Goodbye Opel

Murphy hat wieder zugeschlagen, er hat uns wieder ein Ei ins Nest gelegt an dem wir etwas zu knabbern haben. Wobei so langsam glaube ich nicht mehr an Murphy, ich glaube da gibt es einen Autor der mein Leben schreibt und aus irgendeinem Grund scheint er mich nicht sonderlich zu mögen. Ich will ja gar kein besonderes Glück, aber einfach in Ruhe leben ohne ständige Bomben die explodieren – ja das wäre schön. Langweilig aber schön.

Nun fragt ihr euch bestimmt was diese Einleitung mit dem Titel des Beitrags zu tun hat, tja nun das erhaltene Ei dreht sich um unser Auto. Unseren heiß geliebten Zafira. Gekauft Oktober 2015 – knappe 50.000 km auf der Uhr und wahrscheinlich der letzte Opel den wir jemals fahren. Falls ihr wissen wollt warum das so ist, dann folgt mir nun auf eine Zeitreise durch mein Leben mit Opel.

Meine Geschichte mit Opel beginnt schon sehr früh, eigentlich schon mit meiner Geburt. Geboren wurde ich im Mai 1984, zu dieser Zeit startete der Große Streik bei Opel. Die IG Metall forderte eine 35 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich. Sie streikten sechs Wochen und es konnte keiner im Opel-Werk Rüsselsheim arbeiten. Darunter mein Vater, ein Opel-Mitarbeiter – frisch gebackener dreifach Papa – der Dank Mitgliedschaft in der Gewerkschaft weiterhin Geld erhielt und sich wenigstens darüber keine Sorgen machen musste.

Damals fuhren wir noch keinen Opel, das änderte sich aber als Opel den Frontera auf den Markt brachte. Mit diesem Auto traf Opel genau den Geschmack meines Vaters und er rannte zum nächsten Opel-Händler um ihn in Lagunblau zu bestellen. Die Farbe des Autos gefiel mir, der Rest eher nicht. Ich war damals 8 Jahre alt als wir ihn erhielten und meine Aversion gegen Opel begann. Das Ding hatte laufend Macken. Ich erinnere mich daran, dass wir an einem Tag Wasser im Beifahrerraum hatten. Ich glaub das kam von der Heizung. Dann funktionierte der Blinker manchmal nicht, er surrte durchgängig anstatt zu blicken und manchmal da öffnete sich einfach hinten das Ersatzrad während der Fahrt. Meine Mutter hasste das Auto auch, glaube ich zumindest, ich erinnere mich zumindest daran wie sie fluchend hinter dem Lenkrad saß.

Erlösung von diesem Auto fanden wir dann, als es bei der Beerdigung meines Opas vom Friedhof geklaut wurde. Kleiner Slapstick, es geschah in Polen. Ob die Diebe mit dem Auto jemals glücklich geworden sind, werden wir wohl nie erfahren. Wenn es nach meinem Vater gegangen wäre, dann wäre wohl wieder ein Frontera gefolgt, es wurde aber nur ein Opel Omega. Eine Limousine, was eine Umstellung. Das Auto behielten wir schließlich bis mein Vater starb. Es war ein schnelles Auto, dass weiß ich weil ich irgendwann das Alter erreicht hatte um selber damit zu fahren. Eigentlich kann ich auch nichts schlechtes über das Auto sagen, aber ich mochte Opel trotzdem nicht. Der Ruf von Opel war schlecht, das miterlebte vom Frontera war schlecht, mein Bruder und meine Klassenkameraden machten Opel schlecht – ergo machte ich Opel auch schlecht.

Ich erinnere mich, wie ich mit der Schule einen Ausflug zu Opel Live gemacht habe. Mein Vater war Stolz das ich mir das ganze mal ansehe, seinen Arbeitsplatz besuche. Ich dagegen fand es nur Öde und brachte irgendeinen blöden Spruch über Opel. Ich erinnere mich auch, dass mein Vater einmal ganz aufgeregt von der Arbeit nach Hause kam und über den neuen Opel berichtete. Ich glaub es war der Signum und er sollte tolle neue Features haben, Opel wolle damit wieder einen besseren Ruf bekommen. Es war irgendein hohes Tier im Rüsselsheim Werk und verkündete, er wolle wieder mehr Opel Fahrzeuge auf den Mitarbeiter Parkplätzen sehen und mein Vater stand voller Feuer und Flamme hinter ihm.

Irgendwas hatte es geschafft mein Interesse für Opel zu wecken. Ich fand gefallen an den Modellen die Opel entwickelte und so faßte ich gemeinsam mit meinem Mann den Entschluss einen Meriva zu leasen. Mein Vater hätte es mir bestimmt genüsslich unter die Nase gerieben, wenn er noch gelebt hätte, dass Opel eben doch überzeugend sein kann. Nun ja, ich hätte es ihm gegönnt. Wir bestellten also einen Meriva und an meinem Geburtstag im Jahr 2005 holte ich ihn ab. Es war toll einen Neuwagen zu haben und kein Vergleich zu meinem 15 Jahre alten Punto den ich vorher fuhr. Nach einem Jahr entschieden wir uns das Auto zu kaufen und so wanderte ein silberner Meriva in meinem Besitz. Wir fuhren das Auto etwas mehr als sechs Jahre. Dann mussten wir es voller Groll wieder abstoßen.

Nach ca. drei bis vier Jahren fingen die ersten Macken an und wir steckten Mitte 2011 ca. 1700 Euro für Reparaturen in das Auto. Ich kann euch schon gar nicht mehr genau sagen was es war, aber wir dachten damit investieren wir in weitere Jahre – doch dem war nicht so. Ende des Jahres versagte der Motor, ein Diesel Motor mit etwas mehr als 120.000 km und 6,5 Jahren Laufzeit. Wir beschlossen kein weiteres Geld in das Auto zu stecken und verkauften es für die 1700 Euro die wir zuvor an Reparaturen bezahlt hatten. Zur Überbrückung gab es einen alten Polo – weit über 10 Jahre alt – und wir sparten etwas Geld zusammen um uns einen gebrauchten Astra zu kaufen.

Ja es sollte wieder ein Opel werden, denn wir redeten uns ein dass der Meriva nur aufgrund des Isuzu Motors so schlecht war und Opel dafür ja nichts kann. Der Astra war Baujahr 2004 und hatte auch seine Wehwehchen, die wir aber auf das Alter und dem Status „gebraucht“ schoben. Dennoch begleitete uns das Auto nicht lang. Wir erworben es 2012 und stießen es 2015 wieder ab. Zum einen planten wir über kurz oder lang ein zweites Kind zu bekommen (dafür wäre in dem Auto definitiv kein Platz) und zum anderen wäre er nicht ohne viel Geld über den TÜV gekommen. Wir träumten von einem Neuwagen.

Verliebt hatte ich mich ja in den Insignia, mein Mann in den Zafira. Beides wieder Autos von Opel. So sehr mir auch der Insignia gefallen hat, es wurde ein Zafira – Wir sind einfach Van Fahrer. Also ab zum Händler und den Zafira konfigurieren. Es sollte wieder ein Neuwagen werden, eine gute Investition wie wir dachten. So können wir das Auto bestimmt gute 4-5 Jahre fahren ohne größere Reparaturen. Im Anschluss würde man immer das nötigste Reparieren und ihn fahren bis er auseinander fällt.

So der Plan. Für diesen Plan belächelte mich mein Arbeitskollege. Er hatte erst vor kurzem seinen Zafira abgestoßen. Er nannte es ein Schrottauto, welches ständig Macken hatte und fast mehr in der Werkstatt stand als in der Hofeinfahrt. Ich überhörte dies einfach und redete mir ein, dass der neue Zafira da anders sei. Wir bekamen das Auto im Oktober 2015. Ich verliebte mich in das Auto. Ein Traum. Genug Platz für uns alle und auch mit zwei Kindern ideal und der Dieselmotor hatte genug Power um auch mal anständig schnell zu fahren.

Der Zafira passte perfekt zu uns, auch als wir nach Italien damit fuhren waren wir begeistert. Der Platz optimal, das Fahrgefühl super – alles passt. Aber es kamen wieder kleine Dämpfer. So war bereits nach dem ersten Jahr der Lichtsensor Kaputt und musste repariert werden. Eine Gewährleistungssache und damit unentgeltlich, dennoch war es ein defekt. Danach folgte ein Problem mit einem Motorkontroll-Lämpchen (oder eins der anderen ich weiß es nicht mehr), welches von Problemen erzählte. Auch das ging harmlos aus aber erneut ein kleines Problem. Bei den Inspektionen wurde nie was größeres gefunden und so verstrich im Oktober letzten Jahres die Garantie. Und nun kam es, dass Ei. Unser Zafira, etwas mehr als 2 Jahre alt, um die 50.000 km und nun eine defekte Kupplung.

Reparaturkosten werden bisher auf knapp 1.800 Euro geschätzt. Ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll. Kulanz wurde direkt abgelehnt – da es sich um ein Bauteil handelt welches von Abnutzung betroffen ist. Hier gibt es nur ein Jahr Garantie und fertig. Wie viel die Reparatur genau kosten wird, weiß man auch noch nicht da das Auto zu neu ist und es noch keine Erfahrungsberichte gibt. Dazu muss erst das ganze Getriebe ausgebaut werden um an die Kupplung zu kommen… Was soll ich sagen? Ich bin kein Mechaniker und ich habe keine große Ahnung von Autos. Aber ich halte es nicht für ein gutes Zeichen von Qualität, wenn jetzt schon die Kupplung kaputt ist.

Die Reparatur werden wir nun notgedrungen machen lassen, wir werden das Auto auch weiterhin fahren. Geld für ein neues haben wir jetzt eh nicht. Wir hoffen, dass es jetzt einfach Unglück war und das uns das Auto nur noch treue Dienste leisten wird. Ich bin echt sauer und genervt. Bisher hat keiner dem ich davon erzählt habe gesagt „Nach 2 Jahren neue Kupplung, ja das kenn ich. Ist normal“. Die meisten sind irritiert und geschockt. An dieser Sache kann ich mir nichts schön reden, ich finde das darf nicht passieren. Ich bin auch enttäuscht, dass hier direkt eine Kulanz abgelehnt wird. Meine Freundinnen raten mir zum Anwalt zu gehen und zu fragen, ob ich dagegen irgendwie vorgehen kann. Momentan bin ich ratlos, ratlos und genervt. Im Moment haben wir die Schnauz voll von Opel und würde uns jemand Fragen, welches Auto wir uns aktuell kaufen würden – dann würde die Antwort wohl nicht Opel lauten.

Ob sich das in näherer Zukunft ändert, kann ich nicht sagen – aber ich tendiere zu nein. Wie ich ja bereits Eingangs durchblicken ließ. Es ist schade und mit Blick auf unsere gemeinsame Vergangenheit wirklich schade.

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4 Einträge zu „Goodbye Opel

  • Das erinnert mich an meine Erfahrungen….allerdings mit ner anderen Marke…..ich hab zum Glück nach nur einer Pleite mit der „heiligen“ Marke meines Vaters….noch frühzeitig den Absprung geschafft *g*

    Ich drück euch mal die Daumen, dass es nur ein Ausrutscher war mit der Kupplung.

    Grüße Heiko

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    • Gebranntes Kind scheut Feuer – heißt doch so oder?
      Momentan bin ich noch ziemlich vor den Kopf gestoßen und echt wütend.
      Am Montag ist das Auto dann in der Reparatur und es wird geschaut was nun alles kaputt ist. Vielleicht haben wir ja noch Glück, wenn nicht werde ich mich aufjedenfall noch mal mit Opel in Verbindung setzen – ich find das nicht normal.

      Wenn wir ein neues Auto kaufen, dann informier ich mich vorher mal bei dir 😉

      Viele Grüße
      Mutterstiefchen

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  • Ich bin auch ein Mai 1984 Kind.. wie witzig. 😁😁😁👍
    Wann bist Du denn geboren?

    Ich habe mit Opel leider auch keine tollen Erfahrungen gemacht, so weit wie Du kam ich allerdings nie. 😂😂
    Mir wollten die nämlich nie ein Auto verkaufen. Ich war in 5 verschiedenen Autohäusern von Opel und entweder es kam kein Verkäufer, oder er konnte uns gerade kein Angebot machen weil das PC-Programm spinnte oder, oder, oder.
    Vor 4 Monaten haben wir sogar eine Probefahrt gemacht- und danach nie wieder etwas von dem Verkäufer gehört.
    Ich wollte wohl einen kaufen, es kam aber nie dazu 😂🙊

    Ich kann Deine Wut sehr gut verstehen… das würde mich auch rasend machen. 😬
    Ich drück euch die Daumen, dass sie euch doch noch irgendwie entgegenkommen. ✊✊

    Gefällt 1 Person

    • Ich hab am 23. Geburtstag 🙂 Da haben wir ja noch was gemeinsam 😉

      Oh da scheinen die Verkäufer wohl genug Geld an „Idioten“ wir mir zu verdienen ^^die brauchen dein Geld nicht mehr 😉

      Am Montag wird das Auto aufgeschraubt, die Reparatur ist nicht so einfach. Sie müssen erst das Getriebe ausbauen um zu sehen was genau kaputt ist. Danach wissen wir mehr und erst dann werde ich mich an Opel direkt wenden und fragen ob die sich so ihre Mobilitätsgarantie vorstellen… Mal sehen was die sagen. Danke fürs Daumen drücken.

      Grüße 🙂

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