Mutter Kind Kur mit Baby 

Seit einigen Wochen liegt er da, der Antrag für eine Mutter-Kind-Kur. Ich hab ihn mal ganz mutig ausgedruckt und wollte damit zum Hausarzt gehen. Ich weiß ganz genau, dass meine Ärztin das ganze befürworten würde und hinter meinem Wunsch stehen würde. Aber ich war noch immer nicht bei meiner Ärztin und ich habe immer noch nicht den Antrag ausgefüllt, denn mich plagen starke Zweifel.

Warum eine Kur?

Bereits Anfang des Jahres fühlte ich mich stark erschöpft. Arbeiten, schwanger sein, die Krankheit meiner Mutter und Mini waren eine große Anstrengung für mich. Ich litt unter starken Stimmungsschwankungen, hatte Probleme beim einschlafen und morgens beim aufstehen.

An dem Punkt begann ich über eine Kur nachzudenken. Aber so kurzfristig wäre das nie möglich gewesen, ausserdem traute ich mich nicht drei Wochen weg zu fahren während meine Mutter so krank war. Einfach aus Angst, dass genau dann etwas passieren würde. Umso weiter die Krankheit meiner Mutter fortgeschritten war, umso erschöpfter und angespannt fühlte ich mich. Kurz vor ihrem Tod war die Luft schon längst bei mir raus, doch aus irgendeinem Grund stand ich noch. Der Gedanke an eine Mutter-Kind-Kur wurde immer präsenter.

Aber der Wunsch eine Mutter-Kind-Kur zu machen blieb nicht, manchmal verwarf ich den Gedanken und redete mir selber ein, dass es eine schlechte Idee sei. Dann war ich wieder überzeugt, es sei dass beste für mich und schrieb sogar meine Krankenkasse diesbzgl. an. Als diese dann aber um Rückruf bat, verwarf ich alles schon wieder und rief nie zurück. Mittlerweile geht es mir etwas besser, die Stimmungsschwankungen sind nicht mehr so stark und obwohl die Einschlafprobleme noch vorhanden sind, fällt mir das aufstehen nicht mehr schwer – zumindest meistens. Aber die Motivation ist trotzdem noch sehr getrübt, gerade in Hinsicht Sport, Bewegung und raus gehen. Mein Erschöpfungsgefühl hat sich auch verbessert, wobei dies auch sehr variiert und Tagesabhängig ist. An manchen bin ich voller Energie und laufe mit dem Knopf 3 Stunden spazieren. Dann gibt es aber wieder Tage, da fühle ich mich um 10 Uhr bereits so erledigt, dass ich wieder ins Bett gehen könnte.

Zweifel

Vom Grundsatz wäre ich also durch aus bereit für eine Mutter-Kind-Kur, wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre die mich daran hindert. Diese Kleinigkeit ist aktuell fünf Monate alt und trägt den Namen Knopf. Immer wenn ich an eine Kur denke, denke ich an Knopf und wie ich ihn weinend in eine Fremdbetreuung abgebe. Das bringe ich nicht übers Herz, er ist einfach noch viel zu klein. Ich kann ihn doch nicht einfach so abgeben.

Mein Traum wäre daher, meinen Mann als Betreuer für Knopf und Mini mitzunehmen. Ich würde dann in die Anwendungen gehen und während ich 30-60 Minuten beschäftigt bin, würde mein Mann auf Knopf aufpassen. Bei ihm weiß ich genau, dass Knopf sich beruhigen lässt und wenn mal doch nicht – würde er mich entsprechend informieren und wir könnten handeln. Ja, ich weiß, dass widerspricht einer Kur. Man soll ja mal komplett abschalten und Abstand von allem gewinnen. Aber Knopf ist doch noch so klein und dann ist da ja noch die Erfahrung die ich bei meiner ersten Mutter-Kind-Kur gemacht habe.

Meine Mutter-Kind-Kur

Denn in meiner Kur gab es in Bezug auf die Betreuung starke Probleme. Mini schrie die ersten 1,5 Wochen beim abgeben und beim Abholen war er sehr quengelig und weinerlich. Die Nächte schlief er gar nicht mehr allein und wir teilten uns entweder ein 0,90 m breites Bett oder ich schlief im „Kinderzimmer“ mit einer Matratze auf dem Boden. Er träumte schlecht, wachte oft auf und weinte. Damals belastete es mich sehr und ich besprach mit der dortigen Psychologin bereits meinen Abbruch der Kur. Dann machte es doch noch Klick, von heute auf morgen und Mini fühlte sich endlich wohl. So konnte ich die letzte Woche endlich etwas genießen.

Mit dieser Erfahrung im Kopf und einem wesentlich kleinerem Kind, besser gesagt einem Baby, sagte mein Kopf sofort „DU SPINNST“. Und selbst ohne diese Erfahrung würde ich mich es nicht leichtfertig schaffen, mein Baby abzugeben. Also wäge ich wieder ab, geht es mir wirklich so schlecht – muss ich meinem Baby drei Wochen Betreuung an tun – oder halte ich noch etwas durch? Oder gibt es vielleicht eine alternative?

Alternativen

Ich fing also an zu lesen und zu googeln. Es gibt doch Familienkuren? Vielleicht wäre sowas ja möglich. Oder die Mitnahme meines Mannes als Begleitperson, oder muss ich das Baby vielleicht gar nicht abgeben und kann es in die Behandlungen mitnehmen? Zumindest irgendwie ansatzweise? Vielleicht gibt es ja Kurkliniken die genau das anbieten. Quasi „Kur mit Baby an deiner Seite“ – aber es war ernüchternd.

Die meisten Kur Kliniken raten sogar davon ab. Sie weisen darauf hin, wie streßig es für ein kleines Baby und sogar für kleine Kinder sein kann. Davon mal abgesehen, dass viele erst Babys mit 6 Monaten aufnehmen. Dazu dann auch immer der Hinweis, dass eine Kur nur dann wirken kann wenn du wirklich ohne Kind unterwegs bist. Aber Knopf kann für meinen Geisteszustand doch nichts. Mich belastet am meisten der Krebs meiner Mutter, ihr Krankheitsverlauf, ihre Vorwürfe und nicht das Baby das mich anstrahlt und lieb hat. Das Baby das mich braucht und so oft noch nach mir ruft.

Mich belastet es, dass ich angespannt bin und es in streßigen Situationen an Mini auslasse – obwohl es der Alltagsstreß ist der in dem Moment nervt und nicht Mini. Mir würde es also schon helfen, rund um die Uhr Essen gemacht zu bekommen. In den Tag hinein zu leben ohne an die Abgabezeit in der Kita zu denken. Aber auch ein Gespräch mit einem Psychologen kann ich mir gut vorstellen, natürlich ohne Mini. Aber Knopf? Der kann da ruhig mit, der stört mich dabei eigentlich weniger. Dank Trage oder zur Not stillen, ist eine Sitzung von 45 Minuten absolut machbar. Gut aber mitnehmen ist nun mal nicht gewünscht. Vielleicht doch eine Familienkur?

Aber eine Familienkur ist auch nicht das richtige für uns. Hier sind die Regularien für mich etwas missverständlich, aber soweit ich es verstanden habe ist eine Familienkur nur möglich wenn jeder behandelt werden muss oder für das Kind eine Begleitperson mitreisen muss. Also zum Beispiel, wenn Mutter und Kind einen Behandlungsplan erhalten. Beides trifft bei uns aber nicht wirklich zu. Wobei ich in Bezug auf Mini mal mit dem Kinderarzt sprechen wollte, auch er hat an dem letzten Jahr ganz schön zu knabbern.

Als letztes bleibt dann eben noch die Möglichkeit als Begleitperson mitzureisen. Dies ist aber erst ab drei Kindern oder mehr möglich. Also bei uns ebenfalls keine Alternative. Ich spielte die Möglichkeiten immer und immer wieder in meinem Kopf ab. Schwankend zwischen „beantragen“ und „nicht beantragen“ sagte ich mir ständig die Vor- und Nachteile auf. Ich redete mir ein, dass ich es aufjedenfall ja mal beantragen kann und zur Not eben nicht antreten würde, aber ich rührte mich nicht.

Erfahrungswerte gesucht

Ganz abgelegt habe ich den Gedanken Mutter-Kind-Kur noch nicht. Ich kann mich aber auch nicht dazu durchringen. Ich dachte daher, ich frag einfach mal in die weite Welt hinein. War jemand von euch schon mal mit einem Baby zu Mutter-Kind-Kur? Wenn ja, wie war eure Erfahrung? Wie läuft das mit dem Baby denn? Gibt man es vielleicht gar nicht so oft ab wie ich mir das vorstelle?

Gern könnt ihr mir auch einfach nur eure Meinung mitteilen. Würdet ihr es machen? Würdet ihr aufgrund völliger Erschöpfung in eine Mutter-Kind-Kur fahren und euer Baby von fremden Menschen betreuen lassen?

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4 Einträge zu „Mutter Kind Kur mit Baby 

  • Ich war schon 3 x in Kur . 1 x nur mit der ersten Tochter . Damals 4 . Dann mit 3 Kindern (12,5,1jahre) und einmal familienkur mit Mann und den derzeitigen drei jüngsten (12,8,4) . Ich würde nie mehr eine Kur mit Baby machen ! Es gibt logischerweise keine große Eingewöhnung . Das Baby in fremde Hände zu geben hat meinem Sohn damals sehr geschadet . Nach der Kur war es für mich anstrengender als zuvor weil er starke verlustängste hatte . Familienkur würde ich allerdings auch nicht mehr machen . Lag aber am
    Mann .
    Am besten dann fahren wenn alle Kinder an fremdbetreuung gewöhnt sind , und dann dahin wo sie immer betreut sind . Zu gleichen Zeiten , und nicht nur wenn man selber Anwendung hat . Und nirgends wo hin wo man alleine abends mit dem Kindern auf dem Zimmer essen muss !

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    • Mini war bereits ein Jahr in Betreuung und trotzdem war es in der Kur damals ein Desaster. Das ist also kein Indiz dafür das es funktioniert. Und genau die Erfahrung von damals macht mir Bauchschmerzen.

      Danke für deine Rückmeldung!

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  • Ich hatte auch mal vor mit den Kindern zur Kur zu fahren. Hab den Antrag aber auch nie abgegeben bei der Krankenkasse. Ich hatte einfach zu groß Zweifel. Ich wünsch dir und deiner Familie alles Gute, Sarah

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