Sieben Monate Knopf

Lieber Knopf,

wieder sind einige Monate ins Land gegangen und es sind schon sieben Monate die ich dich hier auf Erden begleiten darf. Aufregende Monate in denen du eine Menge gelernt hast. Ich habe das Gefühl, dass wir uns erst in den letzten vier Monaten richtig kennengelernt haben. Die ersten drei Monate mit dir konnte ich einfach nicht genießen und hatte auch nie richtig Zeit nur für dich und uns. Vielleicht ist es dir im ersten Brief gar nicht so aufgefallen, da ich trotzdem einiges über dich und dein Wesen berichten konnte – aber rückblickend war es für mich als wärst du erst am 21.08 auf die Welt gekommen.

Der Tag an dem deine Oma starb, denn dann begann endlich die Zeit in dem ich freier sein konnte. Natürlich musste zu erst einmal die Beerdigung organisiert und abgehalten werden, aber danach gab es nur noch unsere kleine Familie. Dein Bruder, du, dein Papa und ich. Keine Sorgen mehr um deine Oma, keine nächtlichen Anrufe mehr die mich ins Pflegeheim zitierten – nur noch uns. Im Gegensatz zu deinem Bruder durftest du bei der Beerdigung anwesend sein, wir hatten ja auch keine andere Wahl. Du warst noch zu klein um bei deiner anderen Oma zu bleiben, ganz im Gegensatz zu Mini. Der durfte dort in Ruhe spielen und bekam von der Prozedur eigentlich nichts mit.

Du dagegen standest mir, wie dein Vater auch, bei diesem abschließenden Gang bei Seite. Du hast deine Oma mit Gemecker, Tränchen und Gebrüll verabschiedet. Dein Papa hat alles gegeben und versucht dich ausserhalb der Trauerhalle zu beruhigen, aber sobald er nur in die Nähe des Eingangs kam hattest du wieder los gelegt. Es ist halt einfach kein Ort für ein Baby. Nach der Beerdigung hatte ich das Gefühl, dass du dich nun richtig entfaltest. Als hättest du darauf gewartet, dass ich wieder mehr Kraft habe um deine Bedürfnisse besser aufzufangen.

Natürlich hattest du schon vorher gezeigt, dass du da warst aber nun fingst du an mehr Raum für dich zu fordern. Was wahrscheinlich auch daran lag, dass du dich nun – zumindest gefühlt – rasant entwickelt hast. Deine Hände werden noch immer sehr bestaunt und landen am liebsten im Mund, mittlerweile nehmen sie aber auch oft ein Spielzeug, ein Tuch oder Mamas Hand mit. Du liebst es mit meiner Handyhülle zu spielen, aber auch mein Handy findest du sehr interessant. Doch nicht nur mein Spielzeug wird von dir begehrt, auch das Spielzeug von deinem großen Bruder ist bei dir sehr Willkommen. Ob Playmobil oder seine Magnet Holzklötze du findest alles was Mini in seinen Händen hat total interessant.

Generell wirkt es so, als würdest du Mini sehr lieben. Du wirfst ihm oft den selben Blick voller Liebe zu, wie ich ihn erhalte. Wenn er durch die Wohnung tobt strahlst du über das ganze Gesicht und oft greifst du nach ihm. Erst vor ein paar Tagen streicheltest du über seinen Kopf und lachtest dabei. So langsam finden wir uns auch als Familie. Mini hat zwar seit neustem mit der Eifersucht dir gegenüber zu kämpfen aber das Familienleben wird besser. Das war leider nicht immer so, wir mussten in den letzten Monaten viel Kämpfen und obwohl du erst so klein bist, gabst du mir eine Menge Halt und Kraft um durchzuhalten. Oft wirkt es für mich so, als würdest du spüren wenn es mir schlecht geht – denn gerade in solchen Momenten strahlst du mich über das ganze Gesicht an. Unnötig zu erwähnen, dass dabei eine Menge Sabber aus dem Mund läuft. Denn sabbern tust du immer noch viel, egal ob Zähne kommen oder nicht.

Zwei Zähnchen haben sich auch schon bei dir Schmerzhaft durchgeschoben. Du scheinst sehr darunter zu leiden, woran du uns gerade Nachts gern dran teilhaben lässt. Vor allem dein Papa leidet darunter, muss er doch oft bis zu zehn Stunden im Büro sitzen und sich konzentrieren. Da ist eine Nacht mit schreiendem Baby echt kontraproduktiv, aber auch deinem Papa schenkst du dafür bei jeder Gelegenheit ein breites lächeln. Hier unterscheidest du dich sehr von Mini. Du liebst mich abgöttisch und manchmal da brauchst du nur mich, aber ich kann dich auch ohne Probleme bei Papa lassen und du findest es absolut nicht doof. Du spielst mit ihm, brabbelst und strahlst ihn an. Generell strahlst du viel, du bist immer noch ein sehr glückliches und fröhliches Baby. Zu 90% lächelst du die Menschen an, egal ob Bekannt oder Fremd. Seit ein paar Tagen reichen dir die Stunden tagsüber nicht mehr aus, weswegen du nun auch Nachts wach bist und Party machst.

Es fing am 20.12 an – da feierten wir quasi in deinen „7 Monate Geburtstag“ rein, denn du hattest die Entscheidung getroffen nicht mehr zu schlafen und lieber 1,5 Stunden zu schreien. Ich vermute es waren die Zähne die dich so fertig gemacht haben. Zwei Nächte ging das so und mir fehlte der schlaf massiv. Nun hast du dich aber umentschieden und brüllst nicht mehr nachts, sondern bist einfach gut drauf aber eben wach. Meist unterhältst du dich dann für eine Stunde mit Papa. Ihr lacht, du brabbelst, Papa bittet dich wieder zu schlafen – natürlich ohne Erfolg. Irgendwann wandert er dann ins Kinderzimmer aus und du schläfst bei mir nuckelnd an der Brust wieder ein.

Die Brust ist für dich immer noch dein Hauptnahrungsmittel, Essen hat noch nicht gänzlich dein Interesse geweckt. Egal ob ich dir das Essen zum selbst essen hinlege oder dir Brei gebe, so richtig viel landet nicht in Mund und Magen. Wenn du aber die Wahl hast, dann bevorzugst du lieber Brei. Im Gegensatz zu damals bei deinem Bruder, streße ich mich dieses mal aber nicht. Ich gebe dir die Zeit und den Raum den du brauchst. Was du schon gut integriert hast, ist das trinken. Wasser aus der Trinklernfalsche findest du super. Du nuckelst, schluckst, spuckst und lässt das Wasser im Mund – es ist eine Art Spiel welches dir eine Menge Spaß macht. Deine Klamotten sind regelmäßig durchnässt vom trinken. Aber lieber vom trinken als von Exkrementen, was du auch besonders gut beherrschst. Schon zwei Bodys sind im Müll gelandet, weil sie so voll gesaut waren.

Mittlerweile hast du entdeckt, dass du alleine zurückbleibst wenn ich den Raum verlasse und reagierst mit Weinen darauf. Wie jedes Baby bist auch du nicht gern allein, du liebst es am täglichen Leben teilzuhaben. Du schaust total gespannt zu, wenn ich koche oder wenn wir essen. Du liebst es wenn wir spazieren gehen, meidest aber zum einschlafen immer noch den Kinderwagen. Wir drehen mittlerweile fast täglich eine Runde durch die Felder hier im Ort. Erst bringen wir gemeinsam Mini in die Kita und dann geht es los. Du in der Trage, ich den Kinderwagen schiebend. Wenn du eingeschlafen bist, lässt du dich ohne Probleme hinlegen und schläfst weiter. Diese Spaziergänge tun uns beiden unheimlich gut. Ich komme etwas zur Ruhe und du schläfst an der frischen Luft – was du ja schon als neugeborenes Baby sehr gern gemacht hast. Wenn du wach wirst, dann bleibst du noch für ein paar Minuten ruhig im Kinderwagen, manchmal reicht es um nach Hause zu kommen, aber manchmal eben nicht. Dann fängst du an zu weinen und willst auf den Arm genommen werden. Ich hoffe der Kinderwagen und du werden noch bessere Freunde.

Aber noch mehr wünsche ich mir, dass du und das Auto bessere Freunde werdet. Denn so wirklich gern Auto fahren tust du immer noch nicht. Das schreien wird zwar langsam aber sicher weniger, aber dennoch du schläfst oft erst nach heftigem weinen ein. Was eine sehr unangenehme Sachlage für deinen ersten Urlaub bot, denn wir fuhren mit dem Auto an die Ostsee. Es lief ganz ok, wenn dein schreien zu wild wurde machten wir Rast aber das war leider nicht immer möglich. Auf der Hinfahr standen wir im Stau und du schriest wie am spieß, so richtig panisch mit schluchzen und wenig atmen. Die Brust hattest du verweigert und so nahm ich dich für einen kurzen Moment raus. Ich war verzweifelt und konnte deine Traurigkeit nicht mehr ertragen. Nach kurzem kuscheln konnte ich dir wieder die Brust geben und dich zurück in den Maxi Cosi setzen und endlich konntest du einschlafen. Ich hatte die ganze Zeit bedenken, bedenken vor einem Unfall auch wenn wir im Stau standen und natürlich bedenken, dass die Polizei uns erwischen würde. Aber ich wog die alternativen ab und diese war für mich die einzige die Gangbar war.

So langsam entwickelst du auch einen eigenen Drang zur Bewegung. Drehen von Rücken auf Bauch beherrschst du schon perfekt, aber zurück gefällt dir nicht so gut. Vielleicht liegt es daran, dass du dir dabei schon öfters den Kopf gestoßen hast. Am unbeschwertesten bewegst du dich in unserem Bett. Hier drehst du dich und hast auch schon deine ersten Versuche von Fortbewegung gemacht. Das Robben klappt immer besser und kurz nach Weihnachten hast du dich das erste mal ein gutes Stück Vorwärts bewegt. Du übst auch schon ganz fleißig auf allen vieren zu stehen und bewegst dich schwingend vor und zurück. Ich glaube es dauert nicht mehr lange und du krabbelst mir weg. Dann ist nichts mehr vor dir sicher, da bin ich mir ziemlich sicher.

Weihnachten hast du ganz toll gemeistert. Der viele Besuch hat dich in keiner Weise gestört, den Tannenbaum fandest du allerdings überhaupt nicht interessant. Ich glaub wäre es nach dir gegangen, dann hätten wir keinen gebraucht. Da scheinst du nach deinem Vater zu kommen, ich hoffe aber du entdeckst noch die Freuden von Weihnachten und mutierst nicht auch zum Grinch. Einer reicht mir im Haus.

Habe ich eigentlich schon was zu deinem Schlafverhalten erzählt? Ich glaube nicht. Du schläfst, wie auch schon dein Bruder, bei uns im Bett. Ich persönlich finde es am einfachsten und du scheinst es auch zu genießen. Du suchst oft die Nähe und bis du mal richtig tief schläfst dauert es einige Zeit. Du rufst in der Regel alle halbe Stunde nach mir, bist aber oft schon mit meinem Geruch und kuscheln zufrieden. Diese Momente in denen du dich nur durch meine Nähe beruhigst, beruhigen auch mich unheimlich und schenken mir eine Menge Kraft. Gelegentlich verlangst du aber auch noch nach der Brust das geht so lang, bis ich mich selbst Bett fertig mache und zu dir schlafen lege.

Ein weiterer Meilenstein steht bald an, denn Bald können wir deinen ersten Reisepass abholen. Diesen hatten wir im November für dich beauftragt und werden ihn dann bei unseren großen Reise im April/Mai einsetzen. Die Planungen dafür nehmen langsam Gestalt an und wir freuen uns schon alle darauf. Vor allem dein Bruder kann es kaum erwarten, aber natürlich auch dein Papa und ich sind sehr gespannt. Dein Bruder hat in seinem ersten Strandurlaub laufen gelernt und ich bin sehr gespannt, welche Fähigkeiten du mit nach Hause bringen wirst.

Generell ist Kindern beim Aufwachsen zu zuschauen ein sehr spannendes Thema, sind wir also gespannt was die nächsten Wochen und Monate bringen.

Vergiss bitte nie, ich liebe dich so wie du bist – auch wenn ich vielleicht nicht immer die Mama bin die es dir so zeigen kann.

Deine

Mama

 

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