Vom Stillen und Blockaden

Was eine Woche – eine verdammt anstrengende Woche. Es kamen so viele Faktoren zusammen und meine Kraftreserven wurden ganz schön gefordert. Dabei dachte ich nicht mal das ich noch welche habe. in der Woche wurden viele Tränen vergossen, nicht nur bei Knopf sondern auch bei mir.

Es sollte soweit kommen, dass ich mit schreienden Baby auf dem Arm mitten in unserem Wohnort stehe und weine. Wir beide weinten. Doch wie konnte es soweit kommen? Es fing alles ganz harmlose vor knapp zwei Wochen an.

Ist bestimmt nur ein Schub

Es war ein Freitag und ich merkte, dass Knopf etwas anhänglicher wurde. Es wurde weniger geschlafen, mehr Mama gefordert und trotzdem mehr gequengelt. Tragetuch war mal wieder Blöd, auf dem Arm sowieso und am besten war es mit Mama im Bett an der Brust. Es schien also als kündigte sich ein nächster Schub an.

Kurz mal die App gecheckt und ja es kommt hin. Schub Nummer 3 mit ca. einer Dauer von einer Woche. Ok Erklärung gefunden, weiter machen. Wir überstanden das Wochenende mit viel kuscheln und tragen. Das Tragetuch wurde aber immer mehr abgelehnt und auch das Tragen wurde schwieriger. Ich hatte keine Ahnung was los war und schob es nach wie vor auf den Schub.

Die Probleme mit Knopf steigerten sich immer mehr. Es gelang mir nicht mehr ihn im Sitzen zu stillen. Sobald er in die Liegeposition gebracht wurde fing er an zu schreien und lies sich nicht beruhigen. Egal was ich versuchte ich scheiterte. Selbst im laufen zu stillen gelang nicht. Knopf schrie einfach in die Brust und lies sich nicht beirren. Oft konnte ich ihn dann beruhigen, wenn ich mich ins Schlafzimmer begab und ihn dann im Bett stillte.

Doch wenn er sich erst einmal richtig eingebrüllt hatte, dann gab es keine Möglichkeit der Beruhigung mehr. Es blieb mir nichts anderes übrig als ihn auf den Arm zu halten, Schlaflieder zu singen und zu hoffen, dass er sich gleich beruhigen würde. Meist schlief er dann vor Erschöpfung ein, machte einen Power Nap von 30 Minuten und lies ein stillen danach zu – im Liegen.

Es schien als würde es von Tag zu Tag schlimmer werden. Am Mittwoch verbrachten wir den Nachmittag im Garten und ich versuchte dort mein Glück ihn zu stillen. Es gelang mir nur mit viel viel Geduld, im liegen und nach einem kurzen Power Nap. Das kannten wir ja nun. Doch auf dem Heimweg dann nur Geschrei. Er verweigerte im Auto die Brust, war bestimmt hungrig und müde und schrie ohne Ende. Zuhause angekommen packte ich mir das kleine schluchzende etwas ging schnellstmöglich hoch und stillte ihm im liegen. Es war eine absolute Qual. Ich war verzweifelt und wirklich erledigt. Ich schrieb meiner Hebamme die aber die Woche leider keine Zeit hatte.

Da meine Mutter am Montag gestorben war, vermutete sie das es vielleicht auch einfach mit dem Streß und meinem mentalen Zustand zu tun haben könnte. Sie bat mir an zu telefonieren. Ich lehnte erst einmal ab und hoffte auf die U4 die wir am Donnerstag haben sollten.

Streß und Blockaden

Ich sehnte den U Termin herbei und hoffte auf Hilfe durch den Kinderarzt. Ich weiß nicht wie ich es schaffte, aber kurz vor der Untersuchung gelang es mir endlich Knopf zu stillen. Wir waren bereits 1,5 Stunden unterwegs und er war sehr quengelig (da hungrig) und verweigerte bisher vehement das Stillen.

Nun kam also der Doc rein und fand ein schlafendes Baby in meinen Armen. Er startete also erst einmal mit etwas SmallTalk. Wie es denn so laufen würde – und ich entgegnete ihm den vollen Frust des Stillens. Es würde einfach nicht mehr klappen, nur im liegen – es wird viel geweint, keine Ahnung was los ist. Ich erzählte von den verschiedenen Beobachtungen die ich gemacht hatte und er fragte mich zu gewissen Situationen. Nun war ich ja bereits vor ein paar Wochen beim Ostepathen, da Knopf im liegen immer stark überstreckt (er ging in eine C-Haltung) und schon damals war der Arzt sich nicht sicher ob Osteopathie reichen würde.

Knopf, der mittlerweile wach war, wurde nun untersucht und der Arzt sah wieder eine Dysbalance. Wenn man es nicht gesehen hat, ist es schwer zu beschreiben. Sagen wir mal so, während die eine Seite tut was sie tun soll – macht die andere Seite nichts bzw. nur kaum was. Es muss wohl Physik Therapie her. Damit mir aber schnell geholfen wird, bot der Arzt mir einen Osteopathen Termin an.

Normalerweise fahre ich in eine andere Praxis zur Behandlung. Mittlerweile hat aber mein Kinderarzt eine Kooperation mit einem Ostepathen der für Termine einmal die Woche in die Kinderarztpraxis kommt. Und genau heute war dieser Tag und es war noch ein Termin um 12 Uhr frei. Den nehme ich – ich nehme alles Hauptsache es wird langsam besser.

Auch der Kinderarzt hielt es für möglich, dass der Streß durch die letzten Wochen und der Tod meiner Mutter ein Faktor sein kann. Daher wollte er mir nicht noch weitere Termine aufhalsen und verschob die Physio auf später. Vielleicht würde es ja reichen, zum Ostepathen zu gehen. Der Arzt war wirklich sehr einfühlsam und gab sich große Mühe. Zwischen dem U- und dem Ostepathen-Termin lagen 2,5 Stunden und ich besuchte noch eine Freundin für die Zeit. Bei ihr gelang mir das Stillen im laufen, was ein echter Erfolg für mich war. Aber ich merkte so langsam zerrte diese ganze Situation echt an meinen Nerven.

Ständig ein weinendes Baby zu haben, weil das Stillen nicht klappt war echt frustrierend. So eine Situation hatte ich in fast 3 Jahren stillen noch nie. Es fühlte sich schrecklich an und belastete mich unheimlich. Ich dachte über das abstillen nach, darüber einfach nicht mehr das Haus zu verlassen und den Knopf einfach nur noch im Bett zu stillen. Mir schwand einfach jede Hoffnung, dass es wieder klappen würde.

Der Osteopath brauchte ganze 15 Minuten und ich war mit einem weiteren Termin wieder aus der Praxis draussen. Diagnose: Blockade in der Halswirbelsäule. Warum es nach der letzten Behandlung beim Ostepathen wieder gekommen ist, keine Ahnung.

Alles wird gut – oder doch nicht?

Wir hatten also nun den vermeintlichen Grund gefunden. Knopf scheint schmerzen zu haben sobald er eben in die Stillposition gebracht wird. Sein häufiges an der Sabber verschlucken scheint auch davon zu kommen. Mit neuer Hoffnung verließ ich die Praxis und hoffte einfach auf Blitzheilung. Bereits am Samstag wurde ich eines besseren belehrt.

Ich ging zu Fuß mit Kinderwagen in die Stadt. Auf dem Rückweg schrie der arme Knopf schon wieder aus Leibeskräften. Ich suchte mir eine ruhige Bank und versuchte zu stillen. Seit dem Besuch beim Osteopathen war es mir weitere zwei bis drei Mal gelungen im stehen zu stillen. Im Auto stillen hatte ich allerdings mittlerweile aufgegeben, es war nicht mehr möglich. Knopf drehte immer seinen Kopf weg und ich kam beim besten Willen nicht mit der Brust hinter her – es führte nur zu Frust auf beiden Seiten.

Aber kommen wir zurück zur Bank. Ich setze mich und versuchte Knopf anzulegen, er schrie. Ich stand auf und lief mit nackter Brust hin und her, dabei versuchte ich Knopf zu überzeugen zu nuckeln. Ohne Erfolg. Egal was ich anstellte es gelang mir nicht. Ich bekam ihn auch auf dem Arm nicht beruhigt. Völlig Hilflos stand ich also da und fing einfach an zu weinen. Mir versagte jegliche Kraft. Ich hielt meinen müden, hungrigen Sohn auf dem Arm und weinte aus Verzweiflung.

Ich legte ihn in den Kinderwagen und trat den Heimweg an. So schnell es mir möglich war lief ich nach Hause um ihn in unserem Bett zu stillen. Bis Zuhause hielt er es gar nicht aus, er schlief bereits vorher ein. Der Ostepathen Termin hatte keine Besserung bewirkt, zumindest bis jetzt nicht. Die Blockade und die Probleme die sie mitgebracht hatte waren noch vorhanden – die Verzweiflung war groß.

Kaum war Knopf eingeschlafen rief mein Mann an und merkte sofort, dass irgendwas los war. Ich erzählte ihm was passiert war und er bot an zum DM zu fahren und Pre Nahrung zu besorgen. Das war die Idee vom Kinderarzt. Er sagte wenn gar nichts mehr geht und ich einfach mal eine Auszeit brauche, dann sollen wir einfach Pre Nahrung geben. Mein Mann und ich entschieden den restlichen Tag abzuwarten und ggf. am Abend alles für das Fläschchen zu besorgen.

Ein Power Nap später und Zuhause im Bett war das Stillen wieder ohne Probleme möglich. Es war zum Mäuse melken. Das Stillen ist mir wichtig und ich stille gern, aber nur noch im Bett stillen ist keine Option. Schließlich kann ich nicht auf ewig Zuhause bleiben. Für Sonntag war Sushi essen mit meiner Freundin geplant und mir verging die Lust auf alles. Am liebsten hätte ich mich im Schlafzimmer eingesperrt – was natürlich keine Option ist.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer

Natürlich versuchte ich immer wieder auch im Sitzen zu stillen, aber ich übertrieb es dabei nicht. War ein Versuch fehl geschlagen, so ging es direkt ins Bett. Am Samstagabend dann ein kleiner Meilenstein, es klappte. Zwar nur kurz aber egal es klappte.

Am Sonntagmorgen gingen mein Mann und ich beim Bäcker frühstücken. Mini war bei den Schwiegereltern und unser Kühlschrank leer. Wir machten uns also einen schönen Start in den Tag. Knopf stillte ich zwar Zuhause aber er bekam beim Bäcker auch noch mal Hunger. Es klappte erneut, aber nur über einen kleinen Umweg und es klappt auch heute noch. Es ist war mega Umständlich aber es klappt was mich einfach tierisch erleichtert.

Das Sushi-Essen am Abend war gerettet. Ich packte die Wickeltasche und den Knopf ein und fuhr mit meiner Freundin aus. Im Restaurant wieder gestillt und das Kind schlafend im Arm gehalten. Was eine Wohltat, auch wenn bequem essen anders aussieht – für mich ein schöner Moment seit Tagen. Ich konnte raus gehen, stillen und hatte endlich wieder ein Kind das nicht ständig vor Hunger und Müdigkeit weinte.

Mit Umwegen zum Ziel 

In den langen und tiefen Schlaf findet Knopf leider immer noch schwer bis gar nicht (tagsüber), aber meist schaffe ich es mit dem Stillen ihn zu einem Power Nap zu bekommen. Heute half irgendwie gar nichts, er war so stark übermüdet und ich war ständig unterwegs so das er ziemlich lang wach war. Völlig übermüdet half nichts als im Tragetuch ein weinendes Baby, es waren maximal zehn Minuten aber diese zehn Minuten fühlen sich immer wie 20 an.

Dennoch ich habe einen Weg gefunden Knopf wieder zu stillen, einen Umweg aber einen Weg. Anstatt Knopf erst in eine Liegeposition zu bringen und dann die Brust anzubieten muss ich nun anders vorgehen. Ganz anders und damit durch aus meine Brust den anwesenden Menschen präsentieren. Das mag mir etwas unangenehm sein, aber es ist um vieles angenehmer als ein schreiendes Baby.

Als Knopf älter war und ich noch stillte, stillte ich ihn oft auf dem Schoß sitzend. Mini saß dann breitbeinig auf einem meiner Beine – Bauch an Bauch und das Gesicht an die Brust gekuschelt. So nuckelte er dann. Wenn er schläfrig wurde, lehnt er den Kopf an meinen Oberarm. Entweder schlief er dann so im Sitzen oder ich veränderte noch etwas die Position und nahm seine Beine zusammen auf eine Seite um ihn wieder in die Wiege Position zu legen- wie früher als Baby.

Und genau so stille ich nun Knopf. Es ist natürlich etwas schwieriger, denn er kann ja noch nicht sitzen also ist das alles eine wackelige Angelegenheit. Daher muss ich meine Brust erst freilegen bevor ich weiter machen kann, dann halte ich mit einer Hand Knopf während er auf meinem Bein sitzt und mit der anderen Hand halte ich die Brust so, dass sie in seinem Mund landet.

Da er seinen Kopf schon gut halten kann ist das recht gut möglich, sobald er nuckelt kann ich ihn in die Wiege Position bringen. Warum es während dem Nuckeln funktioniert und davor nicht – KEINE AHNUNG. Aber es ist mir herzlich egal, Hauptsache ich kann mein Baby wieder stillen.

Ende dieser Woche geht es wieder zum Ostepathen und danach werde ich mir Physio für Knopf verschreiben lassen. Ich hoffe das so über kurz oder lang die Blockade gelöst wird und wir wieder normal stillen können. Der Streß und die Emotionale Belastung sollte jetzt auch weniger werden und kein Grund mehr für Stillschwierigkeiten sein. Wenn das alles nichts hilft, dann werde ich noch mal die Hebamme um Hilfe fragen. Hoffen wir einfach mal.

Hattet ihr schon mal Schwierigkeiten beim Stillen? Vielleicht auch aufgrund einer Blockade? Vielleicht habt ihr ja noch den ein oder anderen Tipp für mich?

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