ganz so sein würde, war mir natürlich bewusst. Schließlich bekomme ich jetzt mein zweites Kind und muss mich daher auch noch um Mini kümmern. Aber das es so kommen würde…

Mutterschaftsurlaub ist eine Bezeichnung für die Beschäftigungsverbote für Frauen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Entbindung. Die Bezeichnung „Urlaub“ ist in diesem Zusammenhang insofern irreführend, als dass die Beschäftigungsverbote nicht der Freistellung der Beschäftigten von der Arbeit dienen, um ihnen bestimmte andere Tätigkeiten (Erholung, Kindererziehung, Fortbildung etc.) zu ermöglichen. Ziel ist vielmehr die Abwehr von Gefahren, die der (werdenden) Mutter bei Weiterbeschäftigung drohen würden.

Quelle: http://www.wikipedia.de

Ja ja ok man soll sich nicht Erholen und auch nicht die Zeit mit dem ersten Kind nutzen, aber man soll Gefahren für das Baby und die Mutter abwenden. Streß zum Beispiel, körperliche Anstrengung, Mentale Belastung solche Dinge – behaupte ich jetzt einfach mal.

Und genau dort befinde ich mich. In einer mentalen super anstrengenden Phase mit einer Menge To Do´s die mit Undankbarkeit belohnt werden.

Wo Anfangen und wo aufhören

Bereits vor meinem Mutterschaftsurlaub ging es bei uns turbulent zu. Die Schwangerschaft nahm mich ziemlich mit, ich wurde ständig krank und einiges andere machte mir auch zu schaffen. Ich fühlte mich absolut nicht wohl. Ängste die ich aus der ersten Schwangerschaft gar nicht kannte, waren auf einmal da und wollten nicht mehr gehen. Ängste das Baby zu verlieren, eine Krankheit beim Baby, aber auch Angst und die Bindung zwischen Mini und mir. Den Verlust dieser Bindung und am schlimmsten die Angst davor alles nicht mehr zu schaffen und keiner Aufgabe so richtig recht zu werden.

Ich schlief schlecht, träumte mies und war unausgeglichen. Egal was ich versuchte irgendwie war ich mit mir nicht zufrieden. Dann fiel auch noch mein Mann aus, er musste aufgrund einer Erkrankung für eine Woche ins Krankenhaus und auch danach hieß es erst einmal Bettruhe. Ich wusste emotional nicht mehr vor und zurück. Ich weinte, aber nicht weil es meinem Mann schlecht ging, ich weinte weil meine „Haushaltshilfe“ meine „größte Stütze“ weg fiel und ich nicht wusste wie ich die Tage überstehen sollte. Diese Gefühle erweckten aber netterweise auch noch ein schlechtes Gewissen bei mir. Schließlich sollte ich mich lieber um meinen Mann sorgen… Und das alles Schwanger, wo die Hormone eh schon verrückt spielen…

Kaum hatten wir uns davon erholt, holte uns schon der nächste Rückschlag ein. Meine Mutter lag wieder im Krankenhaus. Der Krebs war zurück, größer und heftiger als zuvor. Es musste schnell gehandelt werden. Die alternativen klar: Entweder OP oder in etwa zwei Wochen ins Hospiz. Ich hatte mich bereits letztes Jahr damit abgefunden, dass der Krebs irgendwann wieder kommen würde die Diagnose erschrak mich daher nicht wirklich, aber ich war unvorbereitet das es so plötzlich kam. Ich hatte mehr „Vorzeichen“ erwartet.

Meine Mutter entschied sich für die Operation und überstand diese auch, allerdings nicht so unbeschadet wie beim letzten Mal. Und wieder stand die Welt Kopf. Der Garten meiner Mutter „gehörte“ damit über Nacht uns. Weitere Schritte mussten geplant und vorbereitet werden… Eine Heimkehr in ihre alte Wohnung war undenkbar, meine Mutter war nun ein Pflegefall. Linksseitig fast komplett gelähmt ist eine Wohnung im ersten Stock ohne Fahrstuhl nicht machbar. Davon mal abgesehen, dass eine mobile Krankenpflege hier nicht mehr ausreicht.

Umschalten auf „Funktionieren“

Obwohl ich eins von drei Kindern bin, blieb  das meiste an mir hängen. Meine Geschwister wohnen alle nicht gerade um die Ecke, haben damit einen langen Anfahrtsweg und ein herkommen ist aus verschiedenen Gründen auch nicht immer möglich. So fuhr ich jeden Tag ins Krankenhaus und wenn ich es nicht schaffte (zum Beispiel als sie noch auf der Intensivstation lag) dann fuhr mein Mann hin. Wir führten Gespräche mit Ärzten, sozialen Diensten und untereinander. Schnell kristallisierte sich raus, dass ein Pflegeheim die einzige Option ist.

Jeden Tag stand irgendwas anderes an. Nicht nur in Bezug auf meine Mutter, da gab es ja noch Mini und das Baby. Ach ja das Baby genau – das sollte schließlich in wenigen Wochen kommen. Alles rückte in den Hintergrund und ich konnte mir keine Gefühle mehr „erlauben“. Ich musste einfach funktionieren. Irgendwie. Die Arbeit macht sich schließlich nicht von selbst. Auch Mini rutsche zwangsläufig etwas in den Hintergrund, was er natürlich nicht sehr gut verkraftete. Wer will ihm das auch verübeln.

Emotionen erlaubte ich mir meist nur im Auto, wenn ich allein war. Ich versuchte aber das weinen zu unterdrücken, macht ja eh nur Kopfschmerzen und hilft nicht weiter. Irgendwann war ich vollständig im „Funktionieren“-Modus drin. Emotionslos erledigte ich alle Aufgaben und brachte den Tag irgendwie hinter mich. Abends lag ich entweder so kaputt im Bett das ich einschlief bevor meine Gedanken und Sorgen kamen oder ich lag ewig wach weil mein Kopf mich über 1000 Dinge informieren wollte.

Hilfe und Vorwürfe

In der Regel klappte der Modus in dem ich mich befand recht gut. Ich erledigte alles Gewissenhaft und war erstaunt wie viel Menschen mir halfen. Ganz vorne natürlich mein Mann, der so gut es ging erledigte was er eben erledigen konnte. Aber auch fremde Menschen erwiesen sich als sehr nett und hilfreich. Ich erhielt viel Zuspruch und auch Tipps wie ich etwas schneller erledigen kann.

Gerade vom Pflegeheim und vom Sozialamt erhielt ich aufmunterndes Feedback. Obwohl mich das beides am meisten Kraft/Energie kostete. Am wenigsten Rückhalt erhielt ich von meiner Mutter, vielleicht kann man ihr das auch nicht verübeln, aber ihre Vorwürfe waren das letzte was ich brauchte.

Jeder der sie nicht so gut kennt wird vielleicht sagen, dass der Hirntumor eine Wesensveränderung mit ihr vollzogen hat. Ich würde es aber anders beschreiben. Kennt ihr das wenn Menschen betrunken sind und ihre Emotionen nicht mehr kontrollieren können? Manche weinen, werden aggressiv oder sagen eben ihre ehrliche Meinung. Genau das ist nun so bei meiner Mutter. Sie weint viel, sie wird aber auch gerne mal sauer wenn sie nicht bekommt was sie will und sie sagt was sie denkt. Und was sie denkt ist nicht positiv. Warum ich das so sehe und nicht so wie andere? Weil meine Mutter das schon früher bei mir hat durchblicken lassen, nur nicht so oft wie jetzt.

Mental war es eine harte Zeit für mich. Ständig selber nicht mit sich zufrieden zu sein, wirklich schwierige Entscheidungen treffen zu müssen und vieles wichtiges zu vernachlässigen machte mich wirklich emotional fertig. Ich weiß dieser Text wird es wahrscheinlich nicht mal Ansatzweise rüberbringen, aber glaubt mir einfach wenn ich euch sage die letzten Wochen waren sehr anstrengend für mich.

Da war doch was?

Während ich also den Umzug meiner Mutter von Klinik in Pflegeheim organisierte, vergass ich fast was ganz wichtiges: das Baby und die Geburt. Diese rücken nämlich fleißig näher. Mein emotionaler Zustand machte mir Sorgen. Würde ich es schaffen eine Geburt zu überstehen und viel wichtiger würde ich es schaffen danach nicht in ein Loch zu fallen? Schließlich waren da ja noch meine ganzen Ängste von vorher, die jetzt einfach unterdrückt irgendwo lagen.

Ich suchte also meine Hebamme auf und sprach etwas mit ihr über meine Situation. Sie baute mich auf. Mir tat das Gespräch gut und ich fasste neuen Mut. Auch mit meiner Frauenärztin suchte ich das Gespräch und alle sprachen mir Mut und Kraft zu. Am wichtigsten waren wohl die Sätze „Lassen sie sich kein schlechtes Gewissen machen“ und „Da ist jemand der braucht sie bald ganz dringend“. Langsam machen, nicht überanstrengen und einfach auch mal Zeit für das Baby und mich nehmen – so lauteten die Empfehlungen.

Leichter gesagt als getan, denn es gibt eben einfach viel zu tun. Ich setzte mir eine Deadline. Bis dahin würde ich noch Sachen erledigen und danach wäre ich raus aus der Sache… Die Deadline war übrigens jetzt am Montag und ich bin immer noch nicht „raus aus der Sache“. Es lichtet sich zwar langsam alles aber gerade die Wohnungsauflösung ist ein schwieriges Thema.

Ebay Kleinanzeigen und meine Nerven

Meine Mutter hat keine teuren und luxuriösen Möbel. Aber durch aus noch Sachen die gut in Schuss sind und den ein oder anderen glücklich machen. Etwas Geld für die zu tragenden Kosten schadet ja auch nicht. Also was macht man am besten? Genau die Sachen versuchen zu verkaufen.

Ich bin ja eh ein absoluter Ebay-Hasser. Bei 5 Auktionen geht bei mir bei einer mindestens irgendwas schief. Gut nun wollten wir die Sachen ja nicht als Auktion anbieten, sondern bei Kleinanzeigen. Spart hoffentlich nerven und auch Geld (keine Gebühren). Aber Leute ehrlich. Ich hab in letzter Zeit mit vielen Ämtern, Ärzten und sozialen Diensten Kontakt gehabt und nichts war so nervenaufreibend wie diese Kleinanzeigen.

Da bekommst du Anfragen von Menschen die scheinbar nicht lesen können, denn sie fragen Sachen die im Text stehen. Dann verhandeln sie den Preis nach (was ok ist), sagen sie kommen vorbei um dann zu entscheiden „Ach ne doch nicht, passt doch nicht rein“ oder „Was ist der letzte Preis“. Öhm wofür haben wir uns denn per Nachricht ausgetauscht?

Heute war so einer dieser Tage. Die letzten Tage habe ich Preisverhandlungen für einen Schrank und eine Couch geführt. Ich habe es eingerichtet heute Mittag in der Wohnung für die Abholung zu sein und dann kommt die Person und was ist? Ne also die Couch wird dann doch zu groß und den Schrank nehme ich nur wenn du mir im Preis entgegen kommst (noch mal) ACH JA und abbauen heute – ne ist nicht.

Liebe Menschen da draussen, mein Leben besteht (vor allem im Moment) nicht aus Zeit die ich dafür nutze um euch das Leben schön zu machen. Ich habe 2 Stunden damit verbracht den Schrank auszuräumen, obwohl Tragen und bücken gerade nicht meine stärke sind. Ich habe meinen Tag den ich eigentlich frei halten wollte um etwas zu entspannen, für euch geopfert und WOFÜR? FÜR NICHTS. Während ich heute morgen noch dachte, die Wohnung wird heute Abend ein gutes Stück leerer sein, war alles was leer war ich. Ich war sauer, traurig, wütend und hatte einfach keinen Bock mehr. Aus Prinzip könnte ich alles einfach auf den Sperrmüll werfen.

Ich weiß auch immer noch nicht so recht ob ich das nicht einfach machen soll… Wenn das liebe Geld nicht wäre, denn wer weiß was noch auf uns zu kommt und da kann man doch jeden Cent gebrauchen. Dennoch ich setzte mich einfach ins Auto und fuhr nach Hause. Wenigstens noch ein bisschen ausruhen. Zuhause brachen alle Emotionen auf mich ein und ich weinte einfach. Ich kann nicht mal genau sagen wieso. Ich fand den Tag einfach scheiße.

Die Nacht war mies, meine Hände schmerzen von den Wassereinlagerungen, Erledigungen die geplant waren konnten nicht erledigt werden und ich schaffte es nach der ganzen Anstrengung nur mit Mühe und Not überhaupt aus dem Auto auszusteigen. Ich war fertig und eigentlich bin ich es immer noch. Fertig für heute und den Rest des Jahres.

Geburt und Baby

In stillen Momenten frage ich mich immer ob ich die Geburt schaffen werde, woher ich die Kraft nehmen soll um das Baby aus mir zu pressen. Ich Frage mich wie ich es mit zwei Kindern und einer Mutter im Pflegeheim wuppen soll, wo ich jetzt schon völlig erschöpft bin.

Mir fehlt Zeit, Energie, Kraft und manchmal auch etwas der Mut das alles durchzustehen und habe Angst, dass das wichtigste auf der Welt zu kurz kommt. Meine Kinder. Nach errechnetem Geburtstermin habe ich „noch“ 2 Wochen bis wir zu viert sind. Das ist nicht mehr lang und ich bette und bitte jeden Tag, dass Knopf nicht früher kommen will. Über das Wochenbett will ich mir erst gar keine Gedanken machen. Ich hoffe einfach schnell wieder fit zu werden.

Aber fit wofür? Eigentlich für meine Kinder, aber die letzten Wochen haben mir gezeigt: Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Übrigens, ich hab noch immer keine Kliniktasche gepackt. Ich glaub das sollte ich so langsam mal in Angriff nehmen.

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5 thoughts on “Funtktionsmodus – oder auch Mutterschaftsurlaub

    • Dankeschön.

      Soweit ich weiß gibt es in Rüsselsheim (relativ nah bei uns) auch Möglichkeiten die Möbel abzugeben und sozusagen zu spenden. Aber na ja sagen wir es mal so: dann müssten wir es ja abbauen und genau das wollen wir ja eigentlich umgehen… Also wenn andere die Arbeit für uns machen, umso besser – wir haben noch genug davon.

      Es sind kleine Probleme und zum Teil auch wirklich „Luxusprobleme“ aber in der Gesamtsituation ist es einfach nur zum aus der Haut fahren.

      Kann nur besser werden :-/

      Gefällt 1 Person

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