Beikoststart beim zweiten Kind

Wo ist die Zeit geblieben? Viel schlimmer, wo ist mein kleines süßes frisch geschlüpftes Baby geblieben? Ich lag doch gestern erst in den Wehen und haderte mit mir, ob meine Kraft für die Geburt reichen würde. Tausende Sätze könnte ich nun ausformulieren über vergangenes, über Gefühle des vermissens und über mein kleines Baby, welches eben nicht mehr so klein ist.

Sechs Monate ist der Knopf nun schon alt und Mini bekam in diesem alter schon einen Monat lang Mittagsbrei. Mehr noch, wir starteten gerade die Einführung des Abendbreis. Wenn ich so darüber nachdenke, finde ich es wirklich sehr faszinierend wie unterschiedlich ich bei beiden Kindern an das Thema Beikost gehe. Knopf profitiert in diesem Fall von den Lektionen die Mini mich lehrte.

Kurzer Rückblick

Stillen war ja anfangs etwas befremdlich für mich. Ich stand nicht so richtig hinter dem ganzen Mutter-Baby-Brust Konstrukt, aber ich entschied mich fürs ausprobieren. Allerdings plante ich bereits vor der Geburt die Beikost. Ich kaufte mir ein schickes Buch, besprach alles mit der Hebamme und ersehnt den Tag an dem Mini endlich fünf Monate alt werden würde.

Bevor der Tag da war, bestellte ich eine tolle Zusammenstellung beim Bio-Händler und machte mir sogar die Mühe den Brei selber herzustellen. Kürbis, Pastinake und Karotte sicherlich würde darunter irgendwas sein, was Mini super lecker finden würde. Natürlich frierte ich den tollen Brei auch vorbildlich in kleine (Eiwürfelgroße-)Portionen ein – ich war also bestens vorbereitet.

Mit fünf Monaten und zwei Tagen saßen Mini, mein Mann und ich im Wohnzimmer. Eine kleine Portion Kürbisbrei stand bereit, die Kamera war auch „positioniert“ und so starteten wir den ersten Brei. Es folgte eine unglaublich streßige Zeit, denn Mini fand den Mittagsbrei doof -wobei das eine Untertreibung ist. Dazu kam, dass ich mich unheimlich mit dem Thema Brei streßte so wog ich zum Beispiel den Brei ab um ein Gefühl zu bekommen wie viel Mini zu sich nahm. Als das nach dem ersten Monat immer noch vernichtend geringe Mengen waren und ich zusätzlich noch normal stillen musste, war ich frustriert. Dennoch machte ich weiter.

Nach einem Monat Frust, Stress und einer täglichen Fütterung des Mittagsbreis starteten wir den Abendbrei. Der Milchbrei klappte besser und wurde von Mini um einiges besser gegessen. So langsam legte sich der Streß und Mini war endlich bei der Beikost angekommen. Dieses Ankommen dauerte aber gut und gerne zwei Monate, sogar etwas länger. Die Einführung des Nachmittags-Obstbrei verlief nun Reibungslos. Auch den aß Mini sehr gern. Einige der Gerichte die es am Mittag gab mochte er mittlerweile auch, aber richtig entspannt wurde es hier erst als es „normales“ Essen gab, also mit ca. zehn Monaten. Über meine Stillbeziehung hatte ich bereits gebloggt – wer dazu mehr wissen möchte der kann dies hier nachlesen.

Kein Streß

Geprägt von dieser streßigen Zeit wollte ich beim zweiten Kind alles anders machen, vor allem mit weniger Streß und Druck. Das war mir von Anfang an klar und so schob ich den Gedanken Beikost erst einmal ganz weit nach hinten. Erst als der Knopf auf der Welt war und immer älter wurde, drängte sich das Thema in den Vordergrund. Dieses mal, so entschied ich, wollte ich es mit BLW probieren.

BLW hatte ich ein, zwei Mal bei Mini ausprobiert. Nachdem er den Brokkoli komplett zerpflückt, auf den Boden verteilt hatte und so gut wie nichts im Mund landete, gab ich auf. Mein Ansatz war nicht richtig, meine Erwartungen auch hier zu hoch. Für mich bedeutet BLW in erster Linie, das Gemüse zu dünsten und es dem Baby am Stück zu reichen. Es bedeutet für mich eine Menge Manscherei und den großen Wunsch nach einem Hausschwein. Aber es ist für mich auch der Inbegriff von Selbstregulierung in Bezug auf Essen und das finde ich sehr wichtig.

Nun ist Knopf also sechs Monate alt und die Gedanken über Beikost kamen und gingen. Seit dem fünften Monat kamen die Gedanken immer häufiger und damit auch die Frage wann ich wie starten möchte. In erster Linie begann ich damit den Knopf zu beobachten und das tue ich auch jetzt noch. Ich achte auf Anzeichen mit denen er mir sagt, dass er bereit ist. Die sogenannten Anzeichen für die Beikostreife.

Zum Abendessen stellen wir den kleinen Mann im Babystuhl zu uns und lassen ihn zuschauen. Er findet es super interessant und sitzt gerne bei uns, wenn auch nicht lang. Meist findet er es nach 5-10 Minuten doof und will lieber auf den Schoß. Gelegentlich reichen wir ihm auch schon etwas von unserem Teller, ein Stück Wrap (ohne alles) oder eine „nackte“ Nudel, doch das Interesse ist eher gering. Im Mund ist bisher noch gar nichts gelandet, meistens nimmt er das Essen nicht mal in die Hand. Oft ist die Aussicht aus dem Fenster auch viel interessanter, als die essende Familie. Ein Nachahmen des Kauens ist mir bisher noch nicht aufgefallen.

Auf Spielzeug oder meiner Brustwarze wird dagegen gern mal rumgekaut. Es landet auch eigentlich alles sehr zielsicher im Mund, es ist also durchaus möglich wenn der Wille da ist. Für mich bedeutet das also, er kann es aber will es noch nicht. Genau wie Mini damals, nur stopfte ich ihm dann einfach den Löffel in den Mund.

Pläne

Den Entschluss dieses Mal BLW zu praktizieren hatte ich ja schon vor längerem gefasst. Nun beschäftige ich mich mit der Umsetzung. In solchen Fällen belese ich mich gern, ich stöberte also bereits vor geräumiger Zeit in der Riesen Auswahl rund um das Thema BLW. Die Auswahl an Büchern ist riesig, die dazugehörigen Kritiken sind auch sehr vielfältig und wenig hilfreich. Zwei oder drei Favoriten habe ich dennoch gefunden, doch bisher nicht bestellt.

Meine Pläne nehmen aber Gestalt an. Wenn Knopf Reif genug ist, werden wir mit BLW starten. Wieder wird uns der Bio-Lieferant meines Vertrauens die Lieferung bringen aber dieses mal wird das leckere Gemüse nicht zermatscht, sondern gedünstet und im ganzen serviert. Dafür ist vor allem entscheidend, dass der Knopf schon sitzen kann. Denn so kann er dann in seinem Stuhl sitzen, mit seinem kleinen Tisch vorne dran und das Gemüse selber zermatschen. Wenn wir Glück haben, landet das Essen nicht nur auf dem Boden, den Wänden und auf mir sondern auch im Magen von Knopf. Damit der Knopf nicht hungrig und ungeduldig ist, wird er vorher gestillt.

Klingt doch eigentlich ganz vernünftig, oder? Ich bin sehr gespannt wie es wird und ob es dieses Mal besser klappt mit der Beikost-Einführung. Die Pläne unterscheiden sich ja schon sehr gravierend. Aber so ist das vielleicht beim zweiten Kind. Vielleicht macht man da wirklich alles anders, manches weniger gravierend und einiges eben doch. In diesem Fall habe ich eine Erfahrung gemacht und etwas anderes draus gemacht.

Wie war es denn bei euch? Welchen Weg seid ihr gegangen? Kennt ihr den Streß um das Thema Beikost – oder wart ihr schon beim ersten Kind eher der Typ entspannt abstillen? Vielleicht habt ihr ja auch noch die ein oder andere Empfehlung in Hinsicht Buch, Blog oder Zubehör für mich. Ich freu mich über eure Kommentare.

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4 Einträge zu „Beikoststart beim zweiten Kind

  • Wir haben beide Male eine Mischform gemacht. Mitessen bei uns, aber auch durchaus mal ein Obst oder Milchbrei. Völlig entspannt. Die Große wurde dadurch 9 Monate fast voll gestillt und mit 11 Monaten abgestillt. Der Kleine hat so richtig erst mit 1 – 1 1/4 gegessen und war nur 1 3/4 abgestillt.

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    • Ich denke auch, dass es bei uns eine Mischung geben wird. Bzw. so haben wir es bisher gestartet. Wir haben BLW getestet, aber auch mal einen Brei. Ich will keinen der Wege verteufeln und alles offen lassen.

      Bisher nach wie vor kein großes Interesse an Essen, mal sehen was die Zukunft bringt.

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  • Ach ja, das kommt mir bekannt vor. Ich habe mich beim ersten Kind anfangs auch gestresst. Mit dem Brei klappte es nämlich überhaupt nicht. Den hat meine Tochter nie gemocht. Irgendwann habe ich dann beschlossen, mich zu entspannen. Ich bin dann auch zu BLW gekommen, sie bekam einfach was von meinem Essen ab und ob etwas im Mund landete oder nicht, war egal. Richtig gegessen hat sie erst mit einem Jahr. Jetzt beim zweiten Kind will ich das von vornherein entspannter angehen und überlege auch, direkt mit BLW zu starten. Das ganze Brei-Gedöns fand ich nämlich doch ziemlich nervig. Wenn das Baby sich selbst füttert, hat man beide Hände frei und das Essen ist viel gemeinschaftlicher.

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    • Das war auch meine Überlegung. Wenn das Baby sich mit dem Essen beschäftigt, dann kann ich entspannt essen. Aber leider ging der Plan nicht so recht auf, da er meist auf meinem Schoß sitzt und viel rum zappelt. Ich denke es wird entspannter, wenn er richtig sitzen kann und dann alleine an seinem Tisch sitzen kann 🙂

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